Die alten Götter Europas waren für Heine "keine Gespenster ..., sondern unsterbliche Wesen, die nach dem Siege Christi sich zurückziehen mussten in die unterirdische Verborgenheit, wo sie mit den übrigen Elementargeistern zusammenhausend, ihre dämonische Wirtschaft treiben." Dazu zählte für ihn auch die ehemalige Liebesgöttin Venus, die "als ihre Tempel gebrochen wurden, in einen geheimen Berg flüchtete, wo sie mit dem heitersten Luftgesindel, mit schönen Wald- und Wassernymphen, auch manchen berühmten Helden, die plötzlich aus der Welt verschwunden, das abenteuerlichste Freudenleben führt."
 

Daher liebt Heine besonders die Geschichten um den Sänger Tannhäuser, der wegen seiner Minnelieder den Bann der Kirche auf sich zog und nur noch Zuflucht im Venusberg fand. In seinem Essay "Elementargeister" zitiert Heine ein Tannhäuser-Lied aus dem 17. Jahrhundert, das er - neben dem Hohelied des König Salomo - zu den "flammendsten Gesängen der Zärtlichkeit" zählt:

"Ich ahnte gleich, aus diesem Liede sprach zu mir eine wohlbekannte Freudenstimme; ich vernahm darin die Töne jener verketzerten Nachtigallen, die während der Passionszeit des Mittelalters, mit gar schweigsamen Schnäblein sich versteckt halten mussten, und nur zuweilen, wo man sie am wenigsten vermutete, etwa gar hinter einem Klostergitter, einige jauchzende Laute hervorflattern liessen."

Bei Heine ist die Wiederentdeckung der alten Götter und Göttinnen stark mit Erotik verbunden. In polemischer Abgrenzung gegen Jesus Christus nennt er den griechischen Gott Dionysos einen "Heiland der Sinneslust" und stellt die Nymphen und Elfen der Volksmärchen gegen die Askese des Christentums oder den "trübsinnigen, mageren, sinnenfeindlichen, übergeistigten Judäismus".
 
Ilsenstein   Nordsee