Irrfahrten und Liebeswirren

   
  Als Parzival die Burg zu weiteren Taten verlässt, steigt eine "gärende Unruhe" in ihm auf: "Die Weite schien ihm zu eng, die Breite zu schmal, das Grün der Wiesen und Bäume zu blass, das Rot seiner Rüstung zu farblos." Ohne rechtes Ziel lockert er die Zügel und lässt sich von seinem Pferd irgendwohin tragen: ein schönes Bild für das Vertrauen in innere Naturkräfte, das ebenfalls nicht in einen genuin christlichen Text passt, der eher von geistiger Zucht und Kontrolle handeln würde.

Nach weiteren Taten ist Parzival dann bereit, weitere Lektionen als Liebhaber zu lernen. Rührend Wolframs Schilderungen, wie er mit der schönen, aber noch schamhaften Jungfrau Condwiramur seine erste Liebesversuche bestreitet. Diese gleitet – nur mit einem Samtumhang bekleidet – zu ihm, aber beide wissen nicht recht, wie sie sich verhalten sollen:

"Als er sie dann zu sich nahm, geschah es in grösster Herzenseinfalt, in einer Art Waffenstillstand, ohne dass die versöhnungsstiftenden Glieder zueinander fanden. Beide dachten nicht einmal daran." Erst nach einigen Tagen will es schliesslich gelingen: "Sie schlangen also Arme und Beine ineinander, und wenn ich es schon sagen soll: er fand das nahe Süsse, und beide übten den alten, stets neuen Brauch. Dabei war ihnen wohl und nicht wehe zumute."
 

Narr und Sucher   Der Gral