| Im
"Wald der Märtyrer" |
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Zwei schwarzverhüllte Frauen schreiten über ein ausgedehntes Gräberfeld auf dem Teheraner Friedhof "Behesht e Zahra", das für Zehntausende von Gefallenen des "Heiligen Krieges" reserviert ist. Der Boden des "forest of martyrs" ist karg und sandig und auf langen Stöcken sind grosse Fotografien der Verstorbenen befestigt: Sinnbild für den inbrünstig betriebenen Märtyrerkult, ohne den der islamische Fundamentalismus nicht denkbar und weitaus weniger "effizient" wäre. |
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Die Vorbilder
reichen weit in die Geschichte zurück und reihen die jungen Attentäter
von heute in eine ruhmreiche Heldenkette ein. Bereits im 7. Jhd. entstand
eine Märtyrerlegende um den Tod des Imam Hussein,
eines Sohnes der Mohammed-Tochter Fatima, der iin
Kerbela vom "heidnischen" Kalifen Yazid grausam verstümmelt
worden war. Seit dieser Zeit gilt der Name "Yazid"
als Begriff für das Böse schlechthin, auch der verhasste Schah
von Persien oder der amerikanische Präsident wurden so benannt. Ihre
mangelnde Solidarität mit Hussein und seinen Tod empfinden die schiitischen
Muslime his heute als eine historische Erbsünde, für die sie
alljährlich im Rahmen von Trauerprozessionen und Selbstgeisselungen
symbolisch zu büßen trachten. Dabei kommt auch ein Passionsspiel
(ta'ziya) zur Aufführung, bei dem die
traumatischen Geschehnisse von Kerbela in theatralischen Szenen nachgestellt
werden. Wie intensiv dieser Helden- und Opferkult betrieben wird, zeigen Beobachtungen von Peter Scholl-Latour während des Märtyrermonats Muharram auf dem Teheraner Friedhof "Behesht e Zahra": |
| "Ein paar tausend Menschen hatten sich an den frischen Gräbern der Märtyrer zusammengefunden. Schuhada nannte man diese 'Bekenner' der islamischen Revolution, die den Kugeln der Repression zum Opfer gefallen waren. Einer von ihnen war unlängst den Soldaten mit geöffnetem Hemd entgegengetreten, bot ihnen die Brust als Zielscheibe in der Gewissheit, dass der Tod ihm die Pforten des Paradieses öffnen würde. Die Truppe hatte gezögert, aber ein Offizier gab den Feuerbefehl. Während der junge Revolutionär zusammenbrach, stürzten sich seine Begleiter auf den Leichnam, tauchten die Hände in seine Wunden und beschmierten sich das Gesicht mit seinem Blut." (Allah sei mit den Standhaften, 143) | ![]() |
| Wie
tief solche Opfer- und Märtyrervorstellungen in der islamischen Welt
verwurzelt sind, zeigte 1981 eine Kampagne im Iran mit dem Titel
"Opfert eines eurer Kinder für den Imam!", die innerhalb
kürzester Zeit 1 Million Freiwillige zusammenbrachte. Gegen den Vorwurf
des Kindesmissbrauches konterten die muslimischen Theologen, die westliche
Trennung in Kindheit, Jugend und Erwachsenenalter sei reine Willkür
und schneide das Individuum von seiner gesellschaftlichen Verantwortung
ab. Man verbanne den Menschen in "Alters-Ghettos" und verurteile
ihn dazu," jung" zu sein: Wieso müssten Kinder dauernd "kindlich"
sein oder "hinter dämlichen Bällen herlaufen, statt bereits
die Kräfte des Bösen abzuschneiden?" Die einzig natürliche
Lebenslinie - so ein Hisbollah-Theoretiker - sei "tam'
yeez", die Fähigkeit, zwischen gut und böse unterscheiden
zu können. Dazu seien Mädchen schon mit 9 Jahren in der Lage,
Jungen ab 16. Ab diesem Zeitpunkt würden bereits alle muslimische Pflichten
gelten, auch der Einsatz im "Heiligen Krieg". (Holy
Terror, 81f)
In Konsequenz dieser Auslegung wurden auch viele Kinder eingezogen, um dem Regime zu helfen und das "Licht der Göttlichen Gerechtigkeit" wieder auf die Erde zurückzubringen. Man setzte sie etwa im Iran-Irak-Krieg ein, um Pfade durch vermintes Gelände zu bahnen, wobei Hunderte auf grausamste Weise ihr Leben verloren. |
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