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Germanische
Kultstätten und -bräuche
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Obwohl das Thema durch den Nazimißbrauch bis heute mit einem Schatten belegt ist, gibt es doch auch wissenschaftliche Erkenntnisse über Kulte und Bräuche der Germanen. Es sind meist Moore oder Seen, aus denen man zahlreiche Opfergaben barg, die Aufschlüsse über religiöse Vorstellungen unserer Vorfahren geben. Für die Germanen wie für die Kelten war das Wasser ein heiliger Eingangsort zu höheren Mächten, denen man Schiffe, Waffen, Schmuck, Tier- und Menschenopfer darbrachte. |
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Die Archäologen fanden auch hölzerne Götterbilder, die sich in hohem Masse etwa von römischen oder griechischen Skulpturen unterscheiden. Es scheint, als hätten die Germanen davor zurückgeschreckt, das Transzendente allzu menschenähnlich darzustellen. Oft schimmert die rauhe Maserung des Holzes hindurch und etliche Ikonen wirken wie Exponate moderner Bildhauerei. |
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Der berühmteste germanische Opferfund ist der sogenannte "Tollund-Mann", der ca. 200 v.Chr. in einem dänischen Moor versenkt wurde. "Tollund" bedeutete einst "Torlund": der Hain des Gottes Thor, dem dieses Opfer vermutlich galt. Im Magen des Todeskanditaten fanden sich Kräuter, die ihn wohl in komatöse Zustände versetzen sollten. Ein Strick um seinen Hals weist auf Tod durch Erdrosseln hin. |
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Trotzdem wirkt der Mann wie ein Schläfer, der in ruhigem Einklang mit seinem Schicksal starb. Denn die Germanen glaubten an eine Jenseitsfahrt der Seele in andere Welten, was Runensprüche, "Edda"-Stellen, Grabbeigaben und schiffsförmige Kultobjekte bezeugen. Ein
faszinierender Aspekt in der Beschäftigung mit archaischen Kulturen
ist die Begegnung mit einer Weltsicht, die zwar auch überholte
Aspekte enthält - z.B. Blutrache, Blutopfer und Kriegerkult - aber
dennoch Wahrnehmungen aktiviert, die unser rational geprägtes Leben
auch wieder ein Stück erweitern können. Dazu zählt etwa
das Denken in Bildern statt in abstrakten
Begriffen, die Ahnung von einem logisch niemals völlig zu erfassenden
Weltengrund und das Gespür für die Verschränktheit von
Gut und Böse, Licht und Finsternis, Himmel und Hölle. Vor
allem aber vermittelt sich ein großer Respekt vor der als beseelt
empfundenen Natur, in der der Mensch nur ein Teil ist. |
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