Dana sitzt, das geöffnete Fenster im Kreuz, wartend im locker besetzten Operncafé. Sie hatte oft gewartet - gehend, stehend, mit beiden Beinen fest auf der Erde oder mit einem angewinkelten an die Hauswand gelehnt, schweigend oder schwatzend, rauchend, trinkend, manchmal schnupfend -, obwohl es nie ihre Stärke gewesen, das Warten, das Durchhalten. Schauspielerin wäre sie gern geworden, wenigstens Tänzerin. Sie kannte viele, aber keinen, der nah genug dran gewesen wäre, um zum ersten Schritt zu verhelfen. Jetzt aber erwartet sie jemanden, auf den sie setzt, ihren Freier aus Pretty Woman.

Die Tür fest im Blick, hält Dana Ausschau nach ihrem Be-Freier. Sie war sich nie sicher, ob sie sich nicht hinsichtlich Tag, Stund und Ort geirrt habe. Eine Unwägbarkeit, die ihr nichts ausmachte. Bisher. Jetzt ist es anders. Einmal hatte sie die Location verwechselt, ihn – bereits unverhofft – auf dem Rückweg gesehen, gewedelt, geschrien, öffentliche Aufmerksam erregt. Er sah sie, blieb stehn, ließ sie kommen, grinste und säuselte: "Bella Traviata, übermorgen, vielleicht versuchen wir's da nochmal".

Sie hätte ihn jetzt gern eintreten gesehen, hat bereits sein Gesicht vor sich, das reife, unverbrauchte, seine offenen Augen, das Haar, das auf dem Kopf und über der Lippe graumelierte. Nicht mehr jung, aber wohlhabend. Und Wohlhabenheit hält jung. Da platzen in ihre Gedankenverlorenheit hinein seine Anweisungen - man bleibe nicht, gehe auch nicht, wie versprochen, shoppen, man fahre zu ihm raus. Im übrigen trinke sie zuviel und das falsche. Er hinterläßt überzählig Geld auf dem Tisch und bietet seinen Arm. Er ist keiner der wartet, sondern holt sich unverkrampft, wonach ihm ist. Dana ist charmiert, daß ihm nach ihr ist.