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Heine belebt
die Naturelemente und den Wechsel der Tages- und Jahreszeiten mit Geschichten
und Figuren, er mythologisiert selbst oder spinnt vorhandene Legenden
weiter: Sonne und Mond waren für ihn einst ein Paar, Gott und Göttin,
eine Einheit von Männlichem und Weiblichem, bis "böse Zungen"
Zwiespalt ernteten und sie auseinanderrissen. Damit sind wohl die monotheistischen
"Vaterreligionen" gemeint, die das Weibliche verdammen mussten,
um die Alleinherrschaft eines männlichen Gottes sicherzustellen.
Die Lust am Allegorisieren der Natur paart sich mit der Trauer darüber, das einst ein Weltbild existierte, das in grösseren Einheiten zu denken gewohnt war. Sonne, Mond und Sterne bedeuten der jüdischen und christlichen Religion nichts, die Anbetung von Gestirnen ist in den heiligen Texten verboten. Damit will sich der Dichter nicht abfinden, dem alles um ihn herum beseelt erscheint und der die Vielfalt mehr liebt als eine aufgezwungene Einheit. Während seiner Nordseereise hörte Heine sich auch bei Fischern nach alten Sagen um, die noch heidnische Vorstellungen von Tod und Jenseits transportierten. Er fand dort die Geschichte vom "Spediteur", einem Männlein mit dreieckigem Hut und plumpen Schuhen mit stählernen Schnallen, das manchmal einsamen Fischern erscheint, um eine Barke für die Überfahrt von toten Seelen anzumieten: eine ostfriesische Variante des griechischen Fährmannes Charon, der die Verstorbenen in die Unterwelt fährt. Es heisst, der Fährmann müsse eine "weisse Insel" suchen, um die Toten dort abzusetzen: Diese - so spekuliert Heine - "wird zuweilen auch Brea oder Britinia genannt. Denkt man vielleicht an das weisse Albion, an die Kalkfelsen der englischen Küste?" |
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