| Der
Mischling |
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Ein weiterer Höhepunkt und Prüfstein ist Parzival's Begegnung mit seinem schon erwähnten "gescheckten" Zwillingsbruder Feirefiz, der bei einem afrikanischen Liebesabenteuer seines Vaters Gachmuret gezeugt wurde. Wäre das Wort nicht so verbraucht, könnte man bei dieser Szene von einem Stück mittelalterlichen "Multikulti" sprechen, das übrigens im 13. Jahrhundert weiter verbreitet war, als viele heute wissen: Auch der Kreuzfahrer Richard Löwenherz war eng mit einem arabischen Sultan befreundet und der normannische Kaiser Friedrich II. pflegte in Süditalien das Zusammenleben von christlicher, jüdischer und islamischer Kultur. Feirefiz, der von Parzival zunächst nicht als Bruder erkannt wird, tritt mit diesem in einen langen Zweikampf ein, der mal diesen, mal jenen begünstigt. Wolfram beschreibt ihn als einen aus dem Orient kommenden "Heiden", aber es fehlen negative Bewertungen, wie sie damals gegenüber Nichtchristen üblich waren. Im Gegenteil wird Feirefiz als "vollendeter Ritter" geschildert, der im Dienste einer Dame kämpft und sich als Parzival sein Schwert verliert als nobler Gegner erweist. |
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Wolfram stellt in dieser Szene nicht nur eine Versöhnung von Okzident und Orient, Christentum und Heidentum, "Weiss" und "Schwarz" dar, sondern lässt sich Feirefiz sogar noch ausführlich bei seinen Heidengöttern bedanken. Man stelle sich dies in einem Traktat damaliger Kirchenväter oder in einer Predigt vor. Parzival dagegen schaut dem Spektakel eher vergnügt zu, ohne auf den Gedanken zu kommen, daran irgendetwas anstössig zu finden. Die Freude darüber, den Bruder - und darüberhinaus einen wertvollen Menschen - getroffen zu haben, erhebt beide über jedwede religiöse oder "völkische" Zuordnung hinweg: ein nicht nur für damalige Verhältnisse erstaunlicher Augenblick. |
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| Ketzerwissen | Herzenskönigtum |