| Schlechte
Heiden |
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Der Gegensatz von Christentum und germanischem Glauben, der von den "Neuheiden" konstruiert wird und der auch der seit langem ad acta gelegten Konzeption der nationalistischen Kirchengeschichtsschreibung von der "Germanisierung des Christentums" zugrunde liegt, erweist sich aus dieser Perspektive als gegenstandslos. Ein wikingerzeitlicher Nordgermane, der unter moderne Neuheiden geriete, würde nicht nur den dort prakizierten Riten völlig verständnislos gegenüberstehen; noch mehr würde ihn der sektiererische Dogmatismus, der Mangel an Offenheit und Innovationsvermögen befremden. Denn eines läßt sich jedenfalls von den Germanen der Spätzeit mit Sicherheit feststellen: Sie waren ebenso schlechte Heiden, wie sie nach der Taufe noch lange schlechte Christen gewesen sein dürften. |
Literaturauswahl: Klaus
von See: Europa und der Norden im Mittelalter. Heidelberg 1999. Klaus Boeldl (geb.1964) studierte Nordische Philologie, Germanistik und Komparatistik in München und Lund. Promotion 1999 über die Rezeption der Edda in Aufklärung und Romantik. Heute ist er wissenschaftlicher Assistent am Skandinavistik-Institut der Universität München und übersetzt auch mittelalterliche isländische Literatur; zuletzt erschien 1999 die Eyrbyggia saga. Ausserdem schreibt er Romane, z.B. die auch im "Literarischen Quartett" gelobte "Studie in Kristallbildung". Momentan arbeitet Klaus Boeldl an seiner Habilitationsschrift zum Thema "Christianisierung des Nordens". Kontakt: klaus-boeldl@lrz.uni-muenchen.de |
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| Archaisches Frühmittelalter | Atalante 5 |