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Sexualität in Mystik und Magie

von Arvid Dittmann


Einleitendes

Ungleich anderen magischen Disziplinen genießt die Sexualmagie selbst bei praktizierenden Okkultisten noch heute einen durchaus umstrittenen Ruf. Dieser Umstand mag nicht zuletzt auch das Ergebnis eines kulturbedingt nach wie vor unsicheren Verhältnisses des modernen Menschen zu seiner Körperlichkeit sein, der in einem nicht geringem Maße durch die monotheistischen Religionen in weiten Teilen der Welt befördert wurde. Trotz einer oft massiven Unterdrückung von magischen Handlungen durch den Islam und die jüdisch-christlichen Religionssysteme, welche in besonderem Maße sexuelle Praktiken betraf, ist ein auf okkulter Weltanschauung basierendes Denken und Handeln auch in der heutigen Zeit weiterhin existent.
Die Auseinandersetzung des Menschen mit seiner Sexualität führt immer in die Kernbereiche des Lebens und ist daher in allen Kulturkreisen seit jeher Gegenstand von hohem Interesse gewesen. In der heutigen Zeit allerdings scheint Sexualität einzig mit Begriffen wie Fortpflanzung oder einem profanem Lustgewinn verknüpft zu sein. Die allseits präsente Darstellung von (vornehmlich weiblichen) nackten Körpern in der Werbung sowie die immer aggressiver werdenden Strategien zur Vermarktung pornographischer Erzeugnisse lassen leicht vergessen, daß aller Erotik auch ein durchaus sakral zu nennendes Moment zu eigen ist.
Bei einer näheren Betrachtung wird ersichtlich, daß - ungeachtet aller Normierungsversuche - der metaphysische Gehalt des sexuellen Erlebens auch für Menschen in einer weitgehend säkularisierten Welt nach wie vor von grundlegender Bedeutung sein kann. Die meist unbewusste Sehnsucht nach einer Aufhebung der gegebenen Polaritäten, die sich im männlichen und weiblichen Prinzip offenbart, findet den ihr gemäßen Ausdruck in der körperlichen Vereinigung eines Mannes mit einer Frau. Die natürliche Gleichwertigkeit beider Prinzipien läßt sich für diesen Vorgang auf eine einfache Formel bringen: Das Männliche durchdringt das Weibliche, gleichzeitig aber umschließt das Weibliche das Männliche.

 

Atalante 6