Religion, Fundamentalismus, Faschismus



Alles, was in meiner Glosse an Namen vorkommt und als niederträchtige Anspielung missverstanden werden könnte, ist natürlich rein fiktiv und hat keinerlei Entsprechung in der Realität meiner kleinen Stadt. Nach dieser presserechtlichen Klarstellung ein erstes Fazit: Was prallt in den Wunschphantasien der glossierten Gestalten aufeinander?

Gewiss nicht Christentum und Islam, sondern eine säkularisierte Zivilisation, die sich selbst unter den Profis des Heiligen Religion allenfalls noch als mythisch verbrämte Kantische Ethik für Dummies vorstellen kann – seid nett zueinander, wie unser Herr Jesus Christus immer lieb und nett war -, und eine Kultur, die in Kategorien ihrer Religion denkt und handelt, in meiner Glosse symbolisiert durch die grüne Fahne des Propheten. Es wird zu zeigen sein, dass sich im Konfliktfall – "Krieg gegen den Terror!"- auch der säkularisierte Westen Denk- und Handlungsmuster bedient, die ihn als Gewaltpotentiale der christlichen, vermeintlich längst verabschiedeten Religion hinterrücks wieder einholen. Die ist nun freilich gar nicht so lieb und nett, wie Tinchen und ihr klerikalfeministisch kastrierter Regenbogen-Jesus es gerne hätten. Welchen fatalen Selbsttäuschungen Tina da erliegt, deutet meine Webpage "Kastrierter Christus" an.


Es wird aber auch zu zeigen sein, dass diese hinterrücks wiederkehrenden Gewaltpotentiale im islamischen Fundamentalismus ihre spiegelgleiche Entsprechung haben. Und nicht nur das. Der israelische Orientalist Imanuel Sivan, der "Peace Now" nahesteht, bemerkt: "Zwischen den Irrgeistern eifernder ägyptischer Fundamentalisten und den israelischen Eiferern besteht eine haarsträubende Parallelität." (Der Spiegel 41/8.10.01)

So gibt es zwar keinen "Clash" der islamischen und christlichen Zivilisation, wie Huntington das zu sehen meint, wohl aber einen Kampf der diversen Fundamentalismen, wobei sich der Islamismus als postmoderne "Spätform des Faschismus" (Pohly/Duran, Osama bin Laden) innerhalb der islamischen Zivilisation herausgebildet hat.. Ich sehe dabei - und das ist für mich der springende Punkt! - die Fundamentalismen islamischer, christlicher, jüdischer und sonstiger Spielart als nicht identisch mit der jeweiligen Religion an. Die Frage ist allerdings, worin diese Nicht-Identität besteht. Denn das ist auch unverkennbar: Zwischen den Fundamentalismen und ihrer jeweiligen "Mutterreligion" bestehen strukturelle Zusammenhänge, keineswegs nur personelle. Der Islamofascho ist nicht zufällig auch Moslem, der Judäofascho nicht zufällig Jude. Und ich möchte an dieser Stelle die provozierende These wagen: Die Eurofaschos von Italien, Deutschland, Kroatien, Ungarn, Spanien etc. waren nicht zufällig auch Christen. Für die deutsche Variante, die "Hakenkreuz"-Seite des Christentums, habe ich versucht, das möglichst konkret durchzuspielen: "Christenkreuz und Schwarze Sonne".

Mit der Unterscheidung zwischen den Fundamentalismen einerseits und den jeweiligen Religionen andererseits, die bei Huntington´s "Clash of Civilisations" fehlt, folge ich einem Denkmodell, das Bassam Tibi (Damaskus, jetzt Uni Göttingen, Schüler Horkheimers und während langer Harvard-Jahre in kritischer Tuchfühlung mit Huntington) nicht müde wird, warnend der deutschen Öffentlichkeit zu vermitteln. In seinen beiden Arbeiten "Europa ohne Identität" und "Fundamentalismus im Islam" warnt Tibi eindringlich vor der strukturellen Vergleichbarkeit zwischen Faschismus und Fundamentalismus. Die Multikulti-Freaks hören das aber gar nicht gern und wittern dumpf "Rassismus". Zur Diskussion: "Krieg der Zivilisationen – Politik und Religion zwischen Vernunft und Fundamentalismus"  Ich verweise zur Huntington-Diskussion auch auf die Page "Dialog der Kulturen" meiner Website "Gegen ein Feindbild Islam - Kein Kampf der Kulturen" Diese Seite wird kontinuierlich ergänzt und von Olav Schröer (Hamm/Tel Aviv) auf den neuesten Stand der Huntington-Diskussion in den Medien gebracht.


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