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Wir
basteln unsern Bergpredigt-Moslem!
Karla ist supergut drauf wie selten, echt! Sie darf die Multikulti-Friedens-AG
"Alle unterm Regenbogen"
leiten. Tina, ihres Zeichens feministisch angehauchte Pfarrerin
an der altehrwürdigen Marktkirche, hatte es ihr noch spät am
Abend des 11. September zugeflüstert. Richtig sprechen ging noch
nicht wegen der Betroffenheit, Wut und Trauer. Karlas rüpelhafter,
pubertierender Bruder murmelte gerade etwas von "irgendwie
geil", als das Flugzeug zum 68. Mal auf dem Bildschirm
in das WTC raste, was ihm den sofortigen Platzverweis eintrug. Jetzt musste
er das Ganze alleine auf seinem Zimmer am PC spielen. Karla, nun einsam
und verlassen, alleine in schmerzvoller Angst, lauschte deshalb dankbar
Tinchens hingehauchter Frage: "Hi, du kennst dich doch aus mit Islam
und so?" Nun ja, Karla fuhr regelmäßig mit der VHS zum
Trommelworkshop nach Tansania. Da stand auch immer Sansibar mit Stone
Town auf dem Programm. Dort gab´s tatsächlich Leute, die so
arabisch aussahen; das waren dann ja wohl auch Moslems. Karla war also
Expertin.
Heute abend würde sie erstmals zuschlagen. Sie hatte sich das alles
schon ganz genau überlegt: nach der Vorstell- eine Bastelrunde. In
der Mitte des Stuhlkreises häuften sich buntes Tonpapier, Filzstifte,
Scheren und Kleber. Karla und die Friedenskasse waren da nicht knauserig.
Schließlich würden die Massen strömen. Sogar der
"Tag der offenen Moschee" war in diesem Jahr ein
echter Renner. Das gab Hoffnung. Ansonsten war es mit der Friedensarbeit
in letzter Zeit ja eher mau. Da ist man schon froh, wenn Friedensfeinde
wie etwa Verfassungsschützer oder Fernsehexperten a la Scholl-Latour
sich selbst als ein neues Feindbild produzieren. "Endlich gibt es
für uns Friedensfreunde wieder etwas zu bekämpfen", dachte
sich Karla und hing einen riesigen Halbmond an die Decke.
Lange hatte sie mit Tina über seine Farbe diskutiert. "Eigentlich
solltest du das ja in der Gruppe machen", bemerkte ihre geistliche
Freundin leicht tadelnd. Doch um nicht gleich am Anfang als der totale
Motivationskiller aufzutreten, ließ sie sich dann doch auf lange
Beratungen über das Farbproblem unter vier Augen ein. Es spitzte
sich auf die Frage zu: Grün oder anders? Sie erwies sich als wahrhaft
existentiell relevant. Um es kurz zu machen: "Grün geht nicht!",
bemerkte Tina in kategorischem Kanzelton. "Das ist die Farbe des
Propheten." Als Karla schüchtern einwandte, der Halbmond sei
doch ein Symbol des Islam und da würde das mit Grün und Prophet
doch eigentlich ganz gut passen, konnte ihr geistliches Oberhaupt über
so viel Naivität nur wissend mitleidig lächeln:
"Kindchen, was wollen wir denn? Doch nicht den Islam dieser Moslems
da unten!" Und sie sah vor ihrem geistlich geistigen Auge wieder
besagtes Flugzeug kurz vor dem Einschlag ins WTC, jetzt aber mit der grünen
Fahne des Propheten im Schlepptau. Visionär ergriffen, geriet sie
ins Schwärmen: "Wir wollen keinen islamischen Islam! Wir brauchen
für uns den globalen Multikulti-Islam, einen gewaltlosen Islam Jesu,
einen Bergpredigt-Islam..., oh ja,
das ist Spitze!" Schon zückte sie ihr Notizbuch, um die religionsgeschichtlich
derart revolutionäre Vision für die nächste Sonntagspredigt
vorzumerken. Als Karla anhob, zur angeblichen Gewaltlosigkeit Jesu ein
paar zaghafte Einwände zu machen, traf sie Tinas vernichtender Blick.
So hielt sie besser den Mund. Schließlich wollte sie die Friedens-AG
"Alle unterm Regenbogen" länger leiten. Da wären kritische
Jesus-Diskussionen eher kontraproduktiv.
Damit Karlas friedloser Bruder endlich lernte, dass Gewalt böse ist,
musste er als friedenspädagogisch gerechtfertigte Strafmaßnahme
für die Friedenspremiere seiner Schwester schmollend einen Halbmond
basteln, der in allen Farben des Regenbogens erstrahlte. Dieser Multikulti-Bergpredigt-Mond
schwebte nun über dem Friedensstuhlkreis, der sich zögerlich
füllte. Als endlich auch die lokale Presse eingetroffen war, beschloss
Karla, mit der Vorstellrunde zu beginnen. Dabei stellte sich heraus, dass
von den acht Besuchern zwei Moslems waren. "Das ist toll", meinte
Karla, und die Presse meinte das auch. " Christlich-islamischer Dialog:
Fast ein Drittel waren Moslems!", würde sie übermorgen
titeln. Groß würde die Freude der Leser sein, sieht man von
der "Christlichen Mitte" einmal ab, denn das Weltbild der kleinen
Stadt würde wieder seine Ordnung und Sicherheit zurückhaben:
Zumindest unsere Moslems sind gute Moslems. Da soll es zwar hinten in
der Kolonie irgendwo so eine Gruppe geben, die ist nicht ganz koscher,
sagt der Verfassungsschutz. Die Mädchen laufen da neuerdings mit
Kopftüchern rum, und das sogar freiwillig! Insider tuscheln sogar,
Karlas zwei Friedensmoslems seien eigentlich von dort eingeschleuste "Schläfer"
gewesen. Kurzum, bei denen tun wir einfach so, als gäbe es sie gar
nicht, und reden nicht mehr mit ihnen. Das haben sie nun davon! Wir sollten
lieber wieder einmal türkisch essen gehen, gemeinsam mit unsern Kuschel-Moslems
gegen Allahs heilige Killer den betörenden Zauber des Orients kosten!
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