In einer Eck-Kneipe mit Flipperautomaten-Flair hatte man sich zum ersten Mal gesehen, und es sei, so er, das letzte Mal gewesen, daß man sich hier treffe. Beim nächsten Date erfuhr sie, daß der, mit dem sie jetzt im Café Einstein saß, Mediziner sei, der sein Interesse insbesondere auf Formschönheit, Farbkomposition fokussiere und auch die Kamera zu führen wisse. Und, daß sich aus ihr was machen ließe. Demnächst würde er sie einem Produzenten vorstellen. Für's erste ward sie nur bei seinem Nachbarn eingeführt, als Schauspielschülerin, draußen im Grünen, wo sein Refugium stand. Auch das, sein Domizil, war anders, als sie es sich vorgestellt hatte. Der Garten weitläufig, zugewachsen, wild, verwunschen das kleine Fachwerkhaus und wie zum Dornröschenschlaf hingestellt. Gleich daneben das Blockhaus, geräumig wie ein Salon, ausgestattet mit dem Bett einer Kurtisane, einer Kommode im Stil des Rokoko, der Gobelin filigran chinesisch gearbeitet.

Den Tee nimmt man draußen, das Gebäck auch. Er pflegt lifestyle, aber nicht ungebrochen, umgibt sich mit Teurem, durchsetzt von wohlberechnetem understatement. Sowieso ist es nicht ihre Welt - noch nicht. Sie wird sie sich aneignen, sich ihr anverwandeln. Ein wenig hat sie schon bei ihm gelernt. Dana war nie so, wie man sie wollte. Jetzt will sie so, wie der will. Sie genießt die Änderung ihrer selbst, die sich hier ankündigt.

Stephan mag Dana und beginnt sie zu lieben. So, wie er viele vor ihr geliebt hat. Die Figur trifft seinen Geschmack, ihr Gesicht ist gut geschnitten, ihr Haar blond, ihre gesamte Erscheinung so, daß man sich mit ihr sehen lassen kann. Gewerbe und Drogen haben Spuren hinterlassen, aber nur für Kenner erkennbar.

Dana erkennt in Stephan den weitgereisten Weltgewandten. Er ist kein streetworker, keiner, der helfen will, lästig fällt. Kein gesellschaftskritischer Künstler, der Nutten an der Potsdamer knipst für die fortwährend geplante Photo-Ausstellung, auch kein Arzt für Notfälle und Hausbesuche, der zum Quartalsende abrechnet. Der lebt nicht, um zu arbeiten, der arbeitet nicht, um zu leben. Der hat genug. Er ist nicht süchtig, raucht nicht, trinkt moderat, nur Wein und nur vom Besten, nie am Nachmittag, nie gierig. Auch beim Sex ist er nicht ungehemmt leidenschaftlich. Er ist Liebhaber. Er liebt die Kunst und die, die die Kunst lieben. Er ist Sammler.