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Herzen der Finsternis Es ist ein Alptraum. Der kundige Leser wird ihn wiedererkennen: die Nachtmeerfahrt des Jonas im Bauch des Wals. Psychologen haben darin eine Regression gesehen, einen Abstieg in die Tiefen des Unbewussten, der auf eine Heilung zielt. Die natürliche Angst, die Panik Pans der Alpträume, ist also notwendig für die Seele. Und so fasse ich auch die Reise des Henkers auf: als heilende, da ängstigende Regression in Abgründe der Religion, die von einer christlich geprägten Kultur als "heidnisch", um nicht zu sagen "pervers", da sexuell unkorrekt, verurteilt werden. Dass am Ende dieses träumenden Abstiegs ins eigene Herz der Finsternis eine Neugeburt aus dem Chaos der Nacht stehen kann, geht Apologeten eines evolutiven Fortschreitens unseres Kultur- und Zivilisationsprozesses nicht in den Kopf. Aber da gehört es wohl auch gar nicht hin. Eines ist allerdings richtig: Eine Garantie, dass Jonas wieder an Land gespieen wird, gibt es nicht. Auch Theseus hätte im Labyrinth umkommen können. Christus, diese Bemerkung sei an dieser Stelle bereits ausblickend erlaubt, ist darin halb steckengeblieben, eine halb verfaulte, kastrierte Leiche. Die Höllenfahrt seiner Anastasis, der "decensus ad inferos" des Nicänischen Glaubensbekenntnisses, harrt noch der Vollendung. Es ist noch Fastenzeit. Der Christus-Traum ist längst nicht ausgeträumt. Er kommt nicht umhin, neu zu beleben, was einst voll Abscheu in der Jauchegrube heidnischer Verworfenheit versenkt wurde. Bei seinem Abstieg von den lichten Höhen des Geistes in die finsteren Tiefen der Materie überfällt den Träumenden Pan, der göttliche Vergewaltiger und verteufelte Schattenbruder Christi, denn: "Je näher man der Welt der stofflichen Natur ist, desto sexueller und zwangsmäßiger wird die göttliche Macht sich offenbaren. Die Vergewaltigung ist das Paradigma für die göttliche Durchdringung und Befruchtung der widerstrebenden Welt der Materie...Im Fall der Vergewaltigung ist das archetypische Modell, das zur Aufführung kommt, etwas Besonderes, denn es ist von den anderen Archetypen, die unser Bewusstsein beherrschen und sowohl Pan wie die Vergewaltigung als abtrünnig ächten, verdammt worden." (James Hillman, Pan und die natürliche Angst, S. 64ff) Pans Sakrileg enthüllt einen dem Träumer bislang verkannten und verborgenen, da tabuisierten Weg: die gewalttätig triebhafte Natur des Menschen als sexuelles Tor zur Sakralität. |
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| Index | Holbeins Vergewaltigung Christi |