Gott im Fitness-Studio

"Wo ist Ha Schem", frage ich Manuel im Traum. "Er ist für eine halbe Stunde ins Fitness-Studio gegangen", antwortet mein Freund. Juden, die den Namen Gottes nicht aussprechen wollen, pflegen einfach ha schem, zu sagen, "der Name". Und weiter: Zusammen gehen Manuel und ich zum Training in das Studio. Ich wundere mich, als Manuel zusätzlich zu den Gewichten des Trainingsgeräts noch Hantelscheiben herbeischleppt. "Du bist stark geworden", sage ich zu ihm, indem ich die Muskeln seines Körpers betaste. Er setzt sich ans Gerät und bewegt durch die Kraft seiner Bauchmuskeln ungeheure Massen.

Anschließend sind wir im Kloster von Sinaia zwischen Kronstadt und Bukarest. Es ist Ostern, die Fastenzeit vorbei. Wie einige Jahre zuvor, nehmen wir an einem Gottesdienst teil, nur steht jetzt der Ablauf noch nicht fest. "An dieser Stelle müsste etwas gesungen werden", sagt der Kaplan und öffnet den Tabernakel. Wir blicken hinein und sehen ein leuchtend goldenes Gitter, durch das ein blendend weißes Licht fällt. Mir kommt die Melodie des eucharistischen Hymnus "Pange lingua gloriosi corprois mysterium" des Thomas von Aquin in den Sinn: Preise Zunge das Geheimnis dieses Leibs voll Herrlichkeit! "Welche Strophe sollen wir singen?", frage ich. Überdrüssig soviel blendender Reinheit des Lichtes, die kein Gitter aufhalten kann, ruft mein transsilvanischer Freund: "Natürlich die Fünfte!"

Zu Manuels Antwort assoziiere ich einen anderen Traum. Mit Leuten von der Bundeswehr bin ich unterwegs auf einem Nachtmarsch. Da sagt jemand: "Jetzt wird es ernst, nun brauchen wir unsere richtigen Helme." Er packt gusseiserne Schmelztiegel aus, die am Boden fünf leuchtende, goldene Kreisflächen haben, die wie eine Quincunx angeordnet sind. "Fünf ist die Zahl des Bösen", erklärt er. Wir sind jetzt am Brandenburger Tor. Unruhen sind in Berlin ausgebrochen, aus Richtung der russischen Botschaft werden Raketen abgefeuert. Die alchemistisch in den fünf "Tiegeln" hergestellte Quintessenz, die neue körperdunkle Einheit des Einen, ist wie Manuels Ruf nach der "fünften Strophe" meine Antwort auf Spaltung. Dafür war mir das Brandenburger Tor immer das Symbol schlechthin. Egal, aus welcher Richtung man blickte, immer war auf der eigenen Seite die Fülle des Lichts, auf der andern der Abgrund der Finsternis, das Reich des Bösen. Die Frage stellt sich, ob nicht gerade diese Lichtfülle der Ursprung "des Bösen" in dem Sinne ist, dass sie die Dunkelheit abspaltet. Deshalb muss mit der "fünften Strophe" gegen sie angesungen werden, müssen Helme mit der Quincunx dieses Böse, diese Lichtgewalt des Heiligen, bannen. Dazu bedarf es der Heimholung der Finsternis ins Licht, "Satans" in Gott.
 

Christus auf der Raubkatze   Kalaschnikow oraler Flipper