Kirchhoffs Erforschung von transpersonalen Erfahrungen erschöpft sich nicht nur in genau beschriebenen Natur- und Musikerlebnissen. Am weitesten wagt er er sich in seinem neuesten Buch "Die Anderswelt" vor, wo er eine Phänomenologie von mystischen Erlebnissen wie Astralreisen, Präkognition, Nahtod-Erfahrungen, Telepathie bzw. Fragen von vorgeburtlicher und nachtodlicher Existenz versucht. Er weiss, dass er damit heikles Terrain betritt, zumal diese Themen auf dem Esoterikmarkt z.T. auch in bizarren und sogar gefährlichen Spielarten kursieren. Dennoch muss man ihm zugutehalten, dass er eine sorgfältige und differenzierte Abwägung dieser Zwischenzonen versucht und sich auch nicht scheut, sehr persönliche Erlebnisse einzubringen. Stets betont er dabei die Wichtigkeit des Denkens und weist daraufhin, dass es sich bei Anderswelt-Erkundungen immer nur um Annäherungen handeln kann.

Während moderne Neurophysiologen solche Erfahrungen als reine Hirn-Konstruktionen abtun, denen keinerlei objektive Wirklichkeit entspricht, neigt Kirchhoff eher der Ansicht Aldous Huxleys zu, wonach unser alltägliches Bewusstsein nur ein kleiner Ausschnitt eines wesentlich umfassenderen Geistes sei, der jedoch aus lebenspraktischen Notwendigkeiten heraus "zurechtgestutzt" werden muss:


"Jeder Mensch ist in jedem Augenblick fähig, sich all dessen zu erinnern, was ihm widerfahren ist, und alles wahrzunehmen, was irgendwo im Universum geschieht", schreibt Huxley in "Pforten der Wahrnehmung": "Gemäß einer solchen Theorie verfügt potenziell jeder von uns über das größtmögliche Bewusstsein ... Um ein biologisches Überleben zu ermöglichen, muss das größtmögliche Bewusstsein durch den Reduktionsfilter des Gehirns und des Nervensystems hindurchfließen. Was am anderen Ende herauskommt, ist ein spärliches Rinnsal von Bewusstsein, das es uns ermöglicht, auf eben diesem unserem Planeten am Leben zu bleiben ... Die meisten Menschen erfahren häufig nur das, was durch den Reduktionsfilter gelangt und der in ihrem Land gebräuchlichen Sprache als wirklich und wahrhaftig anerkannt wird. Manche Menschen jedoch scheinen mit einer Art von Umgehungsvorrichtung geboren worden zu sein, welche den Reduktionsfilter ausschaltet. Andere vermögen zeitweilig Umgehungsvorrichtungen entweder spontan oder als Ergebnis bewusst durchgeführter ‚geistiger Übungen‘, mittels Hypnose oder eines Rauschmittels zu erwerben." (nach Kirchhoff: Die Anderswelt, Kap.1)

Mystische, übersinnliche oder transpersonale Erfahrungen werden also von Kirchhoff in diesem Sinne als "Durchbrüche" durch eindimensionale Konzeptionen von Raum, Zeit, Kausalität und Ich gedeutet und als Auslöser eines "metaphysischen Schreckens" ernstgenommen. Argumentiert wird u.a. mit der Tatsache, dass es inzwischen auch eine Fülle von neueren wissenschaftlichen Untersuchungen zu Themen wie Nahtoderfahrung, aussersinnlicher Wahrnehmung etc. gebe, ganz abgesehen von der jahrtausendelangen Überlieferung mystischer Visionen in allen Mythen und Religionen dieser Welt. Auch der deutsche Idealismus - so Kirchhoff in Anlehnung an Novalis und Schelling - habe geahnt, dass das menschliche Denken mit einem universalen Logos verbunden sei und hinter dem empirischen Ich noch ein "höheres Selbst" stehe, das dieses unaufhörlich mit seinen Impulsen inspiriere.