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Als ich mich ein paar Jahre später mit dem Verhältnis von Sigmund Freud und C.G. Jung beschäftigte, tauchte die Problematik wieder auf. Freud hatte Jung eindringlich beschworen, die elementare Bedeutung der Sexualtheorie nie aus seiner Psychoanalyse zu eliminieren, weil sie das einzige "Bollwerk gegen die schwarze Schlammflut des Okkultismus" sei. Trotz der überzogenen Drastik dieses Bildes, das auch Ängste Freuds spiegelt, verstand ich dennoch, was es mir Positives sagen konnte: Lebe im Einklang mit deiner Sexualität und erliege nicht "übersinnlichen Einflüsterungen", bevor du nicht dein Sinnliches kennengelernt und ausgelebt hast. | ![]() |
| Ebenso interessant war jedoch der Standpunkt von Jung, der ein attraktiver, sinnenfroher und von Frauen umschwärmter Mann war. Er beschrieb Freud einmal das Ziel seiner Psychoanalyse als eine Art Zurückverwandlung von Jesus Christus in den "weissagenden Gott der Rebe, der er war": als einen Versuch, über die Reaktivierung von Symbolen ein neues Denken und Fühlen anzuvisieren, "wo der Mensch in Ethos und Heiligkeit Tier sein darf." |
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Jung
spezifiziert dies noch in einem anderen Essay mit der genialen Formulierung,
die christliche Nächstenliebe
habe es bisher versäumt, sich auch auf das "Tier
in uns" auszudehnen und ich begriff, dass
das
Auseinanderklaffen des "Heiligen"
und "Sexuellen" viel
mit unserer religiösen Tradition zu tun hatte. Diese hatte zu deren
Versöhnung nicht nur nichts beigetragen, sondern den Graben bewusst
immer mehr vertieft. Eindrucksvoll war auch ein von Jung mitgeteilter
Traum, der ihn als Halbwüchsigen in ein Erdloch geführt hatte,
wo auf einem prunkvollen Thron ein baumhoher fleischerner Kultpfahl mit
einem Phalluskopf aufragte. Während Jung als Kind davor erschrak,
deutete er dies später als "unterirdischen
Gegenspieler" und "dunkle
Seite" des immerzu guten Gottes, den er im Pfarrhaushalt
seiner Eltern kennengelernt hatte. |
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| Nach solch kraftvollen und die Imagination anregenden Bilder fragte ich mich, wie unsere heutige Gesellschaft mit dem Spannungsfeld von "Heiligem" und "Sexuellem" umgeht. Dabei machte ich recht seltsame Beobachtungen: |