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... möchte
ich noch nicht fällen, zumal an das Heidentum heute gerade in Deutschland
so ernste Ansprüche gelegt werden, dass mir manchmal die Haare zu
Berge stehen. Innerhalb der Szene huldigen zahlreiche Menschen den engen
Kriterien, um so etwas wie "Authenzität" herzustellen,
Medien und Forscher verengen ihre Sichtweise auf politische Fragestellungen.
Eines kann ich allerdings unumwunden schon jetzt feststellen:
Heidentum in Island ist wesentlich mehr und es ist lebendig. So
lebendig wie der Aberglaube der Elfengläubigen, die trotzdem in die
Kirche gehen; so lebendig wie der Troll mit Riesenpenis in Wolfgang Müllers
Buch; so lebendig wie die harschen Heavy Metal-Hymnen verträumter
Rebellen; und so lebendig wie die Worte, die hoffentlich bei denjenigen
nach hallen, die sich einmal näher mit dem Gedankengut des verstorbenen
Beinteinsson beschäftigt haben: "Wir müssen jetzt stop
sagen und wieder einen stärkeren Kontakt zur Natur bekommen, uns
als Teil der Natur erkennen. Aber die Leute müssen diesen Weg ohne
Extremismus gehen, ohne Aggressionen." Nicht
zuletzt ist das Heidentum (immer noch) lebendig, weil die Isländer
selbst darum kein großes Aufsehen machen.
(Tusen Takk
til Jan og Jan!)
Thor
Wanzek (geb. 1976) studiert Pädagogik und arbeitet
mit sog. "geistig behinderten" und "autistischen" Menschen
zusammen. In seiner Freizeit schreibt er für verschiedene Musik-Magazine.
In den letzten Jahren interviewte er zahlreiche Künstler, die Elemente
aus heidnischen Traditionen aufgreifen und in individuelle, ebenso antagonistische
wie zeitgenössische Formen bringen. Der Geschichte seines Vornamens
auf der Spur, sammelt er derzeit Material für eine Studie zum Thema
"Neuheidentum".
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