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Und wer hat die Griechen beeinflußt? Ja, die Ägypter,
die man allerdings erst seit der Entzifferung des Rosettasteins im 19.
Jahrhundert zu den schriftlichen, also architekturhistorisch einzubeziehenden
Kulturen gerechnet hat. Und von wem wurden die Ägypter geprägt?
Von der Megalithkultur, die man inzwischen durch naturwissenschaftliche
Meßverfahren gezwungen war, als früher anzuerkennen.
Warum nur ist uns das Frühe und das noch Frühere so wichtig;
weil wir Ursprünge suchen, die wir in der Gegenwart vermissen? Natürlich
teilte ich die allgemeine Sympathie zum Ausgeschlossenen, Fremden, eine
Sympathie die andere Altersgenossen und Ältere, wie der holländische
Architekt Aldo van Eyck, schon anderen Kulturen entgegengebracht und vieles
davon für die Moderne gewonnen hatten: Bauten der Mayas, "Anonyme
Architektur", die Bernd Rudofsky publizierte, afrikanische Gralshütten
als Vorbilder für Atriumhäuser. Aber hätten diese Kollegen
auch die Megalithkultur angefaßt? Wäre sie ihnen nicht nur
Grab- und Tempelarchitektur, bestenfalls astronomische gewesen und hätte
ihnen zu wenig geboten für den Wohnungsbau, der doch das eigentliche
Thema der Architektur sei und nicht die Steinbauten der Herrschaften?
War mir nicht auch der Reiz wichtig gewesen, daß nicht einmal Mythen
die Vorgänge in den Tempeln assoziieren ließen? Daß wir
keine Spielarten des Weltverstehens, nicht einmal in Form allgemeinerer
Rituale zur Verfügung haben, sondern darauf angewiesen sind, uns
die vorhandene Architektur mit ihrer kruden praktischen Symbolik und Funktion
zu erklären? Die Bauten Maltas versprachen den Reiz des Sprachlosen
gegen das heutige Gefasel so vieler Theoretiker, Architektur sei Sprache,
etwa von Peter Eisenman, der konsequenterweise behauptet, Architektur
zu schreiben, und damit lächerlich formalistische Entwürfe produziert,
panische Befreiungsschläge aus der ungelösten Fessel der Rationalistischen
Architektur, wie sich noch zeigen wird.
Regt nicht die Sprachlosigkeit der Bauten das eigene Sprechen an? Diese
Frage würden die heutigen Neorationalisten mit Begeisterung bejahen,
denn ihre streng geometrischen, oft geschlossenen und funktional problematischen
Baukörper rechtfertigen sie gerne als gerade animierend für
die Phantasie. In Malta aber läßt sich die Sprachlosigkeit
nicht auf Geometrisches oder Formales zurückführen. In ihrer
Kleinteiligkeit und in ihrer archäologischen Präsenz wickelt
sich diese Architektur ab, entfaltet sich bereitwillig vor unseren Augen,
nur eben, daß wir ihre Sprache nicht verstehen. Architektur, von
der wir so wenig wissen und die uns ganz fremd ist, fordert unsere eingeschlafene
Bereitschaft zur Unmittelbarkeit heraus, mehr noch, unsere vorbehaltlose
Sympathie, während die sich so oft dem Betrachter anbiedernde Architektur
uns regelmäßig auch als Nutzer abstößt. Und weil
wir so wenig wissen, werden wir zu Laien, durchaus mit der Schärfe,
daß Laien die Professionisten übertrumpfen, was im Katholizismus
letztlich zum Protestantismus geführt hatte und in den Naturwissenschaften
zu ...?
Man wünscht der Beschäftigung mit den maltesischen Bauten die
Stammtische eher als die esoterischen Zirkel. Leider ist dies eine Erwartung,
die ich durch nichts bestätigen kann. Selbst einige Stammtouristen,
denen wir in Malta begegnet waren sind überrascht, wenn man von der
Einmaligkeit der maltesischen Reichtümer an Tempeln und den phantastischen
Skulpturen im Museum von Valetta erzählt. Sie sind so überrascht,
wie wir enttäuscht von der Qualität der Strände, die ihnen
wiederum wichtig ist, neben der garantierten Sonne im Winter und den niedrigen
Kosten für Flug, Unterkunft und Verpflegung. Schade, daß die
Bauten, selbst
wenn sie so nahe liegen, kein Interesse auslösen, geschweige denn
Gespräche, die keine traurigen Gespräche sein müßten,
weil sie vom Tod nur in der Art der Entsorgung des Leichnams und seiner
Erinnerung handelten.
Vielleicht war noch ein anderer Grund viel ausschlaggebender für
Malta, nämlich die Faszination am frühesten Steinbau
und an den Spuren der mit ihm verbunden Magie. Nun leben wir heute
nicht in magischer Zeit, und ich würde unmöglich in einer Gesellschaft
leben wollen, deren Grund oder Begleiterscheinung die Magie wäre,
weil dies in der Wirklichkeit nicht ohne großfamilienähnliche
Zwangsgeschichten abliefe. Dies gilt auch, obwohl ich einsehe, daß
die Verbindung von Natur, Leben und Gesellschaft eine triftige Quelle
für die Akzeptanz der unausweichlichen Ökologischen Dimension
darstellt.
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