Tieck spielt mit unterschwelligen Bedeutungsebenen des Wortes "Rune": Ehemals germanische Schriftzeichen, die auch magischen Zwecken dienten, werden sie jetzt zu Chiffren des Unheils. Ist der "Runenberg" vielleicht ein alte Kultstätte, von der noch unheimliche Schwingungen ausgehen? Die Tafel enthält bizarre Symbole, die der junge Mann nicht versteht, aber die intensiv auf ihn einwirken.

Tieck kehrt die eher dämonischen Elemente des Heidentums hervor. Die Frau in der Ruine könnte eine Manifestation früherer Erd- und Muttergottheiten sein, die - neben Komponenten wie Fruchtbarkeit - auch verschlingende und zerstörerische Aspekte besassen.

 

Christian ist froh, als er vom Berg wieder in das Tal hinabsteigt, wo ihn Kirchenglocken und spielende Dorfkinder unerwartet anrühren.

Die Empfindungen und Wünsche während der Nacht erschienen ihm "ruchlos und frevelhaft, er wollte sich wieder kindlich, bedürftig und demütig an die Menschen wie an seine Brüder schliessen und sich von den gottlosen Gefühlen und Vorsätzen entfernen."

Christian bleibt im Dorf, findet einen guten Job, heiratet und scheint nun doch wieder einen ruhigeren Lebenswandel gefunden zu haben. Als ihm nach Jahren einfällt, dass er ja noch Eltern hat, regt sich sein schlechtes Gewissen und er beschliesst, die alten Leute noch einmal zu besuchen. Er verabschiedet sich vom Dorf und tritt den langen Wanderweg über die Berge an. Dabei kommt er auch am "Runenberg" vorbei, der zum wiederholten Male unerklärliche Gefühle in ihm auslöst.
Er wird zaghaft, bleibt oft stehen und wundert sich über die Furcht, die mit jedem Schritt zunimmt. Schliesslich trifft er bei den Felsen einen alten Mann, der in das aufmerksame Betrachten einer Blume versunken ist. Es ist sein Vater, der nach dem Tod seiner Frau einsam umherirrt. Immer schon wollte er diese seltene Blumenart finden und nun bringt sie ihn auch noch mit dem verloren geglaubten Sohn zusammen.
Der Runenberg   Der Niedergang