Auch Künstler nehmen diese Spannungen wahr und formulieren sie in ihren
Werken, etwa der deutsche Minnesänger Walter
von der Vogelweide (1170-1250). Rudolf Steiner zitiert ein Gedicht
von ihm, in dem der Wunsch besungen wird, dereinst wieder Ehre, weltliches
Gut und Gottgefallen "in einem Schrein" zusammenzuhaben, ohne
dass eines davon "verdürbe". "Fried und Recht"
- so Walter - seien momentan "todeswund", und ehe sie nicht gesunden
würden, könnten auch die religiösen Dinge nicht gut gedeihen.
Die Klöster üben nicht nur spirituelle und rechtliche Macht aus,
sondern haben auch das Bildungsmonopol inne. Zwar konzediert Steiner, dass
von solchen Orten auch bedeutende geistige Leistungen ausgingen, aber er
beklagt das Auseinanderklaffen von lateinischer Gelehrsamkeit mit dem Anliegen
des einfachen Volkes. Dieses verkümmert immer mehr zu einer ungebildeten,
entrechteten und verarmten Masse, aus der dann viele Besitzlose und Fahrende
zur Teilnahme an den Kreuzzügen
angeworben werden: für Steiner ein weiterer Tiefpunkt in der Geschichte
des Christentums, der zwar auch arabische Kultur und Wissenschaft nach Mitteleuropa
bringt, aber vor allem das unheilvolle Phänomen der Zwangsbekehrung
weiterführt. Von der Toleranz des Arianismus scheinen die Verhältnisse
nun weit entfernt zu sein. |