Liebe und Fortpflanzung

Die Liebessympathie, die Mann und Frau im Geschlechtsakt verbindet, ist nicht nur Folge der gegenseitigen Anziehungskräfte zwischen den Geschlechtern. Nach Rudolf Steiners Auffassung spiegeln sich in den hin- und herwogenden Gefühlen auch ungeborene Seelen, die auf den Wellen der Emotion vor dem physischen Akt, gegenwärtig sind. Die Individualität des ungeborenen Kindes ist es, die die Eltern zusammenführt. Sie wirkt schon in den Schicksalswegen, die zur Begegnung der potentiellen Eltern führt. Kommt es zu einer Befruchtung, dann wirkt vom ersten Augenblick an in dem sich entwickelnden Fötus ebendiese Individualität bei der Ausbildung ihres Leibes mit. Die geistige Individualität ist mit dem sich entwickelnden Embryo verbunden und greift etwa vom Zeitpunkt der Nidation an unmittelbar in die leibliche Ausformung des Embryo ein. (GA 109, 201f)

Diesen von Steiner beschriebenen Sachverhalt kann man bis heute bei australischen Aboriginesfrauen begegnen, die erst dann zur Empfängnis bereit sind, wenn sie von ihrem künftigen Kind in der Traumwelt besucht worden sind. In der Zeit zwischen Tod und neuer Geburt weilt unser Unsterbliches in der Fixsternregion. Im glitzernden Kristallpalast der Zwölfgötter thronen majestätisch über allen anderen die vier Cherubim. Hier bauen wir unter Anleitung erhabener Gotteswesen den Geistkeim unseres künftigen physischen Leibes auf. Der alles umschließende Makrokosmos bildet sich im Mikrokosmos dieses Geistleibes ab. In der Planetenwelt, durch die unser Unsterbliches zur Erde herabsteigt, bilden wir aus der Astralsubstanz der Planetengötter unser Seelenkleid, den Astralleib. Nicht von den Genen empfangen wir unseren Leib, sondern von den Göttern. Jede Befruchtung von unten geht mit einer Befruchtung von oben einher.Der Embryo, der sich im Mutterleib bildet, entsteht aus dem Makrokosmos, der sich im menschlichen Leib abbildet. Bis zu 35 Generationen hindurch kann eine solche Vorbereitung auf eine künftige Inkarnation dauern. Die geistige Individualität, die sich in der Sternenwelt, im Kosmos aufhält, blickt auf den Generationsstrom herunter und wirkt in der Alchymie der sich in Liebe verbindenden Vorfahren. (GA 181, 196)

In den irdischen Liebesverhältnissen, so Steiner, liegt etwas mysteriös Unbestimmtes, etwas rational nicht Greifbares. In diesem geheimnisvollen, zauberhaften Wirken, das von den alten Griechen mit dem Walten einer Gottheit in Zusammenhang gebracht wurde, die ihre tückischen Pfeile verschießt, wirken in Wahrheit die Seelen der Ungeborenen, die ihre künftigen Inkarnationen suchen. Deswegen herrscht in den Ereignissen, die Mann und Frau zusammenführen, auch nie völlige Freiheit, völliges Bewußtsein. (GA 214, 146)
 

Warnung vor falscher Askese   Gegen den Pansexualismus