Manzarieh

Eines der Ausbildungslager der "Hizb-Allah" liegt in Niavaran, einem nördlichen Stadtteil von Teheran. Dort werden in dem riesigen Park von Manzarieh Freiwillige aus 30 Ländern zu "shahids" (Auserwählte) ausgebildet, die in späteren Selbstmordkommandos Allah "dienen" dürfen. In früheren Zeiten gab es in diesem Park ein Theater, eine Bibliothek und sogar ein Zentrum für Experimentalfilm. Seit 1981 ist er stacheldrahtumzäunt und seine Zufahrtswege streng überwacht.

Die Auszubildenden sind zwischen 18 und 25 Jahren alt und manche haben schon einen Dienst in der Revolutionsgarde hinter sich. Jeder wurde persönlich von einem Mullah empfohlen und aus mehr als 1000 Bewerbern ausgewählt. Es gibt auch Angehörige aus wohlhabenden Familien und junge Männer mit Amerika-Erfahrung, die ihren Kommilitonen vom "Land des Satans" berichten.

Die meisten Studenten glauben, dass sie für eine militärische Karriere ausgebildet werden. Es gehört zum guten Ton, nicht nach der Zukunft zu fragen, sondern - wenn es soweit ist - zu allem bereit zu sein: "Unser Ziel ist, euch zu zerbrechen", heisst eine Erziehungsmaxime, "denn das irdische Leben hat euch nur für gewöhnliche Taten geformt. Wir aber wollen euch vollkommen neu zusammensetzen, sodass ihr eurem Schöpfer dienen könnt und bereit seid für den Eintritt ins Paradies." (Holy Terror, 93)

Amir Taheri berichtet über den Tagesablauf in Manzarieh: Eine erste Gebetsrunde vor der Morgendämmerung leitet den Tag ein, dann erfolgen physische Übungen, Duschen (ohne Rasur) und Frühstück um 7 Uhr. Von 8-12 gibt es Waffenkunde und technischen Unterricht, dann wieder Gebete in Richtung Mekka, wenn möglich draussen im Park unter den schönen alten Bäumen. Freitags ist Ruhetag, aber keiner darf das Camp verlassen. Abends diskutiert man über religiöse und geschichtliche Themen, z.B. die glorreichen Zeiten des Islam in Spanien. Nach dem Abendgebet kann man noch etwas lesen und um 10.30 beginnt die Nachtruhe. (Holy Terror, 94)

Auch Mutproben gehören zum Training der Selbstmordkandidaten dazu. Irgendwann darf der Schüler z.B. einen Führer an die Kriegsfront oder in Unruheherde begleiten und wird dabei genauestens beobachtet. Wer angesichts von Leid, Tod und Gewalt nicht gefasst bleibt, kann die Ausbildung nicht vollenden.

Nach dem erfolgreichen Abschluss der Akademie werden die "Gesegneten" bei hohen religiösen Würdenträgern empfangen und zur "Speerspitze der Welteroberung" erklärt. Zu Khomeinis Lebzeiten - bis 1989 - erhielt jeder ein in Plastikfolie eingeschweisstes kleines Stück seines Turbans: Zeichen der hohen Bedeutung, die suggestive Symbole und Rituale in der Welt des islamischen Fundamentalismus haben.

 

 

 

Hizb-Allah   "Bräute des Blutes"