| GALERIE: | Die iranische Videokünstlerin/ Fotografin Shirin Neshat (geb. 1957) |
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Die Iranerin Shirin Neshat verliess mit 17 Jahren ihre Heimat, um in den USA Kunst zu studieren. Als Khomeini 1979 die islamische Revolution ausrief, lebte sie in Los Angeles und konnte erst einmal nicht in ihre Heimat zurückkehren. Als sie 1990 den Iran wieder besuchte, fand sie eine radikal umgestaltete Gesellschaft vor: "Die Menschen", so beschrieb sie die Situation, "hatten sich auf einer sehr tiefen Ebene verändert, oft sogar jenseits ihrer eigenen Wahrnehmung." |
| Neshat hatte zu diesem Zeitpunkt 10 Jahre lang keine Kunst gemacht, aber sie wurde von den Erlebnissen in ihrer Heimat so sehr berührt, dass sie wieder mit eigenen Arbeiten begann. Eine ihrer ersten Fotoserien - "Women of Allah" (1994) - stellt militante muslimische Frauen dar, die teilweise ihre Waffen tragen und auf deren entblössten Körperteilen Gedichtzeilen von feministischen Autorinnen eingraviert wurden. |
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Durch Techniken von Stilisierung und Abstrahierung werden aus Schwarz und Weiss Spannungsfelder, die ebenso von Abstossung wie von Anziehung bestimmt werden. Besonders eindrucksvoll zeigt dies etwa Neshat's Video "Rapture" (Ekstase) von 1999, das auf zwei gegenüberliegenden Leinwänden eine Gruppe von Männern und Frauen miteinander konfrontiert:
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Die nicht nur räumlich, sondern auch noch durch Farbgebung voneinander getrennten Komplexe des Weiblichen und Männlichen durchlaufen in dieser Serie verschiedene "Aggregatzustände": Mal sind sie mehr kollektiv verdichtet, mal eher in einzelne Individuen aufgelöst: etwa die auf der Befestigungsanlage lose herumsitzenden Männer und die über den Strand verstreuten Frauen. Die dramaturgische Isolierung der Gruppen löst im Betrachter allgemeinere Empfindungen über "Männer" und "Frauen" aus, als es die "islamisch" eingefärbte Kulisse nahelegt. Es kommt einem auch ein Begriff wie "Geschlechterkampf" in den Sinn, der ja nicht nur negativ ist, sondern auf Elementares verweist, das unsere Konsens-Gesellschaft vielleicht schon verdrängt hat. Dabei wirken die Männer keineswegs überlegen: Sie strahlen auch eine gewisse Hilflosigkeit aus und wirken manchmal wie Internatsschüler, die wohl gerne wollten, aber nicht können. Umgekehrt bekommen die Frauen gerade durch die Verschleierung Kraft und Würde und es ist nicht klar, zu welchem Zweck sie am Ende das Boot ins Meer schieben: gemeinsamer Selbstmord, Akt des selbständigen Aufbruches, Kommunikation mit der Natur und ihren Kraftreserven? Gerade die Mehrdeutigkeit von Neshat's Arbeiten gibt ihnen ihre ganz besondere Ausstrahlung. Ähnliches gilt für das Video "Fervor" (Glut) aus dem Jahre 2000, in dem sich in einer Einöde ein Mann und eine verschleierte Frau begegnen. Während der Mann sich noch einmal umdreht, läuft die Frau ohne (äussere) Reaktion weiter. |
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Später treffen sich beide bei einer Ansprache wieder, in der Männer und Frauen strikt voneinander getrennt einem Geistlichen zuhören, der vor den Gefahren fleischlicher Lust warnt. Hierbei kommt es - diesmal von Seite der Frau - zu einem erneuten Blickkontakt. "Im Iran ist es einer Frau nicht mal erlaubt, einen Mann anzusehen", bemerkt Shirin Neshat dazu, "aber gelegentlich treffen sich Augen und der dabei entstehende Schock geht jedesmal durch den ganzen Körper". |
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| Zusätzliche Web-Informationen über Shirin Neshat und die iranische Kunstsszene |
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