| Lesehilfe
"Kabbala" In vielen Gesprächen während der letzten drei Jahre habe ich erfahren, dass die Informationslage zur Kabbala auch in ansonsten über Judentum "gut unterrichteten Kreisen", gelinde gesagt, oft sehr dünn ist. Deshalb biete ich folgende Hilfe zum Einlesen in diese offensichtlich fremdartige Materie an. Als Basisinformation ist immer noch das Gesamtwerk von Gershom Scholem, dem Altvater der wissenschaftlichen Kabbala-Forschung aus Berlin, zu empfehlen. Die wichtigsten Texte liegen deutsch als Taschenbuch bei Suhrkamp vor, u.a.: - Von der mystischen Gestalt der Gottheit - Zur Kabbala und ihrer Symbolik - Über einige Grundbegriffe des Judentums - Judaica 3. Studien zur jüdischen Mystik Für den sexuell-mystischen Argumentationsgang der "Reise des Henkers" sind zwei Aufsätze im Sammelband Von der mystischen Gestalt der Gottheit wichtig: - "Zaddik; der Gerechte" - Schechina; das passiv-weibliche Moment in der Gottheit Einen schnellen Überblick gibt ganz im Geiste Scholems: - D.S.Ariel, Die Mystik des Judentums, München 1993. Wer sich über Scholems persönliche Forschungsmotive informieren möchte, sollte seine Autobiographie lesen: "Von Berlin nach Jerusalem". Zum 80. Geburtstag Scholems 1978 hat Jürgen Habermas in Jerusalem eine Laudatio gehalten, die auch als Einstieg in die Materie gut geeignet ist: "Die verkleidete Tora", in: Jürgen Habermas, Philosophisch-politische Profile. Dass gerade Habermas diese Laudatio hielt, ist kaum ein Zufall. Bis hin zu seiner "Theorie des kommunikativen Handelns" kann dessen Werk als kabbalistisch inspiriert gelesen werden und zwar vermittelt über die Weltalter-Lehre Schellings und die darin implizite Kabbala-Rezeption des schwäbischen Pietismus. Jozef Keulartz hat das in seiner Amsterdamer Dissertation detailliert dargestellt: Die verkehrte Welt des Jürgen Habermas, Hamburg 1995. Die Kirche von Teinach im Schwarzwald zeigt die christliche Kabbala-Rezeption in Form von Fresken zu jeder der zehn Sefiroth. Ein anderer Weg, sich der Kabbala nicht über eine mystische Theologie anzunähern, sind deren Einflüsse auf Franz Kafka: K.E.Grözinger, Kafka und die Kabbala. Das Judentum im Werk und Denken von Franz Kafka, Frankfurt 1994. In diesem Zusammenhang ist auch der Aufsatz von Beda Allemann zum Dreieck Kafka Scholem Benjamin lesenwert Fragen an die judaistische Kafka-Deutung am Beispiel Benjamins, in: Kafka und das Judentum, hrsg. v. K.E.Grözinger. Hier ist ferner auf die Aufsatzsammlung von St. Moses hinzuweisen Der Engel der Geschichte. Franz Rosenzweig, Walter Benjamin, Gershom Scholem, darin besonders Die Krise der Tradition. Kafka, Freud und die Frage der Väter. Schließlich möchte ich auf eine Auseinandersetzung mit der Kabbala aufmerksam machen, die im Rahmen der Ahlener "Woche der Brüderlichkeit" 1999 stattfand. Ihre Einordnung in das Gesamtprogramm zeigt die Website: www.ahlen.de/kultur/bruederlichkeit/archiv/woche99 Theoretische Basis war meine Broschüre Jenseits der Spaltung. Heilende Begegnung mit Bildern jüdischer Lebenswelten. Der 50-seitige Text mit vielen weiteren Literaturhinweisen kann zum Preis von DM 9.80 bei der VHS Ahlen bestellt werden: r.blauth@t-online.de Die "Reise des Henkers" vertieft den sexuell-mystischen Aspekt dieses Textes. |
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