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Kiefer denkt also von Anfang an den Holocaust mit, wenn auch anders als
viele seiner "politisch korrekten" Zeitgenossen, die ihm zuweilen
"Deutschtümelei" oder
"gefährlichen Irrationalismus" vorwarfen.
Aber der Maler verstand sich nicht als abgehobener Soziologe oder Moralapostel,
der alles besser weiss, sondern lässt sich zunächst einmal auch
auf Faszinationen, Ambivalenzen und ungefilterte Emotionen ein: "Ich
transportiere die Geschichte in mein Leben existentiell hinein. Für
mich ist Geschichte immer auch meine Wirklichkeit ... Ich identifiziere
mich weder mit Nero noch mit Hitler. Aber ich muss ein kleines Stück
mitgehen, um den Wahnsinn zu verstehen. Deshalb mache ich diese uneigentlichen
Versuche, Faschist zu sein." (Sabine
Schütz: Anselm Kiefer. Geschichte als Material - Arbeiten 1969-1983,
Köln 1999, 143)
Interessanterweise
schienen dies ausgerechnet jüdische Intellektuelle anders zu bewerten
als
ihre
deutschen Kollegen, etwa der Kunstkritiker der "Jerusalem Post"
Meir Ronnen, der bereits 1984 anlässlich
der ersten Kiefer-Ausstellung in Israel an diese schrieb: "Ihre
Angst ist fehl am Platze." Heute zählen weltweit
viele jüdische Sammler und Kunstliebhaber zu Kiefers Bewunderern,
etwa auch sein New Yorker Galerist
Ealan Wingate oder der ehemalige
Bürgermeister von Jerusalem Teddy Kollek,
der dem deutschen Maler 1990 in der Knesset den Ricardo Wolf-Preis verlieh:
"Dank und Anerkennung gebühren Anselm Kiefer für Sein
und Schaffen, und dafür, dass er uns zur Berührung mit dem Geistigen
leitet."
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