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Einleitendes
Ungleich
anderen magischen Disziplinen genießt die Sexualmagie selbst
bei praktizierenden Okkultisten noch heute einen durchaus umstrittenen
Ruf. Dieser Umstand mag nicht zuletzt auch das Ergebnis eines kulturbedingt
nach wie vor unsicheren Verhältnisses des modernen Menschen zu
seiner Körperlichkeit sein, der in einem nicht geringem Maße
durch die monotheistischen Religionen in weiten Teilen der Welt
befördert wurde. Trotz einer oft massiven Unterdrückung von
magischen Handlungen durch den Islam und die jüdisch-christlichen
Religionssysteme, welche in besonderem Maße sexuelle Praktiken
betraf, ist ein auf okkulter Weltanschauung basierendes Denken und Handeln
auch in der heutigen Zeit weiterhin existent.
Die Auseinandersetzung des Menschen mit seiner Sexualität führt
immer in die Kernbereiche des Lebens und ist daher in allen Kulturkreisen
seit jeher Gegenstand von hohem Interesse gewesen. In der heutigen Zeit
allerdings scheint Sexualität einzig mit Begriffen wie Fortpflanzung
oder einem profanem Lustgewinn verknüpft zu sein. Die allseits
präsente Darstellung von (vornehmlich weiblichen) nackten Körpern
in der Werbung sowie die immer aggressiver werdenden Strategien zur
Vermarktung pornographischer Erzeugnisse lassen leicht vergessen, daß
aller Erotik auch ein durchaus sakral zu nennendes Moment zu eigen ist.
Bei einer näheren Betrachtung wird ersichtlich, daß - ungeachtet
aller Normierungsversuche - der metaphysische Gehalt des sexuellen
Erlebens auch für Menschen in einer weitgehend säkularisierten
Welt nach wie vor von grundlegender Bedeutung sein kann. Die meist unbewusste
Sehnsucht nach einer Aufhebung der gegebenen Polaritäten, die sich
im männlichen und weiblichen Prinzip offenbart, findet den ihr
gemäßen Ausdruck in der körperlichen Vereinigung eines
Mannes mit einer Frau. Die natürliche Gleichwertigkeit beider Prinzipien
läßt sich für diesen Vorgang auf eine einfache Formel
bringen: Das Männliche durchdringt das Weibliche, gleichzeitig
aber umschließt das Weibliche das Männliche.
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