Auch der Dichter Heinrich Heine (1797-1856) zeigte reges Interesse an der versunkenen Welt heidnischer Götter, die er - zumindest in jüngeren Jahren - gegenüber dem asketisch-vergeistigten Christentum als sinnenfrohere Alternative poetisch wiederzubeleben versuchte.

"Die armen Heidengötter", so schrieb er, "mussten ... die Flucht ergreifen und unter allerlei Vermummungen in abgelegenen Verstecken ein Unterkommen suchen, als der wahre Herr der Welt sein Kreuzbanner auf die Himmelsburg pflanzte, und die ... schwarze Bande der Mönche alle Tempel brachen und die verjagten Götter mit Feuer und Fluch verfolgten."

Heine durchstöberte viele alte Quellen, etwa die Schriften des Paracelsus oder die Gesetze Karls des Grossen, um Spuren für die ehemalige Naturreligion zu finden. Die anregendsten Hinweise aber erhielt er durch den Volksglauben, die Sagenwelt und bestimmte Landschaften, in denen er Reste der alten Mythen wiederzuentdecken glaubte.

Wie Goethe unternahm auch er eine Harzreise, die ihn an legendenumwobene Orte führte, etwa zum "Ilsenstein" bei Wernigerode, der seinen Namen von einer geheimnisvollen Prinzessin hat, die Wanderer gelegentlich in ihr Zauberreich lockt:

 

"Ich bin die Prinzessin Ilse,
 und wohne im Ilsenstein;
 Komm mit nach meinem Schlosse,
 Wir wollen selig sein.

 Dein Haupt will ich benetzen
 Mit meiner klaren Well',
 Du sollst deine Schmerzen vergessen,
 Du sorgenkranker Gesell.

 In meinen weissen Armen,
 An meiner weissen Brust,
 Da sollst du liegen und träumen
 Von alter Märchenlust."

Rauschen der Haine   Tannhäuser