"Bräute des Blutes"


Eine der eindrucksvollsten Passagen in "Holy Terror" beschreibt eine Zeremonie, die zeigt, dass auch Mädchen und Frauen bereit sind, ihr Leben für die "islamische Revolution" zu opfern. In der ar-Raza Moschee in Beirut erlebt Taheri eine Gedenkfeier für zwei junge Selbstmordattentäterinnen, während gleichzeitig neue Kandidatinnen in diese Aufgabe eingeweiht werden.

Tausende von Menschen haben sich im Gotteshaus versammelt: Jugendliche mit dem roten Kopfband, das sie als Todgeweihte auszeichnet, Milizionäre in Khakiuniformen, bärtige alte Männer, Kinder etc. Jemand geht mit einem Tablett umher und bietet ein kühles Sorbet aus Rosenwasser, Zucker und "einem Hauch von Zimt" an.

  Dann erscheinen die "Arous ad-Damm" (Bräute des Blutes): eine Gruppe von Jungfrauen, die sich entschieden haben, "den Tod zu umarmen", um das Blut des Märtyrers Hussein (Hüseyin) zu rächen, der 680 n.Chr. auf den Schlachtfeldern von Kerbela gefallen war. Von ihm sollen sie im nächsten Leben besonders gottesfürchtige und schöne Ehemänner ausgesucht bekommen. Schwarzverhüllt treffen sie in der Moschee ein, es wird still und sie verschwinden in einem abgetrennten Sektor, um der Predigt unbeobachtet zuhören zu können.

Geehrt werden an diesem Tag zwei ihrer grossen Vorbilder, die bereits den Tod für den "Heiligen Krieg" riskiert haben: die 16jährige Sumayad Sa'ad, die mit einem dynamitbeladenen Wagen in eine israelische Militärbasis im Südlibanon fuhr, wobei 12 Soldaten getötet und 14 schwer verwundet wurden. Nach ihr wurde eine Hauptstrasse in Teheran benannt.

Die zweite ist die 17jährige San'ah Muheidli, die eine ähnliche Aktion durchführte und vorher auf einem Videoband erklärt hatte, ihre Angehörigen sollten "vergnügt sein und ihre Freude explodieren lassen, als ob es ihr Hochzeitstag wäre". Dieses Band wurde zum Kultobjekt der Bewegung und San'ah Muheidli zum Thema vieler Kurzgeschichten und Gedichte. Der algerische Schriftsteller Hamzah Kaidi erklärte, ihre Tat habe "den Krieg auf die Stufe der Liebe gehoben."

Beide Mädchen hatten ihren Familien nicht den geringsten Hinweis auf ihre Bestimmung gegeben. Sie beherrschten die Kunst des "taqiyah", die Geheimhaltung, laut muslimischer Geistlicher "eine der Haupttugenden des Propheten".

 

Manzarieh   Im "Wald der Märtyrer"