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Hier hat sich im Denken ereignet, was Novalis - etwas pathetischer - mit
Berührung des irdischen durch einen himmlischen Geist umschreibt,
eine Beobachtung, die nicht nur viele Künstler, sondern eben auch
Naturwissenschaftler, Mathematiker und Erfinder kennen: "Es dünkt
dem Menschen, als sei er in einem Gespräch begriffen, und irgendein
unbekanntes, geistiges Wesen veranlasse ihn auf eine wunderbare Weise
zur Entwicklung der evidentesten Gedanken. Dieses Wesen muss ein höheres
Wesen sein, weil es sich mit ihm auf eine Art in Beziehung setzt, die
keinem an Erscheinungen gebundenen Wesen möglich ist. Es muss ein
homogenes Wesen sein, weil es ihn wie ein geistiges Wesen behandelt und
ihn zur seltensten Selbsttätigkeit auffordert. Dieses Ich höherer
Art verhält sich zum Menschen wie der Mensch zur Natur, oder wie
der Weise zum Kinde. Der Mensch sehnt sich ihm gleich zu werden."
Gauss spricht von
einem "Blitz" und tatsächlich besitzt auch unsere Alltagssprache
noch einige Worte für solche quasispirituellen Erfahrungen: "Geistesblitz",
"Einfall", "Eingebung", "Inspiration"
etc. Etwas kommt von aussen (von oben?) auf uns zu, reicht uns die
Hand und belebt, erweitert oder korrigiert das bisher Gedachte. Diese
Wechselbewegung von Aktivität und Empfangen, Logik und Intuition,
Geist und Kosmos, Innen und Aussen meint der Begriff "atmendes
Denken". Der Unterschied zu mystischen Offenbarungen oder religiösen
Tranceerfahrungen liegt darin, dass dieser Prozess im Akt wachen und ichbestimmten
Bewusstseins geschieht, auch wenn das Ich vorübergehend eine dienende
Funktion einnehmen kann.
Novalis' Bemerkung, dass die moderne Psychologie in ihrer Untersuchung
des Denkprozesses "Larven" dorthingesetzt habe, wo eigentlich
"ächte Götterbilder" stehen müssten, spielt
auf das Wissen antiker Kulturen um solche Dinge an. Was etwa die alten
Griechen und Römer unter "Daimones", "Musen"
und "Genien" verstanden, waren solch inspirierende
(d.h.einhauchende) Stimmen und Wesenheiten, die den Menschen als eine
Art Schutzengel begleiteten.
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