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Durch Recherchen zu meinem Film "Schwarze Sonne" lernte ich auch die Landschaft der Katharer in Südfrankreich kennen. Der junge Schriftsteller Otto Rahn war 1930 dorthin gepilgert, um die Religion dieser gnostischen Glaubensgemeinschaft zu erforschen, die 1244 von der Inquisition nahezu völlig ausgelöscht worden war. |
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Später
trat Rahn der SS bei, und unter dem Einfluß von Heinrich
Himmler verschärfte sich sein anfangs poetischer Stil
immer mehr zu rigiden und antisemitischen Positionen. Trotz dieser verqueren Deutungen machte die Katharerregion einen starken Eindruck auf mich. Einmal mehr traf ich auf eine mythische Landschaft, in der bestimmte Namen und Orte die Qualität von Sinnbildern haben. |
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Es bedarf vieler anstrengender Aufstiege, um von den Türmen der alten Katharerburgen hinunter ins weite Land zu schauen. Man spürt ein Gefühl von Freiheit und Herausgehobensein über die Banalität des Alltags und das rein praktische Denken. Worte wie "Idealismus" und "Reinheit" kommen einem in den Sinn, mit denen unsere mythenfeindliche Gesellschaft nur noch ironisierend umgeht. Liegt der Ursprung dafür im pseudoreligiösen Pathos des Dritten Reiches? |
| Rahn, der als stolzer Träger der SS-Uniform gelegentlich angetrunkene Kameraden zur Raison rief, schaffte selbst die Gratwanderung zwischen Idealismus und den "Realien" seiner Existenz nicht. Er rutschte in den Alkoholmißbrauch ab und mußte seine Homosexualität vor der SS geheimhalten. Vermutlich resultierte sein Selbstmord aus dem Unerträglichwerden solcher Spannungen. |
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Ein Schlußbild: Hochgelegene Burgen, die der junge Gralssucher "Treppe zu den Sternen" nannte - und am Ende sein schon halbaufgelöster Körper, den Kinder in einem Bachbett finden. Übrig bleiben die Brüche einer Existenz statt einem spirituellen Hochgefühl: das Schwanken zwischen Geist und Fleisch, Disziplin und Bohèmeleben, deutschem Tiefsinn und frankophilem "Laisser Vivre". Trotzdem: Sollte das Ende aller Mythen gekommen sein, nur weil Menschen dazu neigen, deren mehrdeutige Bilder zur Übertünchung eigener Unzulänglichkeiten zu mißbrauchen? Dabei gibt es in den Gralsgeschichten, die Rahn erforschte, auch viel Verzweiflung, Angst, Konflikte zwischen sinnlicher Verführung und ritterlichem Verhalten. Vielleicht droht Verhängnis, wenn man die Mythen als Fahrschein ins Himmelreich oder Waffe gegen eingebildete Dämonen nimmt, statt als Brennglas für den Blick ins eigene Dunkle und Ambivalente. |