Der Schriftsteller Otto Rahn (1904-1939) glaubte aufgrund einiger Hinweise in Wolfram's "Parzival" die dort beschriebenen Gralshüter als Katharer identifizieren zu können: eine häretische Glaubensgemeinschaft des 13. Jahrhunderts, die gegen den Machtanspruch der römischen Kirche protestierte und von der Inquisition ausgelöscht wurde. Zu Recherchezwecken suchte Rahn bereits Anfang der 30er Jahre die Gegend um Tarascon/ Südfrankreich auf, in der die Katharer zum Schluss Zuflucht in hochgelegenen Burgen (etwa Montségur) gesucht hatten und schrieb darüber das Buch: "Kreuzzug gegen den Gral".

Dieses wurde u.a. auch von Heinrich Himmler gelesen, der den jungen Schwarmgeist 1936 in die SS holte und zu neuen mythologischen Forschungen über die Ketzergeschichte Europas anregte.


Über Rahns Motive seines Eintritts in die Schutzstaffel gibt es widersprüchliche Aussagen: Er selbst weist auf existentielle Nöte hin, die dadurch gelindert worden seien, aber spricht auch vom "nationalsozialistischen Gedankengut" seiner Arbeiten. Andere Zeitzeugen sehen einen gewissen Karrierismus mit im Spiel, Rahn habe sich auch gerne in der SS-Uniform präsentiert und nach aussen hin den "Ehrencodex" der Truppe verteidigt. Trotz antisemitischer Stellen in seinem zweiten Buch "Luzifers Hofgesind" scheint er jedoch kein überzeugter Nazi gewesen zu sein, eher ein Schwärmer, Mitläufer, der durch eigene Zerrissenheiten in unkontrollierbare Bereiche getrieben wurde. Obwohl Rahn auch in KZ-Wachmannschaften eingesetzt wurde, war er nicht der Typ des kalten Todesbürokraten oder brutalen Vollstreckers: Die in Dachau und Buchenwald gemachten Erfahrungen hinterliessen bei dem sensiblen Schöngeist eher traumatische Spuren. Alkoholprobleme und Homosexualität wurden ihm schliesslich zum Verhängnis. Denunziationen und Intrigen gefährdeten nicht nur seine Mitgliedschaft in der SS, sondern trieben ihn auch in den Selbstmord, den er im Frühjahr 1939 in den Tiroler Bergen vollzog.

Insgesamt haben Rahns Forschungen zu den Katharern die Zeit nicht überdauert: Zu vieles war Spekulation oder (beim zweiten Buch) ideologisch belastet. Heute gibt es genauere Studien zu den Katharern, Rahns Werke bleiben alleine als Stimmungsbilder einer spirituellen Suche zu Beginn des 20. Jahrhunderts, die er mit vielen anderen teilte. Heute werden sie von Kleinverlagen wieder herausgegeben und fungieren als "Kultbücher" innerhalb esoterisch interessierter Kreise der rechten Szene.

Mehr dazu in meinem Buch: "Schwarze Sonne".

 

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