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Auch bei Caspar David Friedrich finden wir die Auffassung der Natur als Tempelraum wieder: Seine wahre Andacht gilt dem Wasser, der Luft und der Erde, den Gestirnen, Wäldern, Bäumen und Steinen, mit denen er sich - wie wir schon hörten - "vereinigen" muss, um zu sich selbst zu kommen. Dabei sucht er vielleicht so etwas wie die in der Natur verkörperte und ausgestreute Weltenseele, um das Gefühl einer verlorengegangenen Einheit wiederzuerlangen. Ein Erlösergott spielt dabei kaum eine Rolle, der Mensch allein ist in der Lage, im Freien Göttliches hinter den Erscheinungen zu spüren. Heidnisch-naturreligiöse Züge spielen nicht nur in Friedrichs Weltanschauung hinein, sondern er suchte auch gerne prähistorische Kult- und Beerdigungsstätten auf, die ihn stark faszinierten. So unternahm er 1806 eine Fahrt nach Rügen, die ganz dem Studium steinzeitlicher Hünengräber gewidmet war, in denen er auch - empört über die Besetzung seiner Heimat durch schwedische und französische Truppen - Symbole nationalen Widerstandes suchte.
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Hierbei wurde Friedrich vermutlich durch Gedichte und Texte des Rügener Pfarrers und Dichters Ludwig Theobul Kosegarten inspiriert, der die Aura solcher Orte anschaulich zu beschreiben wusste und dem Maler auch dieses oder jenes Grab zeigte. "Auf
meinen unermüdlichen Wanderungen", so schrieb Kosegarten, "hatte
ich ein altes und sehr wohl erhaltenes Hünengrab entdeckt, das mich
ganz an sich zog. Es lag im tiefen Walde ... Ein Hügel um
seine Wurzeln das Rund der Steine, auf seinem Scheitel das Felsenmaal,
überschauert vom Getrümmer tausendjähriger Eichen, die
von Alter eingeschlossen und sehr sparsam belaubt, dem Rande einen dürftigen
Schatten liehen. Hier versass ich den halben Tag. Hier barg ich mich vor
dem Brande des Mittags. Hier sah ich die Sonne hinter die Berge niedersinken.
Hier lag ich oftmals noch, auf einer der bemoosten Maalsteine der Länge
nach hingestreckt, in hoher Mitternacht." |
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Die Bäume sind nicht abgestorben, die Verkrüppelungen gehören zur Natur der Eiche dazu. Was jetzt kahl ist, kann im Frühjahr wieder ausschlagen. Der Winter ist weniger Symbol des Todes als das einer Vorbereitung zu neuem Leben. Wächterhaft verkörpert das Grab etwas Bleibendes im Wechsel der Jahreszeiten: den ewigen Kraftstrom der Natur, die Erinnerung an die Ahnen, für Friedrich sicherlich auch ein Hoffnungszeichen für die Utopie einer von Fremdherrschaft befreiten Heimat. |
| Mond und Kreuz | Blitz und Donner |