| "Germanischer
Christus" |
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Der "Arianismus" ging von der Lehre des Bischofs Arius aus, der zur Kirche von Alexandrien gehörte und eine vom damaligen Dogma abweichende Christus-Interpretation vertrat: Jesus Christus könne nicht denselben göttlichen Status wie der "Vater" haben, da er ja von diesem gezeugt worden sei und auch seine Auferstehung erst aus dessen Gnade empfange. Zahlreiche germanische Stämme übernahmen diese Deutung: Es entsprach wohl ihrem Freiheitsgefühl und bisherigen Religionsverständnis, in Gottes Sohn eher einen spirituellen Lehrer als einen über ihnen thronenden Erlösergott zu sehen. Dies ermöglichte die Vorstellung, dass auch jeder Einzelmensch göttliche Erleuchtung erlangen könne, ohne auf die Barmherzigkeit einer ihm unnahbaren Wesenheit angewiesen zu sein. In der arianischen Lehre des gotischen Bischofs Wulfila (311-383) erscheint Jesus Christus daher auch als eine Art Stammesfürst, der mit seinen "Jüngern" im Stil einer Volksversammlung verkehrt, ähnlich wie in der späteren altsächsischen Evangeliendichtung des "Heliand". |
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Das wichtigste war aber war die eigene Sprache, in der die biblische Botschaft verkündet wurde. Wulfila entwickelte dafür in seiner "gotischen Bibel" ein eigenes Alphabet, das z.T. auch auf die alten Runen zurückgriff. Es benutzte den für die Germanen vertrauten Stabreim sowie altheidnische Formulierungen, um ihnen die ungewohnten Wertvorstellungen des Christentums nachvollziehbar zu machen. "Frauja", das Wort für Jesus Christus, bezog sich etwa auf den alten Sonnen- und Lichtgott "Fro" (Freyr), der den Frühling brachte, "runa" (Zauberrune, geheimnisvolles Zeichen) wurde für das Mysterium der Offenbarung verwendet und aus dem Hinrichtungsinstrument des Kreuzes machte Wulfila einen Galgen. Vor allem die im germanischen Kulturkreis ungewohnten Begriffe wie "Schuld", "Sünde", "Vergebung" und "Erlösung" mussten in vertraute Denkfiguren umgesetzt werden. So erklärte die "gotische Bibel" den selbstlosen Akt der Vergebung mit den Worten für "Schenken" bzw. "Gabe" und das "Erlöstwerden" als Akt des "Genesens". Jesus Christus war neben seiner Eigenschaft als Volkskönig auch "Arzt", "Heiler", "Heiland". Ihm Dank zu sagen, bedeutete für die Germanen nicht, in die Knie zu fallen, sondern ihm ein "Preislied zu singen." Das Verhältnis
von Jesus zu seinen Jüngern interpretierte man als Beziehung von
selbstbewussten Lehensherren gegenüber ihrem Herzog, der in seiner
"Geschöpflichkeit" kein Gott, sondern ein vorbildhafter
Lehrer und Anführer war. Die Bedeutung des unbekannten "Paradieses"
machte man anhand des Walhall-Mythos klar: nach dem Tode gebe es ein Zusammentreffen
der Gefolgsleute mit ihrem König in den Hallen des Himmelsgewölbes,
das jedoch hier nicht als Kampfplatz und Trinkfest, sondern als unermessliches
"Lichtreich" gepriesen wurde. Den Inhalt der christlichen Lichtmystik
versuchte die "gotische Bibel" über Worte wie "prunkvoll",
"glänzend" und "strahlend" klarzumachen, deren
metaphorische Qualitäten in den Vordergrund gerückt wurden,
wodurch eine Spiritualisierung und Verinnerlichung der germanischen Sprache
stattfand. Ähnliches geschah mit Begriffen wie "Herz",
das sich für gemüthaft-seelische Farben öffnete und "Opfer",
welches seinen blutigen Chrakter verlor und nun eher vergeistigte Vorgänge
wie das Abendmahl bezeichnete.
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