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Der
Himmelsbaum Das Bild des Baumes war reduziert auf die zehn Lichter, "Abglänze" (Sefiroth) Gottes, vor einem kosmisch schwarzen, sternenübersäten Hintergrund. |
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Eines der Lichter war besonders hervorgehoben. Vor ihm brannte ein Feuer. Das sei die neunte Sefira, ließ ich mir erklären. Sie heiße "Yesod" ("foundation") und werde immer mit dem Phallus in Verbindung gebracht. Das mache insofern einen auch sexuellen Sinn, als die Sefira direkt darunter "Malkuth" ("kingdom") sei. Diese stehe für die "einwohnende Herrlichkeit Gottes" in der Welt (Shekinah) und werde stets als Frau vorgestellt. Auf dem zweiten Bild war sie zu sehen: eine weibliche Gestalt ganz aus grünenden, blühenden Pflanzen. |
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| Da ich bislang
von der Kabbala recht verworrene Vorstellungen
hatte, wühlte ich mich in der Bibliothek von Brandeis durch eine reichlich
vorhandene Spezialliteratur. Von besonderem Interesse wurde für mich
eine Studie von E.R.Wolfson, Direktor am Department
für hebräische und jüdische Studien der New York University,
"Circle in the square. Studies in the use of gender in kabbalistic
symbolism. Die Bilder der beiden Brandeis-Studenten begann
ich durch das umfangreiche Quellenmaterial dieser Studie in der sexuell-mystischen
Tiefe der Kabbala zu verstehen (Lesehilfe
"Kabbala"). Zunächst zeigt Wolfson, dass der kabbalistische Lichterbaum der zehn Sefiroth Gottes, der das kabbalistische Bild von Gott repräsentiert, seit den frühesten Tagen der Kabbala im 12 Jahrhundert (Narbonne, Gerona) als Phallus geträumt wird. Im Zentrum des kabbalistischen Traums steht Gott als Phallus, und ein Phallus ist deshalb der Baum, der dem Baal Schem Tov vom Himmel herabwächst. Oft wird dieser Baum der zehn göttlichen Sefiroth auch als "Adam Kadmon", vergleichbar dem indischen purusha, dem "Urmenchen", dargestellt. Eine spanische Illustration zu Salomon Ibn Gabirol, "La Kabbala del Keter Malkut" veranschaulicht an der menschlichen Gestalt des Adam Kadmon: Das kabbalistische Gottesbild ist extrem phallozentrisch, Traum einer "phallocentric mentality". (Wolfson, Circle in the square, S. 85) Nur, und da liegt der Kern des kabbalistischen Mythos, diese Phallozentrik ist beschädigt. In Gott ist Unheil, und dieses Unheil ist phallisches Unheil. Was die Kabbala hier zuwege bringt, ist eine Hineinnahme des Pathologischen in Gott. Gerade darin liegt die seelisch wirkende Kraft ihrer mythischen Bilder. "Die Mythologie ist notwendigerweise pathologisch (eine Beschreibung der Psychopathologie), sonst könnte sie nicht über die eigentliche, wirkliche Seele sprechen...Ohne ihre moralische Verderbtheit (in der Kabbala ist es die moralische Verderbtheit Jahwes, D.H.) würde die Mythologie eine Buchreligion werden, eine künstliche Konstruktion oder inspirierte Offenbarung ethischer Dogmen und nicht die fortlaufende Verkörperung menschlicher Erfahrung, die nicht umhin kann, pathologische Verhaltensmuster in sich aufzunehmen." (J. Hillman, Pan und die natürliche Angst, S. 66) |
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