"ROT IST DIE FARBE DER GÖTTER"

Zu Ridley Scotts Film "Gladiator"

von Rüdiger Sünner

 
   

Als Deutscher ist man wegen der Vergangenheit sensibilisiert gegenüber bestimmten Begriffen: "Heimatliebe" gehört dazu, ebenso "Blut und Boden", "Heldentum", "Opfertod" oder "Kriegerehre". Deutsche Wissenschaftler, Lehrer, Journalisten und Künstler sind sich einig in der Ächtung dieser Dinge und weisen gerne daraufhin, wieviel Unheil in ihrem Namen verübt worden sei. Man lebe in modernen und "aufgeklärten" Zeiten, habe Helden nicht mehr nötig und Kriegerpathos und Rachebedürfnisse seien Relikte aus primitiven und gottlob überwundenen Zeiten (1).

Als ich "Gladiator" das erstemal sah - in Helsinki mit finnischen Untertiteln - verstand ich noch nicht alle Feinheiten, aber spürte in Bildern und Musik geradezu einen Hymnus auf die oben erwähnten Dinge. Der Film beginnt mit einer poetischen Hommage an das "Walhall" der Römer: eine Vorausschau auf eine mystische Jenseitslandschaft, in die der tapfere Krieger nach seinem Tod einzieht und wo er auf bereits verstorbene Familienangehörige trifft. Dann folgt eine gewaltige Schlacht in den germanischen Wäldern, während der die Hauptfigur des Filmes - ein römischer General - seinen Soldaten anfeuernd zuruft: "Unsere Taten zu Lebzeiten hallen bis in die Ewigkeit!" Dabei bückt er sich und hebt eine Handvoll Erde auf, um sich aus ihrem Geruch Kraft zu holen. Nachdem er durch Intrigen gestürzt wurde, muß er sich in Afrika als Gladiatorenanwärter von ganz unten wieder hocharbeiten. Unter dem Motto "Rot ist die Farbe der Götter" lernt er die Auseinandersetzung mit maskierten Kampfmaschinen und kehrt schließlich nach Rom zurück, wo er inmitten von Korruption und Dekadenz Ideale wie Integrität, Tapferkeit und Ehre behauptet. Am Ende stirbt er in einem unfairen Zweikampf, wird aber durch den Eintritt in das Jenseitsland belohnt, das bereits am Anfang des Filmes in betörenden Farben vorgestellt wurde.

Bei meinen Recherchen zu mythologischen Hintergründen der NS-Ideologie war ich immer wieder auf all diese Dinge gestossen, die im Dritten Reich vor allem für Jugendliche eine grosse Anziehungskraft hatten. Trotz solchen Vorwissens ließ mich der Film nicht kalt - und wenn ich mich im Kino umschaute, war ich nicht der einzige. Auch als ich ihn später nochmal mit meinen beiden Neffen (15 und 18 Jahre) anschaute, war es ähnlich. "Ein cooler Film", drückten sie sich wesentlich unbefangener und unintellektueller aus als ich, aber ich mußte ihnen zumindest streckenweise Recht geben. Zwar ist "Gladiator" kein wirklich großer Film und es ist spannend, sich zu überlegen, was ein Stanley Kubrick daraus gemacht hätte. Aber es gibt intensive Momente darin, denen sich womöglich nur hartgesottene Rationalisten oder fanatische Hollywood-Verächter entziehen können. Wahrscheinlich werden auch sie beide nach ein paar Bieren zugeben, daß sie gelegentlich davon berührt wurden.

"Gladiator" nutzt tiefliegende und uralte Gefühle, Bilder und Archetypen, die wahrscheinlich alle Menschen miteinander teilen und die auch kulturell nur geringfügig variieren. Einzig dadurch ist auch sein weltweiter Erfolg zu erklären. Er macht uns - und das ist das eigentlich Spannende daran - unsere Gespaltenheit zwischen bewußtem Verstand und unbewußten Regungen, christlichen und heidnischen, "aufgeklärten" und archaischen Wertvorstellungen deutlich. Dies ist nicht einmal ein Verdienst des Regisseurs: Ridley Scott ist ein Macho alter Schule, der mit der Zigarre in der Hand die Schauspieler dirigiert und von keinerlei kritisch-soziologischem Gedankengut angekränkelt ist. Er hat schlicht und einfach nur in Szene gesetzt, was er aufregend findet, und 200 Mio Dollar Einspielergebnisse und 5 Oscars geben ihm bislang Recht.

"Gladiator" ist auch kein Film, der wirklich bedenkliche Inhalte transportiert, selbst wenn der Komponist Hans Zimmer im Bonusteil der DVD von einer Hommage an Leni Riefenstahl spricht, die ihn zu "schamlosen" Anleihen bei Richard Wagner ermutigt hätte. Aber Zimmer - wie übrigens auch die Regisseure Roland Emmerich und Wolfgang Petersen - lebt in Amerika nur ein wenig den Patriotismus aus, der in seinem Heimatland unter neurotischer Überwachung steht und kann sich im Schutze Hollywoods ein wenig austoben. Bedenklich ist der Film deswegen nicht, weil er seine archaische Wucht nicht zur Glorifizierung irgendwelcher "Übermenschen" benutzt bzw. andere dementsprechend erniedrigt. Wenn auch die Germanen nur pauschal als schlammtriefende Ungeheuer ins Bild gerückt werden, so zeigt Scott das alte Rom differenzierter: Mutige Krieger gibt es hier genauso wie den Mob, der die grausamen Spiele braucht, noble Herrscher stehen neben dekadenten Emporkömmlingen und das einfache Volk wird von zynischen Senatoren regiert, die sich auf ihren Landgütern Lustknaben halten. Die Sklaven werden zwar als solche behandelt, aber können sich auch mit außergewöhnlichem Mut ihre Freiheit zurückerwerben.

Die von Russell Crowe gespielte Hauptfigur Maximus ist kein "Herrenmensch", sondern eher ein einfacher Bauer, der nicht auftrumpft, sondern im Stillen Tugenden wie Ehrlichkeit, Tapferkeit und Ehre zu bewahren sucht. Dabei spielen durchaus metaphysische Momente mit herein, wie man sie aus amerikanischen Filmen kaum kennt: der mystische Kontakt zur Erde, der Glaube an ein Jenseits nach dem Tode, die Ehrung der Ahnen, quasireligiöse Dimensionen von Kampf und Krieg. Ernst Jünger hätte diese Figur gefallen - und vermutlich hätte er sich mit Crowe und Scott besser verstanden als mit seinen Künstlerkollegen im eigenen Lande.

"50.000 beobachten jede Bewegung deines Schwertes und hoffen auf den letzten tödlichen Hieb", weiht ein Lehrer den angehenden Gladiator in die Mysterien des Kolosseums ein: "Die Stille, bevor du zuschlägst und der Lärm danach. Er steigert sich. Er steigt in große Höhen wie ein Sturm. Als wärst du der Donnergott selbst."

Hier geht es nicht um Prinzipien der Aufklärung oder den christlichen Gott von Nächstenliebe und Barmherzigkeit, wie er in unseren Breitengraden immer wieder gerne beschworen wird. Der "Donnergott", den auch die Germanen in Gestalt des "Thor" kannten, ist im Stadion anwesend: eine heidnische Urkraft, verbunden mit den Elementen Sturm und Gewitter, die aber auch in der Seele des Menschen wohnt und in Extremsituationen ungeahnte Kräfte entfesseln kann. Sie wird hier nicht als etwas Bedenkliches dargestellt, das zu Tod und Zerstörung führen kann, sondern als Appell an Kräfte von Mut, Tapferkeit, offensivem Handeln und "heiligem Zorn". Jeder noch so aufgeklärte Zeitgenosse kennt dies auch bei sich selbst: Momente, wo Toleranz, Rückzug und Besonnenheit nichts mehr bringen, sondern "der ganze Mann" mit aller Riskobereitschaft und Kühnheit gefordert ist. Um dies zu erleben, machen gestresste Manager Abenteuerurlaub, Survival-Training und Psychoworkshops, springen gelangweilte Zeitgenossen mit Fallschirmen oder Bungee-Seilen in die Tiefe, jubeln Hunderttausende den Boxhelden in den Sportarenen zu, ergötzen sich die romanischen Länder nach wie vor am Ritual des Stierkampfes. Aber vor allem im Kino leben diese Bedürfnisse immer wieder auf: in Kriegsfilmen, Action-Reissern, Heldenkämpfen gegen Monster und Psychopathen, Filmen über Jugendgangs, die mit der Faszinaton der Gewalt immer auch gewinnbringend zu flirten verstehen.

Heidnisch- archaisch ist nicht nur die Beschwörung des Donnergottes im Menschen, sondern auch ein Satz wie "Rot ist die Farbe der Götter", den wir im "Gladiator" an einer zentralen Stelle hören: Der Zugang zu den Göttern erfolgt nicht in demütigem Gebet, sondern durch Taten, bei denen auch Blut fließen muß. Nach der Mythologie vieler alter Völker lieben die Götter Kampf und Krieg, weil sich in solchen Extremsituationen die menschlichen Daseinskräfte steigern: eine dem Christentum völlig fremde Auffassung, die nichts mit Pazifismus oder allgemeiner Nächstenliebe zu tun hat, sondern auf Begriffen wie Ehre, Rache, Opfer, Heldentum und Tatkraft basiert. Diese heidnischen Werte, scheinbar längst überholt, wurden auch in der SS wieder aktiviert, um todesbereite Kämpfer für Deutschland zu rekrutieren. Sie leben bis heute in nationalistischen Mythen und Weltbildern weiter, etwa in den kriegerischen Auseinandersetzungen Serbiens oder des Nahen Ostens. Den jungen arabischen Kämpfern der Hisbollah wird der Eintritt ins Paradies versprochen, wenn sie einen Israeli töten, ihr Krieg ist eine "heilige Mission", das Blutvergiessen eine sakrale Handlung. Im Inneren der Atom-U-Boote der ehemaligen Sowjetunion hängen Schilder mit der Aufschrift: "Der Aufenthalt hier ist keine Arbeit, sondern Gottesdienst." Auch die Ausbildungscamps der amerikanischen und französischen Elite-Soldaten arbeiten mit solch mythischen Bildern. Wir, die wir nicht dazuzählen und uns für "aufgeklärter", "menschlicher" und "moderner" halten, geniessen diese Gefühle klammheimlich in den Sportarenen, Kinosälen oder in SPIEGEL-TV-Reportagen über die martialische Extremausbildung der US-Marines.

Neuere Studien haben gezeigt, daß solche archaischen Muster auch in vielen Jugendgangs von großer Bedeutung sind. Dies gilt nicht nur für Jugendliche aus orientalischen Macho-Kulturen, sondern auch für Hooligans oder Skinheads, egal ob sie links oder rechts stehen. Auch die vermummten Antifa-Krieger, 1. Mai-Kämpfer, Castor-Blockierer oder Joschka Fischers ehemalige "Putztruppe" leben von solchen atavistischen Stereotypen. Mutproben, Rachegelüste, physischer Einsatz, modernes Heldentum, Opferbereitschaft und Märtyrertod gehören hier dazu. Auch die scheinbar dem Frieden und einer "linken" Weltordnung dienenden Kämpfer geniessen - wenn sie nur ehrlich sind - den Rausch der physischen Auseinandersetzung und lassen sich gerne von weiblichen Mitstreitern die Wunden verbinden und für ihre Tapferkeit bewundern.

"Gladiator" thematisiert all dies in hemmungslos rauschhaften Bildern und scheut nicht vor Pathos, Helden-, Kriegs- und Opferverehrung zurück. Sein großer Erfolg zeigt, daß er eigentlich kein Historienfilm ist, sondern gegenwärtige Emotionen berührt. All diese Dinge, so muß man nüchtern konstatieren, scheinen zum Menschen dazuzugehören und es kann nicht darum gehen, sie zu verurteilen, sondern mit ihnen umgehen zu lernen. Auch der unsportliche Wissenschaftler, Politiker oder Geistliche würde sich vielleicht gerne an seinem Erzfeind mit Fausthieben rächen oder von seiner Frau für besondere Tapferkeit begehrt werden. Aber er ist anders sozialisiert und kämpft deswegen auf intellektuellem Gebiet, dort vielleicht gelegentlich mit übleren Mitteln als der Streetfighter oder Kriegsheld im Kino.

Wie gehen wir also mit dieser modernen Form kultureller Schizophrenie um?

Ein erster Schritt wäre vielleicht mehr Ehrlichkeit gegenüber uns selbst. Jeder sollte seine irrationalen und unbewußten Anteile genauer anschauen, bevor er sich moralisch überlegen zeigt. Vor allem Politiker, Wissenschaftler, Erzieher und Journalisten in diesem Land bevorzugen es jedoch, hohe Ideale von Rationalität, Pazifismus und Menschenwürde zu proklamieren, ohne sich selbst als Personen miteinzubringen, die immer auch Widersprüchliches und Atavistisches in sich tragen.

Der Islam-Forscher Bassam Tibi hat diese hierzulande besonders typische Bewusstseinsspaltung einmal deutlich beschrieben: "Im Deutschen unterscheidet man zwischen 'Sache' und 'Person'. Die Adjektive hiervon sind 'sachlich' und 'persönlich'; beide schließen einander im Deutschen aus. Wenn es um die 'Sache' geht, bleibt kein Raum für den Menschen als eine Person, und das, was als nur 'persönlich' dargestellt, ja in vielen Fällen verleumdet wird, steht im Widerspruch zum 'Sachlichen' ... Trotz meiner deutschen Ausbildung und Bildung weigere ich mich, alles zu vergeistigen, das heißt die deutsche 'vollkommene Unterdrückung des Subjekts' und den Trend, den 'Dämon des Abstrakten' (Albert Beguin) Triumphe feiern zu lassen, mitzumachen." (2)

Diese Trennung ist vielleicht bei uns so extrem ausgebildet, weil sich hier einmal ein ganzes Volk rauschhaft für Heldenverehrung, Führerkult, Kriegsverherrlichung und Patriotismus begeisterte, um danach umso tiefer in einen Abgrund von Ernüchterung, Ohnmacht und Verdrängung zu stürzen.

All dies - vielleicht noch mit deutscher Pedanterie und Schubladendenken angereichert - macht uns zu einem besonders unangenehmen Musterland der "political correctness", was vom Ausland eher belächelt als geschätzt wird. Viele deutsche Besprechungen des "Gladiator" gaben sich daher auch naserümpfend, ironisch oder befremdet von Hollywoods unbefangenen Umgang mit dem Archaischen. Die Kids kümmert dies jedoch nicht und sie suchen sich - eher instinktiv - das, was ihren Bedürfnissen entspricht. Dabei sehen die Erzieher mit Befremden und Hilflosigkeit, wie stark die in der Schule vermittelten "abendländischen Werte" und die im Kino konsumierten Sensationen auseinanderklaffen.

Wie wäre es zum Beispiel, wenn man im Unterricht (und auch in der Öffentlichkeit und an den Universitäten) über solche Dinge anders sprechen würde? Nicht im Ton überheblichen Wissens oder belehrender Moral, sondern mit der Ehrlichkeit, die keine Trennung mehr zwischen "Person" und "Sache" kennt und sich offen auf die Erkundung faszinierender Zwiespalte einläßt. Nebenbei wäre zu fragen, ob das Arsenal unserer historischen Heldensagen dabei nicht helfen könnte: von der griechischen Ilias über das Mahabharata der Inder bis hin zur "Edda", dem "Parzival", den "Nibelungen" oder dem altfranzösischen Rolandslied. Hier sind alle oben beschriebenen Bilder und Gefühle versammelt und zusätzlich in Erzählstrukturen eingegliedert, die differenzierter und psychologisch komplexer sind als die meisten Hollywoodfilme. Vielleicht wäre hier wirklich etwas über "archaische Werte", Rache, Opfertod und Kampfeslust zu lernen: große Ideen und Emotionen, die aber in den klassischen Sagen immer auch mit tragisch-gebrochenen Stimmungen verbunden sind und den Heldenweg als schmerzhaften Erziehungsprozeß zeigen.

Gerade weil Jugendliche den Archetyp des Heroischen so zu brauchen scheinen, sollte man die diesbezügliche literarische Tradition nicht nur als verstaubtes oder gar bedenkliches Erbe abtun. Man sollte sie auch nicht nur soziologisch als Spiegel von überholten Gesellschaftsverhältnissen oder "reaktionären" Wertvorstellungen lesen, sondern in ihre Bilder selbst hineingehen, sich ihrer emotionalen Wucht ohne unnötige Angst stellen. In einer freien Diskussion darüber würden sich vermutlich spannende Berührungspunkte mit Erfahrungen des gegenwärtigen Lebens ergeben, die komplexer und aufregender sind als kommerziell aufgepeppte Kino-Mythen, die dem vereinfachten Schein und dem überwältigenden Rausch dienen müssen.

Warum sollte ein solches Unterrichtsfach nicht einmal angedacht werden, in das auch Symbolmaterial, Gemälde oder andere Filme miteinbezogen werden könnten, um die Gewalt archaischer Ideen zu verdeutlichen und in einen erhellenden Kontrast zur Bilderwelt moderner Medien zu stellen. So könnte neben dem "Gladiator" auch Stanley Kubricks "Spartacus" gezeigt werden, der sich dem Thema völlig anders nähert. Hier wird der Gladiator weniger als erotisch attraktive Kampfmaschine gefeiert, als der Bezug zum erniedrigenden Sklavendasein herausgearbeitet. Gleichwohl ist "Spartacus" auch eine Heldenfigur, die zeitlose Werte wie Integrität, Mut, Ehre, Tapferkeit und Loyalität verkörpert. Sein Tod am Schluß führt aber nicht in die seligen Gefilde von "Elysium", sondern bleibt nackt und beklemmend als solcher stehen. Die letzten Worte seiner Geliebten, die ihr gemeinsames Kind im Arm trägt, weisen nur daraufhin, daß dieses im Gegensatz zu seinen Eltern ein freier Mensch sein wird: Spartacus' Taten und Leiden haben zu einem Entwicklungssprung in der Menschheitsgeschichte beigetragen.

Solchen Tiefgang erreicht "Gladiator" trotz seiner visuellen Modernität nicht. Am Schluß eilt der verstorbene Heros nur zu melancholischer Musik seiner schönen Frau und seinem Söhnchen in einem kitschig gefärbten Jenseitsland entgegen. Damit befriedigt der Film dann doch eher sentimentale Bedürfnisse und unterstützt die in Amerika so wichtige Kinokategorie der "Familientauglichkeit", als daß er uns wirklich tiefere Aspekte von Heldentum und Heldenopfer zu erzählen hätte.


1) Wie lebendig die Gefühle von Heldenpathos und Blutrache sind, erfahre ich am 13. September 2001, zwei Tage nach dem Attentat auf das World-Trade-Center in New York, als ich in den Nachrichten höre, dass der amerikanische Verteidigungsminister einen Vergeltungsschlag ankündigt. Sein Volk - so sagt er emphatisch - könne sich bereits in den nächsten Tagen in die "lange Geschichte amerikanischer Militärhelden einreihen." Gestern zitierte eine Kommentatorin der "Tagesthemen" zustimmend die berühmte Stelle im Alten Testament, worin Rache "Auge um Auge, Zahn um Zahn" gefordert wird. Die BZ zeigt heute morgen ein riesiges Bild von Osama Bin-Laden mit dem Titel: "Allah, rufe diesen Mörder zu dir", die TAZ begibt sich auf die "Suche nach dem Bösen". Die "aufgeklärte" Zivilisation greift auf einmal begeistert auf archaische Bilder und Begriffe zurück, als wäre die Vernunft zu schwach, um das Entsetzliche zu verarbeiten. Dies nur als aktuelle Anmerkung am Rande, die einmal in einem späteren Aufsatz genauer untersucht werden müsste. Siehe http://www.ruedigersuenner.de/top1.html

2) Bassam Tibi: Europa ohne Identität, S.16




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