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So ist allein Washington voll von "Memorials",
in denen grosse US-Politiker oder berühmte Armeen wie Helden bzw.
Märtyrer gefeiert werden: monumentale "Heiligtümer",
die auf seltsame Art und Weise Patriotismus, Ahnenkult und christlich-fundamentalistisches
Denken miteinander vereinigen. Abraham Lincoln, George Washington, Thomas
Jefferson oder die Kennedys sind hier keine Menschen mehr, sondern überdimensionale
mythische Figuren, die manchmal sogar auch mit Jesus Christus oder Moses
verglichen werden.
Ebenso
überhöht sind die nationalen Feiertage: "Thanksgiving"
erinnert an die Landung der Pilgerväter in Massachussets, die sich
wie das Volk Israel fühlten, das nach der Flucht aus der Sklaverei
nun in Amerika das "Neue Zion" aufbauen wollte. Der
4. Juli gemahnt an die Gründung der Republik, Geburtstage an
die verschiedenen Präsidenten und der "Columbus-Day"
an die Entdeckung des neuen "Gelobten Landes" im Westen. Die
"göttliche Vorsehung", die nach Ronald Reagan einst
die USA als Musterland ausgesucht hatte, findet sich übrigens auch
in dem Wort "Providence" wieder, das zahlreichen amerikanischen
Städten als Name dient. (1)
Vom
Verständnis der US-Geschichte als "Heilsgeschichte"
bis zum "amerikanischen Missionarismus" war es nur ein
logischer Schritt: Seit jeher vereinigen sich darin sowohl ein gutgemeinter
Weltverbesserungswunsch, als auch aggressive Tendenzen. So wahr es ist,
dass die USA Deutschland vom Faschismus befreiten, so wahr sind auch ihre
imperialistischen Aktionen, die von der Vernichtung der Indianer über
die Versklavung der Schwarzen bis zu den Kriegen in Korea, Vietnam, Kambodscha,
Irak etc. reichten.
Das einzelne Individuum, das an den Folgen des New Yorker Terroranschlages
starb, war für solche Untaten nicht verantwortlich, aber Dutzende
von amerikanischen Politikern, Generälen, Wirtschaftsführern
und Geheimdienststrategen der vergangenen Jahrzehnte.
Samuel Huntington sprach in seinem berühmten Buch vom "Kampf
der Kulturen" und viele Indizien rund um den 11.September lassen
zumindest die Frage auftauchen, ob sich mit Begriffen wie "crusade"
und "Heiliger Krieg" nicht zwei fundamentalistische
Positionen gegenüberstehen. Europa ist hier - als gebranntes Kind
- pragmatischer, wenn es nur von der Verteidigung der "Vernunft"
und der "Menschenrechte" spricht. Aber die USA lieben doch immer
wieder Kultformen und pathetische Sprachbilder, die auf ein christlich-apokalyptisches
Erbe zu verweisen scheinen.
Was
aber ist das "Böse", als das man den jeweiligen
Gegner zu disqualifizieren trachtet? Kann es mit B-52 Bombern oder Selbstmordattentätern
ausgelöscht werden? Mit der Kampfformel "Gott gegen Satan"
scheinen wir nicht weiterzukommen, weil jede Seite sie nur mit den ihr
genehmen Inhalten auffüllt.
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