 |
|
Im
archaischen Christentum des Mittelalters lebten zahlreiche Vorstellungen
fort, denen man auch schon in der heidnischen Periode angehangen hatte.
Es handelt sich dabei nicht notwendig um im engeren Sinne heidnische Elemente,
sondern oft um solche, die sich aus den Bedürfnissen der Menschen ergaben.
Die Wikinger waren in erster Linie Ackerbauern
und Viehzüchter wie die Menschen im christlichen Mitteleuropa;
die Handels- und Plünderungszüge waren für die meisten nur
ein Zubrot. In ihrer Religion spielten Fruchtbarkeit
und Ernteglück eine zentrale Rolle, und der neue Glaube
hätte bei ihnen keinen Bestand haben können, wenn er auf diese
Grundbedürfnisse keine Rücksicht genommen hätte. Schon den
fränkischen Merowingern war Jesus Christus eher ein Sieges- und Fruchtbarkeitsgott
gewesen als ein Symbol des ewigen Lebens. Kruzifixe aus dem Frühmittelalter
zeigen manchmal einen Jesus mit erigiertem Phallus.
Oftmals wurden die Fruchtbarkeitsfunktionen auf Heilige
übertragen. In Schweden war dafür der heilige Erik zuständig,
dessen Kult in Uppsala nur etwa zwei Generationen nach der Aufgabe des Frey-Kultes
etabliert wurde, im frühen 12. Jahrhundert. Es gibt kaum zuverlässige
Hinweise darauf, wie die kultische Verehrung dieser auch aus der Edda bekannten
Fruchtbarkeitsgottheit ausgesehen hat, doch vielleicht ähnelte sie
dem späteren Erikskult, bei dem
dessen Reliquien in einer feierlichen Prozession über die Felder getragen
wurden. |