Die Elster

   
  Wolfram's "Parzival" ist die Geschichte vom Erwachsenwerden eines jungen Mannes, der nicht nur kämpfen und lieben lernen muss, sondern dessen Persönlichkeit sich erst langsam durch viele Prüfungen hindurch entwickelt. Thomas Mann sagte einmal, dass ohne dieses Werk der moderne Entwicklungsroman (etwa Goethes "Wilhelm Meister") nicht entstanden wäre und man möchte hinzufügen, dass auch das Kino diesem Archetyp vieles verdankt.

Das erstaunliche, etwa um 1200 geschriebene Versepos beginnt bereits mit einem Satz, der nicht nur für das damalige christliche Europa bemerkenwert war: "Wer schwankt, kann immer noch froh sein; denn Himmel und Hölle haben an ihm teil." Der Mensch, so Wolfram, gleiche einer Elster, die gleichermassen schwarz- und weissgefleckt sei.

Während strenge Päpste in dieser Zeit Kreuzzügler und Inquisitionstruppen ausschickten, um "Ungläubige", "Hexen" und "Teufelsanbeter" umzubringen, schrieb ein Dichter von dem unauflöslichen Doppelgesicht des Menschen und gab ihm gleich einen Mischling als Zwillingsbruder mit.

Denn Parzivals Vater Gachmuret hat auf seinen Heldenfahrten nicht nur ihn gezeugt, sondern mit einer afrikanischen Schönheit auch den "gescheckten" Feirefiz, der später im Roman noch eine wichtige Rolle spielen wird.
 

Der Mann, der vom Himmel fiel   Waldeskindheit