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Kind
aus Atlantis Unter der Meeresoberfläche fahre ich hinein in das Reich der Herrin von Atlantis. Bei der Nachtfahrt unter dem Meer sprießen Bäume aus algengrünen Wogen, Felsen wachsen aus treibendem Tang. Unversehens in lichtlosen Tiefen schimmert ein Wald über felsigen Buchten. An ihren Strand auf wasserglänzenden Stein rollt mit der Flut aus grünem Kristall eine Perle. Gleich einem Werk von Menschenhand liegt steinern ein Netz fünfeckiger Maschen über dem Perlenkristall. Ich will danach greifen. Doch da tritt aus des Waldes goldgrüner Lichtflut mit ernstem Schweigen gebietend ein Kind, in seiner Hand des Kristalls Ebenbild. Ich solle ihn nicht rauben, sagt es. Und es wandeln sich steinernes Netz, Perlenkristall und seine Grüne in ein zerbrechliches Ei. Vorsichtig hält es das Kind aus Atlantis in seiner Hand. Da rücken feindliche Truppen heran. Ich flüchte mit dem Kind in die Ruinen einer Zisterzienserabtei. Dort liegen viele erdbraune Netze, unter denen wir uns verstecken können. Mir ist klar: Die Ruinen gehören zum Land der Herrin von Atlantis. Wird das Kind des apokalyptischen Sonnenweibes in den Himmel zu Gott entrückt, um es vor dem Teufelsdrachen in Sicherheit zu bringen (Offb 12, 5), findet das Traumkind Schutz vor seinen Feinden unter den erdigen Netzen der Zisterzienserruinen von Atlantis. Oft sind gerade die Zisterzienserklöster "dem Sonnenlauf der Wintersonnenwende angepasst, ein christliches Symbol, das der heidnischen Geburt des Lichtkindes entsprach." Der Ordengründer Bernhard von Clairvaux verehrte glühend die "virgo paritura", Schwarze Madonna, gebärende Jungfrau aus keltischer Zeit, die einst als Eule angebetet worden war und als dieser Vogel der Nacht die Fassade der Kirche in Bernhards Heimatstadt Dijon zierte. Die "virgo paritura" war es auch, die ihn in einer Vision mit drei Tropfen Milch aus ihrer Brust nährte, Initiation in eine kosmische Weltsicht, die ihn lehrte: "Nicht das Geistige kommt zuerst, sondern das Natürliche. Zuerst müssen wir das Bild des Irdischen tragen, dann das des Himmlischen." (Petra van Cronenburg, Schwarze Madonnen) Hier ist die Heimat des Kindes, die Anderswelt, deren Herrin die dunkle Königin ist, ihr "Finsterwald", den die Priester fürchteten und wo der hl. Meinrad von Einsiedeln umkam. Von Ibach bei St. Blasien im Schwarzwald, wo meine Bilder entstanden, ist es nicht weit in dieses Schweizer Kloster Einsiedeln nahe Zürich. Dort wird eine Schwarze Madonna verehrt. Aus dem "Finstern Walde" jenseits des Sihl, wo ihr über Meinrads Grab eine Kapelle gebaut wurde, sei sie gekommen, stellt Fred Gustafson fest. (Black Madonna, Boston 1990) Er sieht Parallelen zwischen der Madonnenverehrung im Finsterwald von Einsiedeln und dem Stadium der nigredo im Prozess der Alchemie. Auf ihrer spirituellen Reise hat China Galland auch Einsiedeln besucht. Sie sah sich dort in ihrem Entschluss bestätigt, "den Weg der nigredo, des Finsterwalds zu gehen. Eines wird mir jetzt bewusst: Wenn man sagt, dass man sich `nach Dunkelheit sehnt´, will man sagen, dass man sich nach Wandlung sehnt ... Die Assoziation des Wortes `Dunkelheit´ mit etwas Negativem, Bösem ist genau das Problem, das ich in Worte fasse." (China Galland, Grüne Tara und Schwarze Madonna. Abenteuerliche Suche nach dem weiblichen Antlitz Gottes, S. 120f) |
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| Achtamars tote Wasser | Heiland der Herzen |