Hizb-Allah

Die grösste islamistische Terrororganisation ist die "Hizb-Allah" oder "Hisbollah", was übersetzt die "Partei Allahs" heisst. Gegründet wurde sie 1973 von dem iranischen Ayatollah Mahmoud Ghaffari, der durch seinen qualvollen Tod in der Gefangenschaft zu einem wichtigen Märtyrer und Vorbild für junge Widerstandskämpfer wurde. Sein weisser, mit Blutspritzern besprengter Turban wird heute in einer Glasvitrine aufbewahrt und zählt zu den wichtigsten Ikonen der "Hizb-Allah".
  Anfänglich aus den Slums rekrutiert und nur mit Küchenmessern, Rasierklingen, Säureflaschen, Ketten und Streichhölzern bewaffnet, wurde diese Gruppe 1982 von Khomeinis Regime richtig organisiert und zählte 1987 bereits mehr als 1 Million Mitglieder. Sie ist keine einfache Partei oder Vereinigung im westlichen Sinne, eher eine "Bruderschaft" und eine "Lebensart", die auch "Reinigungshaus der Menschheit" genannt wird. Aus ihr kommen Tausende von Selbstmordattentätern, die bereit sind, ihr Leben für jedes von den Mullahs bestimmte Ziel herzugeben.

Zwar untersagt der Islam den Selbstmord, aber man umgeht dieses Verbot durch eine eigenwillige Interpretation: Die jungen Männer werden von Allah "wegen besonderer Verdienste" dazu auserkoren, ihr Blut im Kampf für die Verteidigung des Islam zu lassen. Zu den wichtigsten Tugenden gehört es, sich nicht vorzudrängeln, sondern bescheiden auf seinen Einsatz zu warten.

Viele beginnen ihre "Mission" mit einem Besuch auf dem riesigen Teheraner Märtyrerfriedhof "Behesht e Zahra" (Paradies der Blumen), wo sie vor der 4.5 Meter hohen rotgefärbten Fontäne des "Blutbrunnens" andächtig verweilen. Diese wird als "Essenz der islamischen Botschaft" bezeichnet und in Zeremonien verklärt. Dabei wirken oft auch Kinderchöre mit, deren leidenschaftlich gesungene Lob- und Angriffsverse oft schon ihren späteren Werdegang als "Gotteskrieger" einleiten.

Priorität haben junge Männer aus armen Familien mit vielen Kindern, bei Organisationen wie der palästinensischen "Hamas" sind es oft Menschen, die einen nahen Freund durch die Israelis verloren haben oder selbst gewalttätige Übergriffe der Besatzungssoldaten erleiden mussten. Aber gerade die Piloten des New Yorker Anschlages vom 11.September 2001 zeigten, dass nicht nur materielles Elend und mangelnde Bildung ausschlaggebend für die Opferbereitschaft junger Muslime sind. Wesentlicher scheint das erhabene Gefühl zu sein, für eine grosse Idee zu sterben und unsterbliches Mitglied einer langen Kette von Helden und Märtyrern zu werden.

Schon mit jungen Jahren werden die zukünftigen Selbstmordattentäter in Korankursen mit der Glorifizierung von Kampf, Märtyrertum und Paradiesherrlichkeit konfrontiert. Der Tod - so erklären ihnen die geistlichen Lehrer - sei nur die Eingangspforte in ein Jenseits, wo üppige Gärten, köstliche Speisen und "reine" Jungfrauen auf sie warteten. Letztere nennt der Koran "Houris", ein Wort, das vom Auge der Gazelle abgeleitet wurde: ein Auge, das noch niemals etwas Unreines gesehen habe. Genauo seien die Mädchen im Paradies, die den tapferen Kriegern später als Gefährtinnen zur Seite stünden.

Materielle Vergünstigungen für die zurückbleibenden Familien scheinen vor allem in ärmeren Regionen eine motivierende Rolle zu spielen. Die palästinensische "Hamas" zahlt den Angehörigen Geld, sorgt für die Ausbildung der Hinterbliebenen und verspricht, dass 70 von den Familienmitgliedern - ungeachtet ihres Lebenswandels - mit ins Paradies dürfen. Doch der ideelle Ansporn überwiegt: Als z.B. im Iran die materiellen Vergünstigungen 1982 gestoppt werden mussten, ging die Anzahl der Bewerber für Todeskommandos dennoch nicht zurück.

 

"Tod dem, der sich rasiert!"   Manzarieh