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Kreuzzug,
Türken, Moslempower "God bless America!", tönte es aus dem Munde der Queen beim "Trauer-Gottesdienst in St. Paul´s Cathedral, und dann sang sie als Oberhaupt der anglikanischen Staatskirche an eben diesem heiligen Ort lauthals die amerikanische Nationalhymne. Vor dem Brandenburger Tor erklang bei ähnlichem Anlass ein bluesgefärbtes, stimmungsvolles Vater Unser, während sich der verspätete Außenminister ein paar hundert Meter weiter noch über die künftige Militärtrategie beriet. Und hatte nicht Bush längst sein christliches Sternenbanner entrollt, um damit gegen die grüne Fahne des Propheten zum "Kreuzzug" anzutreten? "Naming the Antichrist" heißt bezeichnend eine Studie zu diesem fundmentalistisch-apokalyptischen "Wir-gegen-Sie"Topos der US-amerikanischen Außenpolitik. (R.C.Fuller, Naming the Antichrist. The History of an American Obsession, New York 1995). Dagegen bliesen bereits 1999 die vom Balkan heimgekehrten Djihadisten bei ihrem Kairoer Prozess zum islamistischen Sturm: "Islamische Revolution gegen das Kreuzzügler-Amerika!" (Pohly/Duran, Osama bn Laden). Beide Seiten hatten ihren "Großen Satan ausgemacht, bin Laden schon im Jahr zuvor die "Islamische Kampffront gegen Juden und Kreuzzügler gegründet, gedacht als Dachverband für die Djihadisten aller Länder. Das dazugehörige Djihad-Büro "Al Qa´ida" (= Die Basis) hatte er sich 1988 in Afghanistan aufzubauen begonnen. Was läuft hier ab und fällt dem "common sense" des Westens offenbar nur in der dämonisierten, orientalischen Gegenwelt auf? Um das zu ergründen, fordert Ahmed Ezzeldin, ägyptischer Publizist in Berlin, "eine Art historische Psychoanalyse, die eine Gesellschaft und Kultur in den `Keller´ ihrer frühen `Kindheit´ begleitet, um dort nach den Ursprüngen ihrer verborgenen und verdrängten Ängste zu suchen.. Das gilt gleichermaßen für Orient und Okzident." (Islamfeindlichkeit und Antisemitismus, in: Jenseits der Legenden Araber, Juden, Deutsche) In den abschließenden Kapiteln "Das Echnaton-Trauma" und "Exodus der Traumatisierten" versuche ich, in diesen "Keller" hinabzusteigen und dort die verschlossene "Krypta" des monotheistischen Traumas zu öffnen. Einen zaghaften Versuch in dieser Richtung hatte ich schon in "Atalante 3" mit meinem Beitrag "Die Reise des Henkers" für die christliche Seite gestartet. Gut geeignet als Einstieg ist das Kapitel "Zerrissener Gott" Ich habe dort auf das Innsbrucker Forschungsprogramm hingewiesen "Religion-Gewalt-Kommunikation-Weltordnung". Die Auseinandersetzung damit empfehle ich ebenso wie das Stanforder "Colloquium on Violence and Religion (COV&R)" Beide Ansätze orientieren sich an Rene Girards Arbeiten über "das Heilige und die Gewalt". In einem lokalen Arbeits- und Dokumentationsprogramm versuche ich, das im Winter 2001/02 mit einem Netzwerk engagierter Gruppen zu konkretisieren: "Ahlen und die Schwarze Sonne". Die gegenwärtig inflationär anschwellende Islam-Diskussion, bei der gerade in dieser Religion im Gegensatz zum vermeintlich nur sanftmütigen Christentum immense Gewaltpotentiale gesichtet werden, legt es nahe, in dieses Projekt den Islam einzubeziehen. Auch die konkrete Situation vor Ort lässt das geboten erscheinen. Das westfälische Ahlen hat einen Bevölkerungsanteil von ca. 16% Ausländern. Das ist ungefähr doppelt so hoch wie der Bundesdurchschnitt. Über 70% aller Ausländer in Ahlen kommen aus der Türkei. Auch damit liegt Ahlen weit über dem Bundestrend, wo nur ca. 28% der Ausländer aus der Türkei stammen. (vgl. das Ahlen-Kapitel in: Udo Marquardt, Bedrohung Islam?, hrsg. von Pax Christi). Wenn es tatsächlich stimmt, was Wilhelm Heitmeyer, Leiter des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung an der Uni Bielefeld, herausgefunden haben will, dass nämlich jeder dritte türkische Junge ein potentieller Parteigänger von "Mili Görüs" ist, gibt das auf dem Hintergrund der genannten Bevölkerungsstatistik zu denken. Bei immerhin einem Drittel der männlichen, türkischen Jugendlichen würde das laut Heitmeyer die Akzeptanz religiös begründeter Gewalt nahelegen. "Wir sind Türken, wir sind Moslems! Ihr seid Nazis, ihr seid Dreck!" "Moslempower" auf Ahlens Hauswänden! Türkenterror aus Ahlens Kebabbuden? Kritisch hat sich zu dieser Einschätzung Heitmüllers Riza Baran, Abgeordneter von "Bündnis 90/Die Grünen", geäußert: "Feindbild Islam". Dafür musste er sich freilich herbe Kritik gefallen lassen - wieder sind wir bei Grün, der Farbe des Propheten: "Grüner als grün". Der Autor Wahied Wahdathagh, Vorstandsmitglied der Internationalen Liga für Menschenrechte, zitiert eine Studie der FU Berlin, wonach 69% der türkischen Jugendlichen die Einführung der Scharia als gesellschaftliche Rechtsgrundlage bejahen. So sind wir schon mitten drin im Hickhack um das Bild des verfassungsfeindlichen "Islam". Zu "Mili Görüs" verweise ich auf die Webpage "Islam in Rottmannstraße 12" meiner Site "Islam in Ahlen". Durch die Rückbindung an diese lokalen Realitäten bekommen für mich - und vielleicht auch für den Leser - die folgenden Überlegungen einen konkreteren Sitz im Leben. Bezogen auf den Streit um Statistiken, mögen sie etwas abgehoben wirken. Dem Kern des Problems, wird man sich über die soziologische Statistik allerdings auch kaum angemessen annähern können. Ahmed Ezzeldins oben zitierter Vorschlag einer "historischen Psychoanalyse" scheint mir da erfolgversprechender. Ihn versuche ich, weiter voranzutreiben. Wenn dadurch die Motivationsnebel der diversen Islambilder gelichtet sind, wird der Blick hoffentlich freier für die Realität politisch-ökonomischer Realitäten, die hinter der Gardine des Imaginären wirksam sind. Einfügen könnte sich so ein Programm in das jüngst von Bassam Tibi geforderte Forschungsmodell einer "historisch-sozialwissenschaftlichen Islamologie" (Einladung in die islamische Geschichte, 2001). Ein erstes Beispiel dafür ist Tibis Mittelmeerstudie "Kreuzzug und Djihad. Der Islam und die christliche Welt". Jenseits temporärer Aufgeregtheiten greift sie die These des Belgiers Henri Pirenne auf (Mahomet et Charlemagne, Paris 1937), wonach Islam und Christentum gerade im mediterranen Raum immer zwei sich komplementär ergänzende Kulturen waren und diese Begegnung in Krieg und Frieden die Identitätsfindung Europas bestimmte. |
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