Der Schriftsteller Ludwig Tieck (1773-1853) verarbeitete den Konflikt zwischen heidnischen und christlichen Elementen in dem Kunstmärchen "Der Runenberg", das von der Verwandlung eines jungen Mannes erzählt, der nachts auf unheimlichen Felsenklippen ein merkwürdiges Erlebnis hat.

Ähnlich wie in Eichendorffs Novelle "Das Marmorbild" ist es die Begegnung mit einer geheimnisvollen Frau, die irritierende und aufwühlende Gefühle in ihm freisetzt.


Christian, der Held der Geschichte, ist unzufrieden mit seinem Leben und läuft von seinen Eltern weg, um neue Existenzmöglichkeiten zu erkunden. Als er sich einmal nachts verirrt hat, begegnet er einem Fremden, der ihn auf den geheimnisvollen Runenberg hinweist.

Trotzdem viele Gerüchte über diesen kursieren, solle Christian ihn ruhig besteigen: "Wer nur zu suchen versteht, wessen Herz recht innerlich hingezogen wird, der findet uralte Freunde dort und Herrlichkeiten, alles, was er am eifrigsten wünscht."

Auf der Spitze des Berges entdeckt Christian verfallene Ruinen und einen grossen Saal, in dem eine schöne Frau in Meditationen versunken ist: Sie ruft "Geister" an, spricht von einem "Meister" und ihr Anblick löst in dem jungen Mann unerklärliche Gefühle aus, gleichzeitig "Wunderfelsen von Vertrauen" und "Wasserströme voll Wehmut".


Zum Abschied schenkt sie ihm eine steinerne Tafel mit seltsamen Zeichen darauf und entlässt ihn mit den Worten: "Nimm dieses zu meinem Angedenken!"

Christian wacht irgendwann auf und weiß nicht mehr, ob alles nur Traum war oder er es wirklich erlebt hat. Von einer Tafel ist nichts mehr zu sehen.

 

 
Rauschen der Haine   Das Dorf