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Kalaschnikow oraler Flipper Nach der halben Stunde mit Manuel und Ha Schem im Fitness-Studio umkreise ich die Mitte des Mandalas erneut. Der Name hat mit seinem Körper auch seine Aschera wiedergefunden: Gottes sexueller Körper. Seine von der Moral entzweiten Söhne Christus und Satanael sind wieder verbrüdert und aus den Vieren geht sancta viriditas, die Grüne des alles belebenden Geistes, hervor. Von ihm befruchtet, gebiert eine dunkle Maria in nächtlicher Schwärze das Naturkind der Mitte. So ist sie die "Mutter des neuen Jahrtausends" (Petra van Cronenburg: Schwarze Madonna, siehe auch www.geocities.com/altitona/mille.htm), allen christlich fundamentalistischen Gotteskriegern der Spaltung zum Trotz. "The New World Order ist coming", ruft der Baptist David Bay in der amerikanischen Cutting Edge Radio Show und sieht den Antichristen den amerikanischen Traum zunichte machen durch "Virgin Mary and pagan goddess worship": "Satan ist dabei, alle Weltreligionen in eine einzige zu ziehen. Die einzige wichtigste Benennung für diese sich entwickelnde Eine-Welt-Religion ist die weltweite Verehrung der Jungfrau Maria, der Schwarzen Madonna ... Dieses Wiederaufkommen des Kultes um die Jungfrau Maria, besonders die Schwarze Madonna, ist nur eines von vielen, vielen Zeichen dafür, dass das Jüngste Gericht über uns verhängt wird." Bin Laden lässt sich für den Cotton-Edge-Baptisten diesen Zeichen sicher unschwer beigesellen, in denen weltweit der Antichrist lauert. Den apokalyptischen Gotteskrieger Bush wird´s freuen, eine höchst aparte Achse des Bösen tut sich da auf: Antichrist Bin Laden mit Kalaschnikow in trautem Zwiegespräch mit dem apokalyptischen Teufelsweib einer Schwarzen Madonna. Aus der Perspektive Pans gegengelesen, ergibt dieses Bild freilich einen ganz anderen Sinn: Die Schwarze Madonna im Nordpunkt von Pans Mandala bannt die Gewalt des Heiligen, die sich in Bin Ladens Kalaschnikow Ausdruck geben will. Sie gewährt eine Initiation in den Opfertod, ohne die Zerstückelung als Massenschlächterei ausagieren zu lassen Initiation der Schwarzen Madonna: Die Begegnung mit dem Tod im Leben. Es ist eine spirituelle Transformation, die ich in einem Wort Teilhard de Chardins wiedererkenne: "Bade dich in der Materie, Menschensohn! Tauche in sie ein, dort wo sie am gewalttätigsten und am tiefsten ist! Ringe in ihrem Strom und trinke ihre Flut! Sie wird dich bis zu Gott hin tragen." (Teilhard de Chardin, Das Herz der Materie) Das alles ist dem "faschistischen Mann", wie ich den apokalyptischen Gotteskrieger mit Klaus Theweleits Männerphantasien nenne, der blanke Horror. Lieber lässt er sich im leblosen Geistgehäuse seines Körperpanzers von der Gewalt des Heiligen fressen, als das auflösende Eintauchen in seine innere Materie, d.h. sein Unbewusstes mit dessen triebhaften, verborgenen Wünschen und Phantasien zu riskieren. Treffend setzt das eine Terracotta-Figur französischer Volkskunst ins Bild. Sie zeigt einen Mönch, der in einem großen Phallus steht. Er wird davon ganz umschlossen, nur nach vorne ist die Phallusform offen. Sie wirkt auf mich wie eine aufgeschnittene Patrone, die mit dem Mönch völlig verschmolzen ist. Dem spielt sich das alles jedoch hinter seinem Rücken ab. Er weiß gar nicht, dass er einen phallischen Stahlmantel trägt, der ihn wieder und wieder zur tödlichen Munition einer Waffe werden lässt, derer sich die Gewalt des Heiligen ausgiebig bedient. Er brauchte nur aus dem Panzer seiner Phalluspatrone heraustreten, sich umdrehen und die ganze Misere in Augenschein nehmen. Doch etwas hält ihn zurück im toten und tötenden Gehäuse: die Angst vor dem Eintauchen in die lebendige Materie um ihn und in ihm. So bleibt nur die Flucht unter den Schutzmantel aus stählernem Geist. Diese stählerne Phalluspatrone aus mönchischem Geist ist das Schattengeheimnis meiner phallischen Kristallkirche, die Munition in den Kalaschnikows diverser Bin Ladens aller Coleur. Mein Traumweg zu Pan will die Patrone unschädlich machen, indem er diesen mörderischen Schattenphallus der Kristallkirche transformiert. In meinem Fight-Club Essay bin ich dem bereits ausführlich nachgegangen und habe dem "faschistischen Mann" eine Alternative gegenübergestellt: den molekularen Mann. Waren die Todespiloten des 11. September narzistische, orale Flipper, verschmolzen mit dem Metallmantel ihrer fliegenden Bomben, mönchische Phalluspatronen, die im äußeren Opfertod ihre innere Geburt suchten, nachdem sie lebenslang auf der Suche nach einem Vater und Gott waren? Zumindest stimmt für sie wie für die Freikorpsmänner der 20er Jahre, an denen sich Theweleit orientiert: "Die realen Väter sind korrumpiert und lächerlich." Der Gewalt des Heiligen sind sie hilfloses Futter, ein Leckerbissen, an dem sie sich mästen kann.
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| Dietmar Hecht (geb. 1944) studierte Theologie, Geschichte, Philosophie und arbeitet als Lehrer am Gymnasium St. Michael (Ahlen/Westf). Dort hat er zahlreiche Schülerprojekte zum Thema Mythologie, Nationalsozialismus, neue Medien, Kosovo-Konflikt etc. ins Leben gerufen, die auch im Internet dokumentiert sind. Er ist ausserdem tätig im Bereich jüdisch-christlicher Zusammenarbeit. Kontakt: gsanktmich@freenet.de Dietmar Hecht veröffentlichte auch bereits in "Atalante" Nr.2, 3 und 4 (siehe Atalante-Gesamtindex) |
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| Gott im Fitness-Studio | Gästebuch | Atalante 6 |