Holbeins Vergewaltigung Christi

Auf einem Bild Hans Holbeins ist Christus in einer der wohlbekannten Szenen seiner Passion dargestellt. Bilder der Geißelung gibt es wie Sand am Meer. Die Holbeinsche Darstellung zeichnet sich allerdings durch einige Merk- und Denkwürdigkeiten aus, die uns direkt zu unserem Reisenden, dem Henker, führen. Geträumt und träumend entsteigt er Holbeins Bild. Ich habe es in Hans Peter Duerrs "Obszönität und Gewalt.
Der Mythos vom Zivilisationsprozess" gefunden.

Holbeins "Geißelung" steht bei Duerr im Zusammenhang eines Kapitels zur spätmittelalterlichen Männermode: "Der Hosenlatz und die Schamkapsel". Natürlich geht es in dem Kapitel nicht eigentlich um Mode, sondern um das, was diese Mode ver- oder besser enthüllt. Auf Holbeins Bild enthüllt der in eindeutiger Weise ausgestellte Hosenlatz des Henkers dessen Absicht, und es ist diese Absicht, die das Bild so bemerkenswert sexuell einfärbt. 

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Versteht man die Zeichen zu lesen, entpuppt sich die traditionelle "Geißelung Christi" als anale Vergewaltigung Christi. Die gesamte Bildkomposition suggeriert es. Christus ist im Gegensatz zu dem völlig bekleideten Henker völlig nackt Er ist so an die Geißelsäule gefesselt, dass sich sein Gesäß dem Henker darbietet. Der scheint mit den Hieben der Geißel die Stöße seines Gliedes zu imitieren, ein Zusamenhang, den Klaus Theweleit in seinen "Männerphantasien" am Beispiel prügelnder KZ-Aufseher drastisch belegt hat (Homosexualität und weißer Terror, in: Männerphantasien 2). Auch Duerrs Hosenlatz-Kapitel (§13) folgt nach "Wurzeln der Männlichkeit" (§14) sowie "Rammbock und Festungstor" (§ 15) endlich "Das `Ficken´ von Feinden und Rivalen" (§16).
Dort zeigt ein Gemälde von Marcel Verdier den Brauch in französischen Kolonien, männliche Sklaven so auf dem Boden festzubinden, "dass sie den Peinigern ihren After darbieten mussten". Als Verdier 1843 sein Gemälde im Pariser Salon ausstellen wollte, "lehnte der Salon eine öffentliche Ausstellung des Bildes ab."  Dem Holbeinschen Bild blieb so ein Schicksal erspart. Der sexuelle Gewaltakt des Henkers war im öffentlichen Kirchenraum von der sakralen Aura des Heiligen umhüllt. Schließlich war er Teil des göttlichen Erlösungswerks, dieses großen, unsere Kultur prägenden Traums einer mühsam verchristlichten Seele, die noch tief in ihren alptraumhaften, nächtlichen Bildern gefangen ist.  
 

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