Sveinbjörn Beinteinsson

   
 

Frage: "Wollen Sie die Zeit zurück drehen?"

Beinteinsson: "Nein, ich setzte mich nicht mit meiner Gruppe dahin und sage, jetzt haben wir den Glauben von früher, leben wir auch das Leben von früher. Ich will die Zeit nicht tausend Jahre zurück drehen. Ich muss mein Leben an die heutige Zeit anpassen. Wir können und wollen die technische Entwicklung nicht abschaffen."

"Sie lehnen Autos oder das Fernsehen nicht ab?"

"Nein, wir müssen nur lernen, damit um zu gehen. Diese Dinge dürfen nicht die alte Ausgewogenheit der Menschen zerstören, die sie früher hatten. Die Wissenschaft hat unser Gleichgewicht im Leben genommen. Wir fühlen uns nicht mehr wohl. In meiner Jugend habe ich hier in Island dieses gleichgewicht noch bei den Älteren erlebt. Sie führten ein einfaches Leben, versuchten, niemandem weh zu tun, sie ruhten in sich. Menschen, die in sich ruhen, gibt es kaum noch. Das haben die schnellen technischen Entwicklungen zerstört." (12)


Beinteinsson selbst mahnte zu Lebzeiten, bei der Rückbesinnung auf alte Werte nicht den selben Fehlern zu verfallen wie zahllose christliche Missionare vor rund 1000 Jahren: "Wir müssen jetzt stop sagen und wieder einen stärkeren Kontakt zur Natur bekommen, uns als Teil der Natur erkennen. Aber die Leute müssen diesen Weg ohne Extremismus gehen, ohne Aggressionen." (13) Das vollständige Interview im Internet.

Beinteinssons Einfluss auf Teile verschiedener Jugendkulturen ist nur schwer zu umreißen, doch vor allem auf die sog. "Neofolk"-Szene, in der zahlreiche Künstler sich selbst als "heidnisch" definieren, hat das Heiden-Oberhaupt eine Faszination ausgestrahlt, die sich z.B. darin spiegelt, dass die englische Kult-Band Current 93 Beinteinssons Edda-Gesang neu aufgelegt und speziell ihrer Szene zugänglich gemacht hat.

Die isländische Ásatrúfelagid besteht mittlerweile aus rund 450 Mitgliedern. Mehrmals im Jahr treffen sie sich mit Freunden zum "blót", bei dem heute jedoch keine Opfer gemacht werden. Symbolisch wird Met aus einem Horn getrunken und dabei der Götter gedacht, die auch in Gebeten und Gedichten geehrt oder um Hilfe gebeten werden.

Auszug aus den Verhaltensregeln:

"Asenglaube (Ásatrú) ist der Name unseres Glaubens. Es ist erlaubt, sich zu mehreren Göttern und mächtigen Wesen zu bekennen. Jedermann trägt die Verantwortung für sich und sein Handeln. Es dürfen den Göttern Symbole und Statuen geweiht werden, doch besteht keine Pflicht, diese an zu beten. Heilige Götter und andere Heiligtümer dürfen nicht der Geringschätzung anheim fallen. Es ist erlaubt, sein Wissen um die Vereinigung und die heidnischen Bräuche zu verbreiten, doch wird organisiertes Missionieren als unnötig betrachtet. Es ist erlaubt, andere Kirchen und Glaubensgemeinschaften zu besuchen. Mitglieder der Asengemeinde üben ihren Glauben auf eine Weise aus, die mit den Landesgesetzen nicht in Konflikt steht. Die Hohepriester bieten den Mitgliedern ihre Dienste an, so zum Beispiel bei Namensgebungen und Trauungen. Alle diejenigen, die sich zu den Heiden zählen und ihren festen Wohnsitz auf Island haben, können der Vereinigung beitreten. Wir geloben die alten Bräuche, wie auch die Kultur unserer Vorfahren zu ehren." (14)

 

12) ebenda.
13) ebenda.
14) aus einer Info-Broschüre der Ásatrú-Gemeinschaft


Neuer Asenglaube   Junge Skalden singen alte Lieder