Wir fahren ins Elburz-Gebirge. Wir versuchen es, um präzis zu sein. "Vor 5 Jahren hat der Schah jedem Iraner ein eigenes Auto versprochen, jetzt hat jeder eins." Soviel zum Stau, in dem man steht oder meterweise vorwärtsrollt, solange man im Einzugsbereich von Teheran gefangen ist. Zeit genug, anhand der Nummernschilder nun wenigstens die arabischen Zahlen zu lernen.

Frauen fahren auch. Es sind wenige. Und es wird grundsätzlich gehupt und gefuchtelt, als hätten sie Allah weiß wie den stehenden Verkehr behindert durch ihre Fahrweise. Freilich zu männlichen Fahrern sind männliche Fahrer auch nicht netter, wenn sie glauben, da hätte einer einen Fehler gemacht. Kazim verriegelt grundsätzlich die Wagentür und reagiert auf nichts. Wir haben gesehen, wie's zugeht, wenn einer ersteres vergessen hat. Auf der Straße existiert die orientalische Höflichkeit prinzipiell nicht. Weder gegenüber Autofahrern noch Fußgängern.

Die Stadt ist zu schnell gewachsen, die Autos sind zu rasch importiert worden, an Fußgängerüberwege wurde nicht gedacht. Wenn, dann müßten es schon Straßenüberbrückungen oder -unterführungen sein. Hier hält man nicht für Menschen. Der Ölreichtum läßt keine Zeit. Das Land ist in Eile. Man steckt zwischen Selbstzufriedenheit und Gier, zwischen Arbeitslosigkeit und Überforderung.

Im Elburz allerdings ist es anders. Wir besuchen Kazims Tante. Sie ist hier Bürgermeister, jedenfalls den Sommer über. Den Winter verbringt sie in Italien. Zu kalt wahrscheinlich. Das Haus hat weder elektrischen Strom noch Wasser. Wir waschen abends das Geschirr vor dem Haus am Brunnen. Die Bürgermeisterin, ihr Neffe und ich. Die übrigen Teheraner Gäste, die zur Sommerfrische gekommen sind, sind zu eitel. Alle. Die männlichen Iraner und ihre europäischen Ehefrauen. Eine davon beklagt, daß es hier keine Restaurants gibt. Sie hat Angst vor Mikroben. Sie sieht der Barbie-Puppe ähnlich, kann immer noch nicht Persisch und wird von der Tante nicht geschätzt. Vor allem weil sie nicht arbeitet, nicht für einen gesellschaftlichen Status sorgt. In dieser Klasse ist frau nicht nur Ehefrau.