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"Fight
Club": Schwarze Sonne über Babel
"Kennen Sie `Fight Club´?"
Dunkle Väter Chaossöhne
Als ich Ostern 2001 wieder einmal im transsilvanischen Sibiu (deutsch:
Hermannstadt) war, fragte mich ein befreundeter rumänischer Student:
"Kennen Sie `Fight Club´?" Silviu und ich hatten vor
zwei Jahren ein eMail-Projekt gestartet. Es war ein Gespräch über
Cioran und Eliade, Rumäniens "junge Wilde" in den 30er
Jahren. Was sagen sie der rumänischen Jugend in einer Zeit, in
der die Wogen des westlichen Konsumrausches auch die Karpaten erreicht
haben? Mehr dazu auf der Website: Durchs transsilvanisch-westfälische
Labyrinth des Dionysos www.dialogin.de/projekte/sibiuahlen/labyrinth/index.html
Silvius Frage setzte nun fast zwei Jahre später dieses Gespräch
ganz unerwartet fort. Ging es im "Labyrinth des Dionysos"
um eine "Rückkehr zum Chaos" angesichts abgründiger
"rumänischer Langeweile" (Cioran), mutiert in Chuck Palahniuks
Roman "Fight Club" von 1996 das Chaos zu einer Orgie der Gewalt,
von der es jedoch in einer Rezension heißt: "Brutality in
`Fight Club´ misses the point! www.channel6000.com/sh/entertainment/news/articles/natlphae-entnews-991015-163337.html
Es ist das Ziel meines Beitrags, dieser im wahrsten Sinne des Wortes
frag-würdigen Rolle der Gewalt in Buch und Film "Fight Club"
nachzugehen. Sie ist auch deshalb differenzierenden Fragens wert, weil
die zu erwartenden Antworten weit über die Story von "Fight
Club" hinausführen. Die beiden Leitsymbole der Überschrift
deuten es an - "Schwarze Sonne" und "Babel": "Fight
Club" spielt in der Landschaft postmoderner Großstädte,
Labyrinthen in Schwarz, in Fritz Langs epochalem Film "Metropolis"
(1927) gespiegelt im Mythos des Turmbaus von Babel, beherrscht von "dunklen
Vätern" (Robert Bly) - "Darth Vader" (= "Dark
Father" der Star-Wars-Trilogie). "Metropolis" and "Star
Wars" www.dvdtalk.com/dvdsavant/s78metro.html
Das väterliche Prinzip ist zu einer erkalteten Sonne verdunkelt.
Im "Fight Club" rebellieren dagegen die Söhne, entwickeln
das "Projekt Chaos", wollen die Zivilisation des dunklen Vaters
ins befreiende Chaos stürzen und vernichten. Das alte, herrische
System tötet den Geist und raubt die Seele. Doch die rebellierenden
Söhne sind "dreißigjährige kleine Jungen",
wie es der Erzähler des Romans von sich selbst sagt, "eine
Generation von Männern, die von Frauen aufgezogen wurde".
Der Weg zu ihrer inneren Männlichkeit blieb ihnen verschlossen.
Die Möglichkeit der positiven Identifikation mit einem Vater fehlte.
Was bleibt, ist die Rebellion wildgewordener Knaben, angeführt
von dem erträumten Gegenspieler Tyler Durden in einem "Projekt
Chaos".
Das Ganze hat strukturell verblüffende Ähnlichkeit mit dem
Roman von Bruno Goetz "Reich ohne Raum" (1919), in dem C.G.Jung
eine archetypische Vision dessen sah, was sich vor seinen Augen nach
1933 in Deutschland abspielte.
Die Jungschülerin M.L.v.Franz
führte diese Sicht unter dem Aspekt des puer-senex-Archetyps weiter.
Diesen Zusammenhängen wird nun nachzugehen sein. Dabei erscheint
"Fight Club" zunächst wie ein postmodernes Remake von
"Reich ohne Raum". Ist aber das "Projekt Chaos"
tatsächlich die fiktive Vision eines postmodernen Faschismus? Keineswegs
nur. "Fight Club" bietet dazu eine Alternative an. Doch wie
erschließt sie sich? Kommt es im Verlauf des Romans wirklich zu
einem faschistoiden Bruch? Reicht zur Deutung das gewohnte Instrumentarium
historischer und psychologischer Begriffe aus? Das sind Fragen, die
im Leitsymbol der "Schwarzen Sonne" nicht nur die Psyche sondern
auch den Körper des Mannes in den Blick nehmen. Angesichts der
Tatsache, dass sich neonazistische, gewaltbereite Gruppen vornehmlich
aus Männern rekrutieren, erscheint mir ein solcher geschlechtsspezifischer
Fragehorizont naheliegend zu sein. Ist die "Schwarze Sonne"
seit den 90er Jahren bloß zufällig ein Leitsymbol dieser
Gruppen geworden?
"Schwarze Sonne" www.ahlen.de/stmichael/faecher/geschichte/schwarzesonne.htm
Das Symbol der "Schwarzen Sonne" reflektiert am Ende darüber
hinaus macht- und bewusstseinskritische Möglichkeiten der Neuen
Medien. Die Rede ist vom Metaversum des "Black Sun" in Neal
Stephenson´s Roman "Snow Crash". Das "Black Sun",
eine Art Internet-Cafe, generiert eine digitale, holographische Utopie:
das Metaversum, eine virtuelle Gegenwelt junger Hacker.
Infokalypse von Babel www.ahlen.de/medien/bibliothek/doc_01g.html
Der Mythos des "Black Sun", die "Infokalypse von Babel",
ist eine Fortschreibung des Mythos vom Turmbau zu Babel. Er sieht die
einheitliche Sprache, die es zu Baubeginn des Turms noch gab, als gleichschaltendes
Informationsgefängnis, die Sprachverwirrung als Befreiung aus diesem
Gefängnis. Im Sprachchaos ist die einheitliche und vereinheitlichende
Informationsstruktur zusammengebrochen Infokalypse. Nun ist Raum
für die eigene Sprache. Und das ist auch das Ziel des "Black
Sun": Die virtuelle Konstruktion des Eigenen gegen nivellierende
Fremdbestimmung. Bevölkert von holographischen Avataren, "leben"
dort alternative Identitäten zum alten, herrschenden Bewusstsein,
der alten, erkalteten Sonne.
Im Metaversum des "Black Sun" zeigt sich am Ende der bipolare
Kern des Romans "Fight Club": sein Oszillieren zwischen einem
paranoid-faschistischen und einem schizo-revolutionären Pol. Zugänglich
wurde mir das erst nach einer Verabschiedung ödipaler Deutungsmuster
im Licht des "Anti-Ödipus" von Deleuze/Guattari im Verlauf
meines eigenen Schreibprozesses. Schizoanalytische treten an die Stelle
psychoanalytischer bzw. tiefenpsychologischer Kategorien, vorbereitet
durch Klaus Theweleits "Männerphantasien". In diesem
Faschismus-Klassiker zum Ich des "soldatischen Mannes" untersucht
Theweleit historische Fallbeispiele faschistischer Freikorpsmänner.
Ich meine, diese noch nicht zu Ende geborenen Männer im "Fight
Club" wiederzuerkennen Chaossöhne dunkler Väter.
Zugleich zeigt der Roman dieser postmodernen Variante jedoch auch den
Gegenpol des Delirierens gesellschaftlicher Verhältnisse: In den
"Chaossöhnen" steckt ein anarchisches Potential, dessen
soziale Realisierung gerade die rhizomatisch hypertextuellen Strukturen
der Neuen Medien fördern können. In der virtuellen Bildwelt
des "Black Sun" entsteht eine ganz neue Möglichkeit,
den Faschismus jenseits historischer Erinnerungen zu "erinnern".
Die Faszination der Gewalt, die Bilder des Faschismus ausstrahlen, aktiviert
die "Wunschmaschine" des eigenen Unbewussten (Deleuze/Guattari).
Im Rhizom des virtuellen Raums produziert sie dessen Wünsche als
Ausdruck des eigenen, in diesem Sinne "erinnerten" Faschismus:
des "Hitlers in uns".
Chaossohn am Meer:
Epiphanie des "puer aeternus"
Alles beginnt am Meer, dem Urbild schlechthin für das Chaotische,
Unbewusste, Verschlingende, aus dem aber auch alles Leben kommt. Der
"Fight Club" -Erzähler liegt dort an einem Strand und
schläft. Sein Alltag ist der eines Koordinators für Rückruffragen
in einer Autofirma, eines Rädchens im Getriebe, ständig mit
dem Flugzeug unterwegs. "Du erwachst auf O´Hare, du erwachst
auf LaGuardia, du erwachst auf Logan." Nun schläft er an einem
Nacktbadestrand und erwacht in einen Traum. Er begegnet Tyler, träumt
sich sein alter ego.
"Es war schon sehr spät im Sommer, und ich schlief. Tyler
war nackt und verschwitzt, voller Sand und das Haar hing ihm nass und
strähnig ins Gesicht. Tyler war schon sehr lange da gewesen, bevor
wir uns trafen. Tyler zog Treibholzstämme aus der Brandung und
schleifte sie den Strand hinauf. Er hatte bereits einen Halbkreis aus
Baumstämmen so in den nassen Sand gepflanzt, dass sie ein paar
Zentimeter auseinanderstanden und ihm bis Augenhöhe reichten. Es
waren vier Stämme, und als ich aufwachte, beobachtete ich, wie
Tyler einen fünften auf den Strand zog. Tyler grub ein Loch unter
ein Ende des Baumstamms, dann hob er das andere Ende an, bis der Stamm
in das Loch glitt und leicht geneigt dastand. Du erwachst am Strand..."
(Fight Club, S.32)
Die Alltagswelt des Erzählers, das sind die Büros amerikanischer
Großstädte. Dazu ein Chef, dessen Krawatte den jeweiligen
Wochentag anzeigt- blau für Dienstag, grün für Mittwoch
usw. Da ist kein Platz für das Nirgendwo einer Traumwelt. Und doch,
bereits die geläufige Metapher vom "Dschungel der Großstadt"
deutet es an. Die moderne Großstadt ist nicht mehr, was die Stadt
einmal war: umhegter Bezirk von Kultur und Ordnung, Schutz des Menschen
vor Natur und Chaos. Mircea Eliade, einer der rumänischen "jungen
Wilden" der 30er Jahre, hat mit dem Wort vom "Stadt-Kosmos"
diese ursprüngliche Funktion der Stadt auf den Punkt gebracht (Das
Heilige und das Profane). Dieser Kosmos hat sich jetzt zur "Hure
Babylon" gewandelt. Das Wilde und Chaotische ist nicht länger
nur draußen vor den Mauern der Stadt. Eva Warth in Anknüpfung
an Sigrid Weigel:
"Beim `Übergang von der Stadt zur Großstadt kehrt dieser
wilde Anteil wieder ins Innere der Stadt zurück´. In Anlehnung
an Walter Benjamin nennt Weigel das Wuchern der Großstadt und
ihre labyrinthische Struktur als städtische Phänomene, die
die Assoziation mit einer undomestizierten Weiblichkeit nahelegen: `Gerade
jene Momente der Stadt, die als uneindeutig und unbewältigt betrachtet
werden, erhalten eine weibliche Zuschreibung...´, die sich im
bekannten Bild der Stadt als Hure Babylon festschreibt." (Hure
Babylon vs. Heimat. Die Großstadtrepräsentation im nationalsozialistischen
Film, S. 98f)
Es fällt nun auf, dass der träumende Erzähler in "Fight
Club" das undomestiziert Chaotische nicht als femme fatale, sondern
als nackten Mann am Strand lebendig werden lässt. Zum Vergleich
dazu sei auf Fritz Langs "Metropolis" hingewiesen. Dort erscheint
die "andere Seite", aufgespalten in Madonna und Hexe, "traditionell"
in Gestalt einer Frau. Metropolis am Ende des Jahrtausends erträumt
sich seinen erlösenden Gegenspieler dagegen als Sohn des Chaos.
Der Erzähler reflektiert das so:
"Ich bin ein dreißigjähriger kleiner Junge, und ich
frage mich, ob schon wieder eine Frau wirklich die Antwort ist, die
ich brauche." (FC, S.56)
Treffend spricht eine Rezension der "Fight Club"-Verfilmung
vom psychologischen Kern als "The late-`90s crisis of masculinity":
the boy in the Ikea bubble www.salon.com/ent/movies/review/1999/10/15/fight_club/index.html
In dieser Krise bedarf der Knabe gebliebene Mann zunächst einmal
eines anderen Mannes, der ihm seine verborgene, nicht bewusste Männlichkeit
spiegelt und so bewusst macht. Die längst zum Kultbuch der amerikanischen
Männerbewegung avancierte Interpretation des Grimm´schen
Märchens "Eisenhans" von Robert Bly ist ein Paradebeispiel
solcher Sehnsucht nach einem hellen und zugleich "wilden",
männlichen Spiegel in Metropolen dunkler Väter:
"Während der Vater einerseits immer geschwächter, mutloser
und wertloser wirkt, erscheint er andererseits auch wie das Werkzeug
dunkler Mächte. Erinnern wir uns, dass in dem Film `Starwars´
das Bild vom `Darth Vader´ vorgestellt wird, ein Wortspiel mit
dem englischen `Dark Father´, der dunkle Vater. Er steht rückhaltlos
auf der Seite der dunklen Mächte. Wenn die gesellschaftlichen und
mythologischen Könige sterben, verliert der Vater den Glanz, den
er einst von der Sonne erhielt oder von der Hierarchie der Sonnenwesen;
er erscheint der Gesellschaft wie verdunkelt." (Robert Bly, Eisenhans.
Ein Buch über Männer, S 143) "The Shadow of Iron John"
www.achillesheel.freeuk.com/article17_07.html
Tyler Durden ist der erträumte Erlöser von diesem "Dark
Father", dem Bettgenossen und Beischläfer der "Hure Babylon",
der wie Saturn seine Kinder frisst. Tylers Epiphanie am Strand, sein
Emporsteigen aus dem Meer des Unbewussten erfasst den Erzähler
und schlägt ihn in den Bann eines Traums, der ihn auf der anderen
Seite bewußtlos der Macht dieser archetypischen Erlösergestalt
ausliefert. So ergeht es auch so manchem Leser. Auch er erliegt Tylers
Faszination. Die vielen Websites, die hymnisch Tylers "Weisheit"
preisen, legen davon beredt Zeugnis ab. Die Autoren sind wie der Erzähler
und die späteren Gefolgsleute des "Projekts Chaos" mit
ihren "Ortsgruppenleitern" (sic!) dem be- und verzaubernden
Faszinosum dieses Archetyps erlegen: dem "puer aeternus",
dem jungen, erhofften und erwarteten Erlösergott. Zu ihm betet
der Erzähler in einer fast schon liturgischen Form:
"Tyler, bitte erlöse
mich..
Tyler, bitte rette mich...
Erlöse mich von meinen schwedischen Möbeln.
Erlöse mich von meinen Kunstwerken...
Möge ich nie vollendet sein.
Möge ich nie zufrieden sein.
Möge ich nie vollkommen sein.
Erlöse mich Tyler aus Vollkommenheit und Vollendung." (FC,
S.49)
Und so endet die Begegnung mit Tyler am Strand auch damit, dass alles,
was sich wie die herrische Vaterwelt als vollkommen präsentiert,
wahrgenommen wird als Flüchtigkeit des Augenblicks. Tylers Vision
der Zeit unterläuft jede Dauer. Das sichtbar zu machen, ist der
Sinn seines seltsamen Rituals mit den Baumstämmen:
"Was Tyler geschaffen hatte, war der Schatten einer riesigen Hand.
Nur waren die Finger jetzt lang wie bei Nosferatu, und der Daumen war
zu kurz, aber um genau halb fünf, sagte er, war die Hand vollkommen.
Die riesige Schattenhand war eine Minute lang vollkommen, und eine vollkommene
Minute lang war Tyler in der Handfläche einer Vollkommenheit gesessen,
die er selbst geschaffen hatte.." (FC, S. 33)
Panik der Väter:
Die Rückkehr Pans
Eine Karikatur im "Christian Science Monitor" zum Film "Fight
Club" zeigt Tyler als Flöte spielenden Rattenfänger,
hinter ihm die Verführten seines "Projekts Chaos" mit
einer als Rammbock genutzten riesigen Faust: "Our newest `victim´:
men
www.csmonitor.com/durable/1999/10/25/fp9s1-csm.shtml
Als Flöte spielenden, nackten Jüngling lässt Bruno Goetz
ähnlich, aber anders wertend, im Roman "Reich ohne Raum"
(1919) seinen "Tyler" am Altar einer Kirche erscheinen, vor
ihm die ausgeflippten Repräsentanten der Spießbürgergesellschaft
in der fiktiven deutschen Kleinstadt Stuhlbrestenburg: den Studienrat,
den Amtgerichtsrat, den Konsistorialrat Schule, Gericht, Kirche
im Zustand peinlicher Ekstase. Ehe wir uns dieses Szenario wild gewordener
Spießer genauer ansehen, hören wir dazu die Jungschülerin
M.L.v.Franz:
"Gerade diese Kapitel haben sich in den grotesken Auswüchsen
des Nationalsozialismus zum Teil fast wörtlich verwirklicht, so
dass wir heute aus einer Demonstration ad oculos ableiten können,
was geschieht, wenn das kollektive Unbewusste und seine Götter
(die Archetypen) ein Volk unvorbereitet packen. Das abgebrannte Stuhlbrestenburg
mit seiner allzu oberflächlichen Pseudokultur erinnern fatal an
die Nachkriegskonjunktur der beginnenden Weimarrepublik, welcher bald
die große Krise folgte, erinnern aber auch fast noch fataler an
das heutige Geschehen in Deutschland. Man verarbeitet die vergangene
Katastrophe nicht, sondern setzt sich in extravertierter Betriebsamkeit
darüber hinweg, bis dann der nächste große Aufruhr wieder
alles zerstört. Darum schreibe ich auch diesen Kommentar
aus Besorgnis, dass die Prophezeiung von Bruno Goetz noch einmal und
wieder wahr werden könnte." /Reich ohne Raum. Eine Vision
der Archetypen, S.177)
Dem kann ich mich nur anschließen. Die Befürchtungen M.L.v.Franz´
haben zu Beginn des neuen Jahrtausends an Aktualität nichts eingebüßt.
Dafür sind mir "Fight Club" und vor allem die Rezeption
von Buch und Film ein warnendes Indiz.
Das Chaos begann in Stuhlbrestenburgs Nachbarstadt Rattenhusen:
"Der Religionslehrer Flamm des Rattenhuser Gymnasiums, ein kleiner
gebückter Mann mit verbissenen Zügen, der bei den Schülern
wegen seines Fanatismus und seiner Strenge wegen verhasst war, unterbrach
mitten in der Stunde plötzlich seinen Vortrag, starrte entsetzt
einen Schüler an, sprang jäh auf, redete den Schüler
mit einem fremden Namen an, sank vor ihm in die Knie, küsste seine
Hände und bat ihn jammernd um Verzeihung. Die überraschten
Schüler holten den Direktor herbei und Flamm wurde ins Lehrerzimmer
gebracht, wo er erst einige Stunden später wieder zu Verstand kam."
(RR, S. 136)
Der "Rattenhuser Bote" berichtete ausführlich über
Ereignisse ähnlicher Art. Als Knud Ahlbeck, der Amtsrichter von
Stuhlbrestenburg, gerade darin las, bekam er Besuch von Studienrat Flamm,
mit dem er befreundet war. Gemeinsam brachen sie zu einer Weinstube
auf. Auf dem Weg dorthin kamen sie am Dom vorbei. Obwohl kein Gottesdienst
war, erscholl aus dem Innern Musik. Neugierig traten sie wie viele andere
Bürger ein und trafen den ersten Staatsanwalt Johannsen:
"`Hören Sie nur´, sagte Johannsen, `was das für
eine Musik ist! Das sind doch keine Kirchenlieder! Ein wenig weltlich,
wie? Es scheint trotzdem, dass ein Gottesdienst abgehalten werden soll:
Die Altarkerzen brennen.´
Das Lied, das vom Orgelchor durch die Kirche scholl, ging in ein immer
feurigeres Zeitmaß über, erhob sich aufrührerisch und
erregend zu wütender Lust und mündete in eine leidenschaftliche
Tanzweise. Auf den Zuhörern lag es wie ein Bann. Sie schienen vergessen
zu haben, wo sie sich befanden. Ihre Gesichter glühten wie im Fieber.
Sie atmeten schwer. Einige stießen von Zeit zu Zeit stöhnende
Laute aus, die wie ein unterdrücktes lüsternes Lachen tönten.
Zuweilen ging es wie ein Ruck durch ihre Körper. Ihre Glieder begannen
rhythmisch zu zucken. Der Gesang wurde immer ungeheuerlicher. Schon
mischten sich Paukenschläge in die Töne. Rasende Geigenpassagen
zischten auf. Trompetenstöße trieben zu immer atemloseren
Taumel an. Und als auch die Orgel mit unterirdischem Donnern einsetzte,
hielten die Menschen nicht länger an sich. Besinnungslos sanken
sie einander in die Arme und begannen stampfend und schreiend zu tanzen."
(RR, S. 146f)
Da bestieg der greise Konsistorialrat
in vollem Ornat die Kanzel:
"Einen Augenblick sah er wie ein halbwüchsiger Knabe aus.
Aber auch dieser Anblick wandelte sich und auf der Kanzel stand, mit
den zottigen Vorderbeinen auf das Betpult gestützt, ein schneeweißer
Bock und meckerte hell und durchdringend...Da ertönte vom Altar
her eine sanfte Hirtenmelodie. Auf den Stufen saß ein nackter
Jüngling und blies die Flöte." (RR, 147-149)
Bock und Flöte spielender Jüngling: An den christlichen Altar
hat der puer aeternus die verdrängte und kirchlich verteufelte
Welt des Hirtengottes Pan zurückkehren lassen. Nun stürzt
Pan die aus den Fugen geratene Väterwelt in panische Ängste:
"Schon sprangen die Knaben vom Orgelchor in großen Sätzen
als zottige Hunde unter die Menge und jagten sie bellend in der Kirche
umher. Die Geängsteten wollten fliehen. Aber die Türen waren
fest verschlossen. Mehr und mehr Hunde drangen zähnefletschend
auf sie ein. Man wälzte sich am Boden, versuchte sich auf die Bänke
zu retten, zu den Fenstern emporzuklettern, stolperte übereinander,
stürzte, raffte sich auf, rang die Hände, schnappte nach Luft
und röchelte." (RR, S.149)
Der puer aeternus hat die wohlanständigen, kultivierten Vätern
ihre andere, naturhaft tierische Seite erleben lassen, vor der sie nur
mit Grauen in Panik fliehen können, die sie jedoch zerfleischend
immer wieder einholt. "Pan lebt also noch...und nicht nur in der
literarischen Phantasie. Er lebt im Unterdrückten, Verdrängten,
das wieder auftaucht, in der Psychopathologie der Triebe, die sich durchsetzen
und zwar hauptsächlich im Alptraum und den damit verbundenen erotischen,
dämonischen, panischen Aspekten." (James Hillman, Pan und
die natürliche Angst, S. 43f). Ein aufschlussreiches Beispiel:
Aschenbachs Traum die Rache des Verdrängten www.dialogin.de/schuelerprojekte/sonne/mann/aschenbachs_traum.htm
Nur wenige Jahre vor Bruno Goetz schrieb Thomas Mann seine Novelle "Der
Tod on Venedig", die als Geschichte einer verbotenen, homoerotischen
Liebe gelesen werden kann. Der preußisch korrekte Aschenbach verliebt
sich am Strand von Venedig in den jungen Polen Tadzio. Der Junge aus
dem Osten konstelliert ihm den puer aeternus, der ihn in die gleichgeschlechtlich
liebende Seite seiner Natur einführen könnte, jedoch außer
melancholischer Sehnsucht "nur" einen dämonisch-erotischen
Alptraum auslöst Rückkehr des "fremden Gottes"
in Gestalt des enthüllten Phallus. Aschenbach erwacht in Panik
und stirbt kurz darauf.
Gegen eine
kalte Sonne:
Kampfekstase im "Fight Club"
Tyler und Tadzio am Strand, der nackte, Flöte spielende Jüngling
am Altar der christlichen Kirche und schließlich die christliche
Teufelsgestalt als bocksgestaltiger Pan auf der Kanzel sie alle
sind archetypische Traumbilder einer Anderswelt, die das herrschende
Bewusstsein zu seinem eigenen Schaden ausgeblendet und so zu einer zerstörerisch
erlebten Gegenwelt gemacht hat. In der ekstatischen Erfahrung von Gewalt
verhilft ihr Tylers "Fight Club" wieder zu ihrem Recht. Ich
halte es für völlig verfehlt, die sich dort abspielenden Gewaltekzesse
vorschnell als faschistische Gewaltverherrlichung zu verdammen. Wie
wir sehen werden, ist "Faschismus" bei den Kämpfern im
"Fight Club" auf einer ganz anderen Ebene zu suchen.
In einem Interview mit dem "Orlando Weekly" erläutert
Palahniuk seine Sicht. Ich schließe mich weitgehend dieser Position
an, die den ritualisierten Charakter der Gewalt im "Fight Club"
betont. Sie rückt so in die Nähe archaischer Mannbarkeitsriten
und Initiationsrituale: "Going for broke: He finds his true self
in the fight www.orlandoweekly.com/movies/reviews/review.asp?movie=492.
"It´s an honest, consensual violence, it´s not victimizing
violence. It´s not a chickenshit walking into a crowded place
full of helpless people with a gun.
Kurz nach der Begegnung mit Tyler am Strand stürzt eine Explosion
die Wohnung des Erzählers ins Chaos. Er beschließt, Tyler
zu suchen, um bei ihm einzuziehen. Er findet ihn in einer Bar. Unter
einer Bedingung ist Tyler mit seinem künftigen Mieter einverstanden:
"Dort, betrunken in einer Bar, wo keiner zuschaute und sich niemand
darum scherte, fragte ich Tyler, was er von mir wolle. Tyler sagte:
`Ich will, dass du mich so fest schlägst, wie du nur kannst.´"
(FC, S.50)
So entstand der erste "Fight Club". Ich wollte nicht, aber
Tyler erklärte mir, dass er nicht ohne Narben sterben wollte, dass
er es satt hatte, nur Profis kämpfen zu sehen, und dass er mehr
über sich selbst erfahren wollte. Über Selbstzerstörung.
Zu dieser Zeit schien mein Leben gerade zu sehr vollendet, und vielleicht
müssen wir alles zertrümmern, um etwas Besseres aus uns zu
machen." (FC, S.57) Nach ihrem ersten Kampf lagen der Erzähler
und Tyler auf dem Parkplatz vor der Bar.
"Wir schauten hinauf zu dem einzigen Stern, der die Straßenbeleuchtung
überstrahlte, und ich fragte Tyler, wogegen er gekämpft hatte.
Gegen seinen Vater, sagte Tyler. Vielleicht brauchen wir keinen Vater,
um uns zu vollenden." (FC, S.59)
Zu den Vätern ist zu sagen: "Tyler hat seinen Vater nie gekannt.
Vielleicht ist Selbstzerstörung die Antwort....Ich selbst habe
meinen Vater sechs Jahre lang gekannt, aber ich kann mich an nichts
erinnern. Mein Dad fängt ungefähr alle sechs Jahre in einer
neuen Stadt eine neue Familie an. Das hat nicht viel mit Familie zu
tun, es ist eher so, als wenn er eine Franchise-Firma aufbaute. Was
du im Fight Club triffst, ist eine Generation von Männern, die
von Frauen aufgezogen wurde." (FC, S.54f)
Was im "Fight Club gesucht und gefunden wird, ist eine bislang
fehlende Erfahrung, deren Abwesenheit offenbar etwas mit einer solcher
Verdunklung des Vaters zu tun hat. Das Erlebnis des Kampfes füllt
diese Leerstelle. Es wird zum Medium der inneren Wahrnehmung eines bislang
innerlich nicht Wahrgenommenen. Immer mehr Söhne dunkler Väter
werden davon magisch angezogen und treffen sich im "Fight Club".
So etwa der Junge, der wenig erfolgreich im Kopierladen nebenan jobbt.
"Für zehn Minuten war dieser Junge ein Gott, als er einem
Kontakter, der zweimal so groß war, wie er selbst, einen Tritt
verpasste, dass ihm die Luft wegblieb." (FC, S. 53)
Der Kampf im "Fight Club" führt in eine bislang unbekannte
Ekstase: Der Junge war ein Gott. Entsprechend ist das Ambiente, das
sich in seinem Sinn essentiell von dem eines banalen Fitnesscenters
unterscheidet:
"Im Fight Club wird gestöhnt und gelärmt wie im Fitnesscenter,
aber es geht beim Fight Club nicht darum, gut auszusehen. Es gibt hysterisches
Geschrei und Ekstase wie in der Kirche, und wenn du am Sonntag Nachmittag
aufwachst, fühlst du dich erlöst." (FC, S.57)
Die Ekstase des Kampfes lässt hier eine Dimension des Heiligen
erfahrbar werden, die der junge rumänische Religionswissenschaftler
Mircea Eliade 1928 während seines Aufenthalts in Indien gegen eine
betuliche, theosophische Religionsethik ins Feld führte:
"Nur artige Gedanken und hübsche Ideen. Aber Religion ist
etwas anderes, ist etwas Bösartiges, Amorphes, Stupides, Absurdes,
Groteskes, Barbarisches, Unerträgliches, Erniedrigendes. Das ist
Religion und wenn diese meine Zeitgenossen sie anders verstehen,
dann schlicht und einfach deswegen, weil sie Religion nicht unmittelbar,
sondern nur `dialektisch´ erfahren haben. Die Theosophen hatten
die seltsame Idee, das religiöse Gefühl reformieren und zivilisieren
zu müssen...`Oh, oh, oh´, war da nur die Antwort meiner Begleiter."
(Mircea Eliade, Indisches Tagebuch. Reisenotizen 1928-1931, S. 95) Mehr
dazu: "Junge Wilde" in Hermannstadt www.dialogin.de/projekte/sibiuahlen/labyrinth/doc_01.html
In dieser Perspektive Eliades fügt sich die Ekstase des Kampfes,
wie sie im "Fight Club" erlebt wird, in Erfahrungen des Heiligen
ein, die dem, was das herrschende Bewusstsein über Religion zu
verstehen vorgibt, gänzlich fremd ist. Sie entspringen dem Unbewussten,
nicht der längst erloschenen, dunklen Gottessonne der institutionellen
Religion dunkler Väter, einem "überalteten christlichen
Kollektivbekenntnis, das nach M.L.v.Franz "Machtprinzip gegen Eros,
geistige Ordnung gegen Dynamik, Gefühlsekstase und Chaos"
setzt. Es ist eine "`erkaltete Sonne´, die zwar noch Klarheit,
aber kein Leben mehr zu fördern vermag." (Reich ohne Raum,
S.72f)
Was im "Fight Club" gesucht wird, ist neues Leben angesichts
lebend toter Väter und ihrem toten Gott.
"Was Sie verstehen müssen, ist, dass Ihr Vater Ihr Modell
für Gott war...Wenn du deinen Vater nie gekannt hast, wenn sich
dein Vater aus dem Staub macht oder stirbt oder nie zu Hause ist, was
glaubst du dann über Gott?...Schließlich führt alles
dazu, dass du dein ganzes Leben lang einen Vater und Gott suchst."
(FC, S.159f)
Was die Vaterlosen im Augenblick der Ekstase des Kampfes momenthaft
erfahren ist das innere Aufleuchten einer sich erneuernden Sonne
"für zehn Minuten ein Gott!"
Vaterlose
Berserker:
Geburt nicht zu Ende Geborener
C.G.Jung, gefolgt von J.Hillman und M.L.v.Franz, weist mehrfach auf
die archetypische Gestalt hin, deren Bann die Psyche so vieler Menschen,
nicht etwa nur Deutscher, zwischen 1933 und 1945 erlegen sei. Ausgangspunkt
ist dabei zunächst das Werk Nietzsches. Hillman spricht in seinem
Pan-Aufsatz von "Nietzsches Dionysos..., hinter dem der germanische
Gott Wotan dräute":
"`Die Vereinigung von Bock und Gott´ - das Wort stammt aus
Nietzsches `Geburt der Tragödie´ - kennzeichnet für
die Nach-Nietzsche´sche Welt die dionysische Bewusstseinsform
und die schließliche Geisteskrankheit ihres Verkünders. Doch
obwohl Nietzsche unverhohlen von dem Bocksgott spricht, schreibt Jung:
`In Nietzsches Biographie wird man den unwiderleglichen Beweis dafür
finden, dass der Gott, den er ursprünglich meinte, in Wirklichkeit
Wotan war.´"(J.Hillman, Pan, S.39f)
In der Sitzung vom 5. Februar 1936 seiner Züricher Seminare zu
Nietzsches "Zarathustra" bringt Jung es selbst auf den Punkt.
(Mir lag nur die englische Übersetzung der Seminar-Protokolle vor):
"It is Wotan that is the interesting thing...He is the personification
of the moving spirit behind Hitler
One can say he is very similar
to the Tracian Dionysos, the god of orgiastic enthusiasm. Now old Wotan
is in the center of Europe. (C.G.Jung, Seminar on Nietzsche´s
Zarathustra, S.196)
Darauf bezieht sich M.L.v.Franz in "Reich ohne Raum:
"Jung hat bereits darauf aufmerksam gemacht, dass hinter dem Nationalsozialismus
eine religiöse Krise steht und dass dabei ein älteres archetypisches
Gottesbild: `Wotan´ im Unbewussten der Deutschen wiederbelebt
wurde." (M.L.v.Franz, Das Reich ohne Raum, S.34)
Auf diesem Hintergrund erscheint die "Rückkehr Pans"
als eine "Rückkehr Wotans". Wobei es dabei psychodynamisch
geht ganz sicher nicht um eine Restauration germanischer Religion
-, wird noch zu erörtern sein. Zunächst mag genügen:
Die Vaterlosen des "Fight Clubs", in der Ekstase des Kampfes
momenthaft zum Gott verwandelt, können als vom "Wilden Jäger"
Wotan Ergriffene gesehen werden. Nach dem Volksglauben machte dessen
"Wildes Heer" während der Raunächte zwischen Weihnachten
und dem Dreikönigstag, der Zeit zwischen den Jahren, die Nächte
unsicher. Während dieser Tage bekam das Kontinuum des Zeitlaufs
einen Riss, durch den das Chaos einströmen konnte in Gestalt des
"Wilden Jägers" und seines wilden Gefolges. Die Kämpfer
im "Fight Club" gleichen Wotans wilden Berserkern mit ihrer
sprichwörtlichen Wut, die in der orgiastischen Raserei des Kampfes
übermenschliche Kräfte entfalten und in diesem Sinn Übermenschen,
"Titanen" wurden "Gott".
In seiner Interpretation des Jugendromans von Joseph Goebbels "Michael,
ein deutsches Schicksal" (1929) hat Klaus Theweleit in Goebbels´
Begriff der Arbeit genau diese Bedeutung gefunden. Arbeit ist Kampf
und dieser Kampf wird erlebt als eine Geburt noch nicht zu Ende Geborener
zum "Titanen", zum "Gott":
"In Goebbels `Michael´ erscheint `Arbeit´ als Zentralbegriff
überhaupt, bis sie sich gegen Ende als eine Unterform des Kampfes
herausstellt, und `Kampf´ und `Krieg´ das Eigentliche sind.
`Arbeit erlöst´, sagt Michael. `Erlösung´ ist
der ersehnte Zustand auf den alle `Arbeit´ Michaels zusteuert.
Er meint die Erlösung vom alten Menschen...Das Bergwerk, in das
Michael am Ende geht, um `Arbeiter´ zu werden, liefert vor allem
die Möglichkeit, Arbeitsintensitäten von der Art des Rausches
zu beschwören, die...Erlösung garantieren. `Ich will kein
Erbe sein.´ Neuer, selbstgeborener Mensch werden in einem Apparat,
der Ichgrenzen abwirft dazu dient Arbeit. `Ich bin kein Mensch
mehr. Ich bin ein Titane. Ein Gott!´" (Klaus Theweleit, Männerphantasien
2. Männerkörper - Zur Psychoanalyse des weißen Terrors,
S. 232ff)
Siehe auch: Schwarze Sonne weißer Terror: Michael, Goebbels
und die SS www.dialogin.de/schuelerprojekte/sonne/pressemitteilung.htm
In Letzterem - Titane, Gott - sieht Theweleit das Wesen der gesuchten
Erneuerung:
"Einen Vater lieben wollen? Nein, Sohn der Erde und meiner selbst,
gemacht, über sie zu herrschen und über alles, was noch `Mensch´
ist...In der Konstruktion der Faschisten von der Wiedergeburt ist die
Konstellation zusammengeschrumpft: nicht mehr Sohn Gottes ist das neugeborene
Ich, sondern Sohn seiner selbst...Es gibt keine Väter mehr."
(Männerphantasien 2, S.238)
Dahinter steht der Sozialisationstyp nicht zu Ende geborener Männer:
"Als `Ende der Geburt´ würde ich den Zustand bezeichnen,
den Mahler mit der `Individuation´ erreicht sieht. Dazu gehört,
dass das Kind sich aus der unumgänglichen Symbiose, die sein erstes
Lebensjahr bestimmt, durch eine lustvolle Besetzung seiner Peripherie
bis zum sicheren Gefühl, ein von der Mutter und von anderen unterschiedenes
Selbst zu sein, herausdifferenziert hat...Ich vermute, dass im wilhelminischen
Deutschland nur sehr wenige Menschen das Glück hatten, einigermaßen
zu Ende geboren zu werden." (Männerphantasien 2, S.211f)
"Zeitalter des Narzissmus" hat Christopher Lasch dieses Phänomen
eines Sozialisationstyps nicht zu Ende Geborener genannt und als grundlegend
für die amerikanische Gesellschaft der 70er Jahre diagnostiziert.
Es scheint mit gute Gründe zu geben, ihn auch bei den "dreißigjährigen,
kleinen Jungen" im "Fight Club" und ihrer Krise der Männlichkeit
in den späten 90er Jahren zu vermuten. Der Aufstand gegen die "dunklen
Väter" ist dann nicht etwa das Austragen eines ödipalen
Konflikts; diese Phase haben die Knabenmänner gar nicht erreicht.
Es geht vielmehr erst einmal um die Geburt eines Ichs mit lustvoll spürbaren
Außengrenzen, das sich gegen die Welt ab- und durchsetzen kann.
Im Körper nehmen diese Grenzen fühlbare Gestalt an:
"Du siehst einen Kerl zum ersten Mal zum `Fight Club´ kommen,
mit einem Hintern wie ein Weißbrotlaib. Du siehst denselben Kerl
ein halbes Jahr später, und er sieht aus wie aus Holz geschnitzt.
Dieser Kerl traut sich zu, mit allem fertig zu werden." (FC, S.56f)
Dieses neue, sich über den begrenzenden Körperpanzer definierende
Ich ist nicht nur vater-, sondern auch geschichtslos: "Der Eltern
ledig, der eigenen Geschichte...entkommen", so Theweleit (Männerphantasien).
Ähnlich der "Fight Club"-Erzähler:
"Ich wollte den Louvre niederbrennen. Ich wollte die Elgin Marbles
mit einem Vorschlaghammer bearbeiten und mir mit der Mona Lisa den Arsch
abwischen... Das ist meine Welt, meine Welt, und diese uralten Leute
sind tot." (FC, S.139f)
Weltraumaffen:
Anarcho-Sklaven der Geschichte
Der erste "Fight Club" erwies sich als zündende Idee.
In Windeseile entstanden landesweit neue Clubs, wohlorganisiert mit
Satzung und "Ortsgruppenleitern". Da erfand Tyler eines Morgens
das "Projekt Chaos". Vorausgegangen war ein besonders harter
Kampf im Club:
"In jener Nacht im `Fight Club´ drosch ich auf unseren Neuling,
auf dieses wunderschöne Engelsgesicht ein, zuerst mit den harten
Knöcheln meiner Faust, wie ein mahlender Backenzahn, dann mit dem
stumpfen Ende der Faust, als meine Knöchel von den Zähnen,
die durch seine Lippen ragten, wundgeschlagen waren. Dann sackte der
Junge durch meine Arme. Tyler sagte später, er habe mich noch nie
so gründlich zerstören sehen." (FC, S.138)
Der Erzähler hatte sich völlig der ekstatischen Raserei eines
Berserkers hingegeben. "Du hast wie ein Wahnsinniger ausgesehen,
mein Junge, wie ein Psychopath", bemerkte Tyler. Das gab den Anstoß:
"An diesem Morgen erfand Tyler das Projekt Chaos. Tyler fragte,
wogegen ich in Wirklichkeit kämpfte. Was Tyler darüber sagte,
dass wir die Scheiße und die Sklaven der Geschichte seien, das
ist genau das, was ich empfand. Ich wollte all das Schöne zerstören,
das ich nie haben würde. Die Regenwälder am Amazonas niederbrennen.
FCKW in die Atmosphäre pumpen, um das Ozon zu killen. Die Klappen
von Supertankern öffnen und Ölquellen vor der Küste entstöpseln.
Ich wollte all die Fische töten, die ich mir nicht leisten konnte,
und die französischen Strände verunreinigen, die ich nie sehen
würde. Ich wollte, dass die ganze Welt ganz unten ankommt."
(FC, S.138f)
bis alles in Scherben fällt. Hass und der glühende Wunsch
nach Rache, ein abgründiges Ressentiment gegen alles, was die veröffentlichte
Meinung als gut und wertvoll im Sinne von politisch korrekt verkauft,
spricht aus diesen Worten.
"`Du rechtfertigst Anarchie´, sagt Tyler. `Du kapierst.´
So wie es der `Fight Club´ mit den Angestellten und Kassierern
tut, wird das Projekt Chaos die Zivilisation zerschlagen, damit wir
etwas Besseres aus der Welt machen können."(FC, S.140)
Zu diesem Ausgriff auf die gesamte Zivilisation der Welt "heute
gehört uns Deutschland und morgen die ganze Welt!" - sagt
Klaus Theweleit in seiner Interpretation des "Michael"-Romans
von Goebbels:
"Die nicht zu Ende Geborenen, die ihr Ich/Wir in ständiger
Arbeit (Unterwerfungsarbeit) gegen den drohenden Zerfall erzeugen müssen
(Erlösung statt Auflösung), brauchen schließlich den
gesamten Weltkörper als symbiotischen Leib ihrer Überlebensversuche.
Erst in der totalen Ganzheit steht das Leben auf." (Männerphantasien
2, S. 244)
Theweleit fügt drei Comics aus den 60er/Anfang 70er Jahren bei.
Der erste zeigt einen nackten, glücklich lächelnden Jüngling,
der eine Weltkugel umarmt und seinen Phallus in sie hineinrammt. Der
Kommentar auf dem Comic lautet treffend: "Make yourself happy!
Fuck the world!" Der zweite von Günter Brus (!971) trägt
den Titel "Kaiser und setzt ein "Fuck history!"
ins Bild: Ein Skelett trägt die Krone der mittelalterlichen, deutschen
Kaiser, davor der nackte Unterleib eines wohl jüngeren Mannes.
In eine der beiden leeren Augenhöhlen des kaiserlichen Skeletts
rammt der Mann seinen aufgerichteten Phallus. Der dritte schließlich
kann als Symbolisierung des "Projekts Chaos" gesehen werden:
Die Erdkugel schwebt im Weltall. Auf ihr steht ein nackter, affenartiger
Mann, eher schon ein Monster mit drohend erhobenen Krallenfingern. Aus
seinem riesigen Phallus ergießt sich ein Strahl auf die Erde.
"Piss on you, earth!", so die Sprechblase.
Diese Gestalt erinnert verblüffend an die Akteure des "Projekts
Chaos", die Horden knabenhafter Männer, die sich aus den "Fight
Clubs" immer zahlreicher Tylers Projekt anschließen. "Weltraumaffen"
space monkeys nennt sie der Erzähler. Nicht weniger
verblüffend ist für mich, mit welcher Hingabe und Begeisterung
sich junge Leute der Jahrtausendwende mit diesen "space monkeys"
auf diversen Internet-Seiten und in den entsprechenden Chat-Rooms zu
identifizieren scheinen.
Vater- und geschichtslose Weltraumaffen! Ersetzt hier die Globalität
des virtuellen Raums im World Wide Web eine gesuchte Ganzheit nicht
zu Ende Geborener? Wie dem auch sei, "Fight Club" scheint
tatsächlich jenen untergründigen, anarchischen Nerv getroffen
zu haben, der seit einem Jahrhundert unter einer bewusstlosen und verdummenden
Konsum- und Glitzerwelt zuckt. Ein "space monkey" bringt es
in eine programmatische Form. Goebbels hätte es kaum besser sagen
können. Es klingt wie O-Ton "Drittes Reich" Der hier
spricht, hat in den Augen des Erzählers sein Körperprofil
gefunden:
"`Ich sehe die stärksten und klügsten Menschen, die je
gelebt haben..., und diese Menschen zapfen Benzin und servieren Essen.´
Seine steile Stirn, seine Braue, die Schräge seiner Nase, seine
Wimpern und die Linie seiner Augen, das plastische Profil seines Mundes,
das alles hebt sich schwarz vor dem Sternenhimmel ab. `Wenn wir diese
Menschen in Ausbildungslager stecken und ihre Erziehung vollenden könnten...Wir
haben eine Klasse von starken jungen Männern und Frauen, und sie
wollen ihr Leben für etwas hingeben. Die Werbung lässt diese
Menschen nach Autos und Kleidern jagen, die sie nicht brauchen. Ganze
Generationen haben bis heute in Jobs gearbeitet, die sie hassen, nur
damit sie kaufen können, was sie gar nicht wirklich brauchen. Wir
haben in unserer Generation keinen Krieg oder eine große Depression.
Was wir aber haben, ist ein großer Krieg des Geistes. Wir haben
eine große Revolution gegen die Kultur. Die große Depression,
das ist unser Leben. Wir haben eine geistige Depression. Wir müssen
diesen Männern und Frauen die Freiheit zeigen, indem wir sie versklaven,
und ihnen Mut vor Augen führen, indem wir ihnen Angst machen."
(FC, S.170).
Warum endet das Projekt "Fight Club", angelegt auf eine ekstatische
Kampferfahrung, im faschistischen "Projekt Chaos"? Diese Frage
wirft zunächst methodische Probleme auf, die mit einem Ungenügen
der Freudschen Theorie zusammenhängen. Ein "space monkey"
ist mit Freud nicht angemessen zu deuten. Vor dem "Projekt Chaos"
versagt die Freudsche Theorie vom Ich:
"Die Art von Leuten, die in dieser Theorie vom Ich nicht mehr recht
vorkommen, müssen zu Lebzeiten Freuds sehr zahlreich gewesen sein.
Ich meine...all die Leute, die sicher fühlten, dass irgendwer anderer
zu sterben hätte, damit sie selber leben könnten. So ganz
normale Ödipale können das nicht gewesen sein so weit
geht Ödipus nicht...Durch welche Art `Ich´ stabilisieren
und kontrollieren diese Männer sich, wenn nicht durch das ödipale?"
(Klaus Theweleit, Männerphantasien 1. Frauen, Fluten, Körper,
Geschichte, S. 215)
"Orale Flipper":
Der faschistische Bruch
Der Roman "Fight Club" zerfällt deutlich in zwei Teile.
Da ist zunächst der geschützte Bereich einer nächtlichen
Kampfarena, in der sich zwei Männer, strengen Regeln unterworfen,
gegenüberstehen. Der erste Teil des Romans kreist um diesen Bereich
ritualisierter, initiatorischer Gewalt. Und da ist dann plötzlich
der chaotische Bereich nächtlich im Dschungel der Großstadt
umherschweifender Chaos-Horden knabenhaft gebliebener Männer. Der
zweite Teil des Romans kreist um diesen Bereich aus dem Ruder laufender,
faschistischer Gewalt. Warum genügte das initiatorische Gewaltritual
nicht mehr? Vor allem: Wofür genügte es nicht mehr?
An jenem Morgen, als Tyler das "Projekt Chaos" erfand, fühlte
sich der Erzähler schlecht. Der Kampf der letzten Nacht hatte ihm
nicht mehr den erlösenden Kick gebracht:
"Ich sagte, ich fühlte mich wie Scheiße und überhaupt
nicht entspannt. Es hat mich überhaupt nicht angetörnt. Vielleicht
habe ich mich zu sehr daran gewöhnt. Man kann eine Toleranz für
Kämpfe entwickeln, und vielleicht musste ich zu etwas Größerem
übergehen." (FC, S. 138)
Tyler war das bereits in dem Moment klargeworden, als er sah, wie sich
im Kampf des Erzählers dessen berserkerhafte Wut wie bei einem
"Psychopathen" entladen hatte:
"In dieser Nacht wusste Tyler, dass er den `Fight-Club´ eine
Stufe höherschrauben oder ihn einstellen musste." (FC, S.
138)
Der Raum der Kampfarena musste gesprengt, der Raum der Welt, der Geschichte,
des Universums ("Weltraumaffen"!) besitzergreifend und zerstörend
besetzt werden:
"Als Tyler das Projekt Chaos erfand, sagte er, das Ziel des Projekts
habe nichts mit anderen Menschen zu tun. Es war Tyler egal, ob andere
Menschen verletzt wurden oder nicht. Das Ziel bestand darin, jedem Mann
in dem Projekt beizubringen, dass er die Macht hatte, den Lauf der Geschichte
zu beherrschen. Wir, jeder von uns, können die Welt beherrschen."
(FC, S. 137)
Nur die Ganzheit von Allem kann dem grenzenlosen Ich der nicht zu Ende
Geborenen jene Grenzen verschaffen, die es zu seiner Stabilisierung
braucht. Ein eng begrenzter "Fight Club" reicht da nicht mehr
aus. Der bildet nur das fest konturierte Körper-Ich heran, mit
dem der Welteroberer agiert. Diesem Ich ist jeder wie auch immer geartete
ethische Impuls gänzlich fremd. Die Menschen waren Tyler egal.
Es zielt nicht auf eine Durchsetzung irgendwelcher ethischer Prinzipien
oder weltanschaulicher Ideen, sondern auf Verschlingen. Wahllos schlingt
es alle und alles in sich hinein aus im wahrsten Sinne des Wortes grenzenloser
Angst, selbst verschlungen zu werden verschlingende Welteroberung
als Versuch einer nachholenden Befreiung aus der Symbiose.
"Orale Flipper" wurde im Psycho-Jargon der pädagogischen
Diskussion während der 70er Jahre der scheinbar neue Sozialisationstyp
genannt, der im Stadium der Symbiose "steckengeblieben" sei.
Er habe den "autoritären Scheißer" abgelöst.
Auf das Instrumentarium der Begriffe Freuds fixiert, vornehmlich seiner
auf Emanzipation von "Es" und "Über-Ich" bedachten
Ich-Psychologie, standen die 68er Emanzipationsspezialisten dem "oralen
Flipper" recht hilflos gegenüber. Er passte vor allem deshalb
nicht in Freuds Modell, weil ihm dessen Dreh- und Angelpunkt fehlte:
das ödipal entwickelte "Ich". Der "autoritäre
Scheißer" passte dagegen gut mit seinem obrigkeitshörigen
Unterwerfungsmechanismen unter ein allmächtiges "Über-Ich".
Entsprechend freudianisch fiel deshalb die Deutung des Faschismus aus.
Er wurde als Produkt eines "autoritären Charakters" (Adorno)
gesehen. Befreite man den Menschen aus den Zwängen der Autoritäten
(Eltern, Staat, Schule, Kirche etc.), sei das Gespenst des Faschismus
gebannt und in der Mottenkiste der Geschichte verschwunden. So zumindest
die Umsetzung der sicher differenzierter denkenden "Frankfurter
Schule" in so manchen "Antifa-Projekten" der pädagogischen
Provinz.
Nur erfasste man damit wohl nicht einmal die halbe Wahrheit, denn wie
inzwischen deutlich geworden sein dürfte: der faschistische Mann
ist eher ein "oraler Flipper" als ein "autoritärer
Scheißer". Ich folge damit einer an Reich und Deleuze/Guattari
("Anti-Ödipus") orientierten Freudkritik, die Klaus Theweleit
in den beiden Bänden seiner "Männerphantasien" an
historischen Fallbeispielen faschistischer Männer (vor allem bei
Angehörigen der Freikorps) konkretisiert hat. Das ihnen adäquate
mythische Bild ist nicht Ödipus:
"Sie wollen etwas anderes als den Inzest, der eine Beziehung der
Personen und Namen und Familien ist. Sie wollen im Blut waten, sie wollen
einen Rausch, dass ihnen `Hören und Sehen´ vergeht...Mir
scheint, sie sind nicht nur heißer, gefährlicher und grausamer,
sondern auch von anderer Art als Freuds harmloser `motherfucker´
Ödipus." (Männerphantasien 1, S. 210f)
Auf dem Hintergrund dieser theoretischen Ortsbestimmung komme ich auf
den Kommentar der Jungschülerin M.L.v.Franz zu "Das Reich
ohne Raum" zurück. Er bietet die Möglichkeit, die Suche
des faschistischen Mannes nach seinem Ich im Licht des Symbols der "Schwarzen
Sonne" zu sehen. Die in diesem Symbol reflektierte puer-senex-Problematik
bekommt den "oralen Flipper" als "puer aeternus",
den im Hintergrund spukenden, dunklen Vater als "saturnischen senex"
in den Blick. "Puer aeternus" und "Saturn" treten
als mythische Bilder an die Stelle des Bildes von Ödipus. Ich verstehe
sie als vorläufige, heuristische Denkmodelle auf dem Weg zu einer
Befreiung von den fesselnden "Halseisen" (Deleuze/Guattari)
einengender Psycho-Begriffe.
Die Suche nach dem Ich bekommt beim "puer" und "senex"
Züge einer solchen Suche nach dem Vater, die keinen ödipalen
Vater-Sohn-Konflikt voraussetzt. Ein "space-monkey" hat diese
Suche hellsichtig in ihrer auch religiösen Dimension erkannt:
"Schließlich führt alles dazu, dass du dein Leben lang
einen Vater und Gott suchst." (FC, S. 160)
Doch was für eine Art von "Vater und Gott" wird gesucht?
Ehe wir uns der alchemistischen puer-senex-Interpretation in "Reich
ohne Raum" zuwenden, bedarf es dieser Klärung. Es ist nach
Theweleit nicht der "Führer". Er geht hier mit Erikson
("Die Legende von Hitlers Kindheit") konform, "dass die
Bedeutung Hitlers nicht auf der Vater-Ebene gesucht werden darf."
(Männerphantasien 2, S.453):
"Die letzte auf den Gipfel der Macht projizierte Figur aus der
Reihe der realen Väter mag Wilhelm II. gewesen sein seine
klägliche Abdankung lässt den höchsten Platz leer, und
die Faschisten füllen ihn nicht neu aus; auch nicht durch den Führer.
Er bleibt, des Reiches erster SA-Mann, in der Generation der Brüder,
der Söhne. Die realen Väter sind korrumpiert und lächerlich."
(Männerphantasien2, S.360f)
In Anlehnung an Sohn-Rethel ("Ökonomie und Klassenstruktur")
sieht Theweleit hier ein "Vakuum der Transzendenz". Dort befinde
sich und werde gesucht "der fiktive Phallus der Höhen."
(Männerphantasien 2, S.454)
Rettung
aus der Masse:
Ewige Ganzheit im Phallus der Höhen
Ernst Jüngers Kriegsbuch "Feuer und Blut" (1929) und
Ernst Salomons Freikorps-Roman "Die Geächteten" (1930)
sollen exemplarisch eine Antwort auf die Frage geben, was der faschistische,
nicht ödipal strukturierte Mann als "Vater und Gott"
sucht. In "Feuer und Blut" kämpft sich ein fast tödlich
verletzter Leutnant bei einer Schlacht während des 1. Weltkriegs
"zum Stab hinter den Linien durch und überbringt dem General
persönlich die Meldung vom Erreichen einer strategisch wichtigen
Straße durch seine Truppe. Der General erinnert sich aus Kampfberichten
an den Namen des Leutnants und zeigt sich erfreut, ihn noch lebend zu
sehen. Er hätte gehört, dieser tapfere vielversprechende junge
Mann sei gefallen. Jetzt erst, trotz Kopf- und Schulterschuss fällt
der Leutnant in Ohnmacht. Das Ziel seiner Anstrengung, vom General gekannt
und gelobt zu sein, ist erreicht. Es rundet die Sensationen des direkten
Kampfes mit dem `Feind´ ab ein Agent des höchsten
Vaters aus dessen nächster Umgebung muß erst noch `Amen´
sagen und betonen, dass dieser Sohn fehlerlos, der beste sei...Er darf
in Ohnmacht fallen." (Männerphantasien 2, S.363)
In der historischen Zeit des 1. Weltkriegs mag dieser "höchste
Vater" noch Wilhelm II. gewesen sein. In der fiktiven Zeitperspektive
Jüngers von 1929 in diesem Jahr erschien übrigens auch
Goebbels "Michael" ist dieser Platz, wie gesagt, leer.
Wessen "Agent" ist der General dann? Im Leutnant reflektiert
Jünger sich selbst. Es lohnt sich, dazu eine längere Passage
aus "Die Geächteten" zu zitieren. Dieser Freikorps-Roman
entstand etwa zeitgleich. Anlässlich der bevorstehenden Auflösung
der Truppe hält Leutnant Kay folgende Abschiedsansprache in einem
Cafe, wo ihm auch Angehörige des etablierten Bürgertums zuhören:
"`Wir stehen gelehnt am Strome der Zeit´, sagte er, `und
wir sind vom Blutrausch erfasste Militärkamarilla, die da Honig
saugt aus dem Mark der Knochen des Volkes und diesen Honig dann dem
Volke ums Maul schmiert.´ Und löffelte emsig in seinem Grog.
`Spätere Geschlechter werden uns fragen, was habt ihr gemacht?
Und dann werden wir antworten, wir haben Blut gerührt...Dann werden
die späteren Geschlechter sagen: das habt ihr gut gemacht, einen
rauf. Jene Bürger aber, die dort so fett und behaglich sitzen -
Prost! die werden auch gefragt werden, und sie werden antworten:
wir haben das Blut zu einer schönen, bekömmlichen Schwarzsauersuppe
eingedickt, und das hat uns abermal geschmeckt. Und die späteren
Geschlechter werden sagen: Fünf, setzen! Und abermalen, am Tag
des Jüngsten Gerichts da werden wir unsere weitverstreuten Knochen
sammeln und vorzeigen zum Appell, und da wird es heißen
rechts ran. Jene verstaubten Aktendeckel aber Prost, Herr Amtsrichter,
auf ihr Spezielles werden sich pflichtgetreu verneigen und werden
sagen: Verzeihung, Herr, wir können unsere Knochen nicht sammeln,
dieweil wir nie welche hatten. Und es wird heißen: nach links,
ihr Böcke, da wo ihr hingehört. Und ich sage euch, es wird
eine reinliche Scheidung sein." (Ernst Salomon, Die Geächteten,
zit.n.Männerphantasien 2, S. 364)
Hier spricht gegen rückgratlose, pflichtgetreue, als "verstaubte
Aktendeckel" bezeichnete "autoritäre Scheißer"
- genau das ist die Klientel, auf die dieser 68er Psycho-Jargon passt:
das "Establishment" einer der Männer, dessen Sozialisationstyp
wir in dem gleichen Jargon als den des "oralen Flippers" bezeichnet
hatten. Die ganze Verachtung gegenüber einer abgewirtschafteten
Väterwelt kommt in dieser Rede zum Ausdruck. Die konkreten Väter
sind dem Gericht verfallen:
"Nach und nach wird aus den `späteren Geschlechtern´
der `Herr, der die verkehrte Welt gerade richtet...Rechts und recht
ist der Sohn mit dem Wunsch nach dem Vater, der auf den abstrakten Knochen
sähe: `Gut gemacht, mein Sohn.´ Das müssen sie hören:
`eine reinliche Scheidung´ muss gemacht werden: auf dieser Seite
wir, die mit dem legitimen Erbanspruch auf den `Knochen´, den
man braucht, um `Blut zu rühren´. Einzulösen vom `Vater´
spätestens am jüngsten Gericht, besser aber früher. Der
Führer an ihrer Spitze ist nicht die Inkarnation dieser Macht,
er ist die Inkarnation des Wunsches aller nach dieser Macht, die sie
zum Überleben brauchen." (Männerphantasien 2, S.364)
Theweleit spricht vom "Phallus der Höhen", um diese lebenssichernde
Macht zu beschreiben, Sie ist das, was die Chiffre "Herr"
im Kontext des zitierten biblischen Bildes "Christus"
bzw. "Gott" repräsentiert. Die Wahrnehmung des
Phallischen ist in den desolat gewordenen, konkreten Vatergestalten
nicht mehr möglich.
"So ersehnen die...Söhne die Gestalt eines `Vaters´,
der ihnen ewige Ganzheit und die Verbindung mit der Macht garantiert,
mit dem Prinzip des glänzenden, allmächtigen Phallus der Höhen."
(Männerphantasien 2, S.363)
Mir dieser phallischen Macht befreit sich der nicht zu Ende geborene
Sohn aus der verschlingenden Masse und kann sie sich unterwerfen. Er
braucht sie zum Überleben, weil sie ihn davor bewahrt, in der Masse
zu versinken. In "Kampf als inneres Erlebnis" (1922) fragt
Ernst Jünger:
"Soll ich Ihnen sagen, worin das Elend unseres deutschen Wesens
besteht? Dass die Spannung zwischen den hohen einzelnen, in denen deutsches
Wesen lebt und schöpferisch wird, und der Masse größer
ist als bei allen anderen Völkern, die ihren Namen in die Sterne
geschrieben haben. Der einzelne Deutsche ist zuweilen himmlisch, ein
wirkliches Geschöpf Gottes; doch die Masse ist etwas Furchtbares,
eben weil der einzelne höher steht als in anderen Ländern."
(Ernst Jünger, Kampf als inneres Erlebnis, zit.n.Männerphantasien,
S. 52)
Alles, was "Masse" ist, muss ausgegrenzt werden. Klaus Theweleit
hat dem ersten Band seiner "Männerphantasien" deshalb
den bezeichnenden Untertitel gegeben "Frauen, Fluten, Körper,
Geschichte". Wesentlich die Frauen sind "Masse".. Als
"Flintenweiber" durchzieht dieses Bild der verschlingenden
Frau die Freikorps-Literatur: "Flintenweiber die kastrierende
Frau"! Als ein Freikorpsmann einem Trupp revolutionärer Arbeiter
in die Hände fällt, so im Roman "Auf halbem Wege"
von Edwin Erich Dwinger (1919), ist es eine Frau, die ihn erschießt.
Als seine Leiche gefunden wird, mutmaßen die Kameraden:"...vielleicht
fiel er sogar unter Weiberhänden auch das will unsere Zeit,
will unser Jahrhundert." (Männerphantasien 1, S. 81).
Das Bild Salomons von dem Knochen, den man braucht, um Blut zu rühren,
bekommt erst auf dem Hintergrund dieser Schreckensbilder von der mordenden
und verschlingenden Masse seine plastische Aussagekraft. Es war die
Revolution der Masse, "die nach Salomons Empfinden `die Stadt München
in einen riesigen Kessel verwandelte, in dem dickes Blut und dünnes
Bier wild durcheinanderbrodelten.´" (Männerphantasien
1, S.244) Er und seine Männer besaßen im Unterschied zu den
etablierten Vätern den Knochen, der das Blut in diesem kochenden
Chaos der Masse rührte. Dass Hitler als Meldegänger bei diesem
Niederschlagen der Münchner Räterepublik konkret mitrührte,
sei als historische Randnotiz angemerkt.
Schatten des Kreuzes:
Die Geburt der "Schwarzen Sonne"
In ihrem Kommentar zu dem Roman von Bruno Goetz "Das Reich ohne
Raum" vertritt M.L.v.Franz mit C.G.Jung die These, dass sich, tiefenpsychologisch
gesehen, hinter dem Phänomen des Nationalsozialismus ein religiöses
Problem verberge. Es gehe um die Erneuerung des Gottesbildes. Berücksichtigen
wir unsere Überlegungen zur Suche der noch nicht zu Ende Geborenen
nach einem Vater und Gott, dann erscheint diese, auf den ersten Blick
wohl etwas befremdliche These so abwegig nicht. Das, was Theweleit den
"Phallus der Höhen" nennt, kann als ein Gottesbild aufgefasst
werden, das an die Stelle des traditionellen Gottesbildes der korrumpierten
Väter tritt. Dieses hat für die nicht zu Ende Geborenen seine
lebenserhaltende Macht verloren. Das alte Bild des Christengottes hat
für sie ausgedient. Das, was sie im "Phallus der Höhen"
mit dem Ziel einer Erneuerung des Gottesbildes aktualisieren, ist nun
aber nur die dunkle Seite des alten Gottes, sein "Schatten",
um es in einer Kategorie Jungs zu sagen. Auf den symbolischen Punkt
gebracht: Das nationalsozialistische Hakenkreuz kann als der Schatten
des christlichen Kreuzes verstanden werden. Ich habe das ausführlich
in meinem Referat zur Wewelsburg, Kult- und Terrorstätte der SS,
zu zeigen versucht: Christenkreuz und Schwarze Sonne www.ahlen.de/medien/christenkreuz
Das Symbol der "Schwarzen Sonne" ist als "sol niger"
aus der Alchemie bekannt. Es bezeichnet dort das Resultat der "nigredo",
des ersten Stadiums im Opus des Alchemisten. C.G.Jung hat den Prozess
des Opus mit dem Prozess der Individuation, des inneren Weges zum Selbst,
verglichen ("Psychologie und Alchemie"). Die Symbole der Alchemie
erscheinen so als Symbole dieses inneren, psychischen Prozesses, an
dessen Ende sich das Selbst, die Ganzheit des Menschen, in einem erneuerten
Gottesbild ausdrückt. "Reich ohne Raum" im new-alchemy.net
http://web.ukonline.co.uk/phil.williams/vonspat.htm
Die "nigredo" ist in dieser Sicht als erster Schritt das Eintauchen
des Menschen in seine dunkle Seite, den "Schatten". Am Ende
solcher "saturnischen Nacht" rundet sich gleichsam der Schatten
und nimmt Gestalt an. Auf dem Weg zum erneuerten Gottesbild wird die
"Schwarze Sonne" als dessen symbolischer Repräsentant
aus dem Stadium der Auseinandersetzung mit dem Schatten geboren. Sie
symbolisiert also diesen, aus der "nigredo" ans Tageslicht
getretenen Schatten des individuellen Menschen oder auch des Kollektivs.
Das Gedicht "Germania incognita" (1995) aus der rechten Schriftenreihe
"Sol invictus" liest sich wie ein Kommentar dazu. Der Text
umrahmt zwei gepanzerte "Sonnenritter" unter dem Zeichen des
zwölfspeichigen Sonnenrades der Wewelsburg, das spätestens
seit dem Kultbuch von Russel McCloud "Die Schwarze Sonne von Tashi
Lunpo" (1991) als "Schwarze Sonne" durch die einschlägigen,
rechten Kreise geistert. Das Sonnenrad der Wewelsburg www.dialogin.de/schuelerprojekte/sonne/gold/4.htm
In dem Gedicht heißt es:
"Wenn meine Augen flammen, meine Stimme erbebt,
aus meinen Worten sich die Sonne erhebt.
Mein Dunkel zerreißt, mein Bewusstsein entfacht,
ist in mir der Phönix erwacht.
Da ist die Macht der Schwarzen Sonne.
Spürst du ihren Widerschein?
Unsichtbar für deine Augen,
dringt sie tief in mich hinein."
Das Gedicht beginnt mit der Parallelisierung der sich erhebenden Sonne
und des erwachenden Phönix. In der alchemistischen Symbolik bezieht
sich der emporfliegende Phönix auf das abschließende, dritte
Stadium des Opus, das Hervorbringen der solaren Tinktur. Psychologisch
gesagt: der Phönix repräsentiert den Aufgang der erneuerten
Sonne des gesuchten Selbst. Wie Jung immer wieder betont, sind Selbst
und Gottesbild empirisch nicht zu unterscheiden. Deshalb kann gesagt
werden: Der Anfang des Gedichts deutet im Bild des erwachenden Phönix
das Ziel eines erneuerten Gottesbildes an. Treibende Kraft ist die "Macht
der Schwarzen Sonne", des ersten Stadiums dieses Prozesses einer
Erneuerung. Der Aufgang der "Schwarzen Sonne" aus der "nigredo"
("kalter Winter", "lange Nacht"), ein als Neugeburt
erlebter Vorgang, scheint mir das eigentliche Thema des Gedichts zu
sein:
"Seltene Sprossen von eigenem Rang,
uns war der Winter so kalt, uns war die Nacht so lang.
Hatten der Liebe so lange entbehrt,,
mit der Morgenröte sind wir heimgekehrt.
Wenn meine Augen flammen, meine Stimme erbebt,
aus meinen Worten sich die Sonne erhebt.
Hat ihre brennende Liebe mich auserkoren,
Hat ihr geheimes Licht mich neu geboren.
Schwarze Sonne, greife in meine Herz!
Zerreiße mein Dunkel, tilge den Schmerz!
Wie habe ich mich nach dir verzehrt,
hast deine Gnade mir gewährt.
Als Sonnenritter kehren wir heim.
Wir werden der neue Adel sein.
Seltene Sprossen von eigenem Rang,
wir waren verwaist und der Weg war so lang.
Das Dunkel hat uns nicht verschlungen,
wir haben uns emporgerungen.
Die Kinder der Sonne, wenn sie uns sehn,
werden die Worte von Feuer verstehen."
(zit.n. R. Sünner, Schwarze Sonne, S. 140)
Im Sinne unserer Analyse der noch nicht zu Ende Geborenen, ihrer Angst
vor der verschlingen Masse, ist die Zeile "Das Dunkel hat uns nicht
verschlungen, wir haben uns emporgerungen" höchst verräterisch.
Die mitgelieferte Zeichnung der beiden nur aus Panzer und Schwert bestehenden
Ritter weist in die gleiche Richtung. Die Frage drängt sich auf:
Wird hier nicht etwas ausgelassen, was für das alchemistische Opus
wesentlich ist, den noch nicht zu Ende Geborenen mit seiner Angst vor
dem Zerfließen und Verschlungenwerden jedoch tödlich bedrohen
muß: der alchemistische Grundsatz "Solve et coagula!"
"Löse auf und füge zusammen!"? Ohne Auflösung
ist Erlösung nicht zu haben. Gerade die Auflösung will der
faschistische Mann aber um jeden Preis verhindern. Die alchemistische
Perspektive ist für ihn also völlig untauglich. Er wünscht
zwar die Neugeburt, lässt jedoch nicht zu, dass die Begegnung mit
dem Schatten seinen Panzer knackt. So bleibt das Symbol der "Schwarzen
Sonne" ein äußeres Bild ohne innere Kraft, wenn man
es mit den psychologisch-alchemistischen Augen eines C.G.Jung sieht.
Wenn man es aber vielleicht ganz anders sähe und die ganze Psycho-Theorie
wegließe, einfach mit den Augen dessen, der es als Ausdruck seiner
Wünsche sieht?
Der Schizo im Himmel:
Das Rhizom der Wunschmaschine
Freud passt nicht, Jung funktioniert nicht. Vielleicht hilft "Fight
Club" weiter. Der Roman endet im Himmel, einer Irrenanstalt, "weiß
in weiß" mit Gott als Chef-Psychiater. Man kann es auch anders
herum sehen: Der Schluss des Romans zeigt den noch nicht zu Ende Geborenen,
den "oralen Flipper", als "Schizo". Dieses Ende
passt so gar nicht zu Jüngers oder Goebbels´ Suche nach "ewiger
Ganzheit im Phallus der Höhen". Das Kapitel beginnt vielmehr
mit einem Bibel-Zitat: "In meines Vaters Haus sind viele Wohnungen."
(FC, S. 232) Sollte es nicht um Ganzheit, sondern um Vielheit oder um
beides gehen? Das wäre eine Änderung der Perspektive.
Um sie zu testen, bediene ich mich probeweise eines Modells, das Deleuze
und Guattari in ihrer Kritik der Psychoanalyse und Alternative einer
"Schizo-Analyse" entwickelt haben: Sie sehen in ihrem "Anti-Ödipus"
das Unbewusste als große "Wunschmaschine", die unentwegt
Wünsche produziert. Diese Wunschproduktion des Unbewussten sei
die wirkliche Entdeckung Freuds gewesen, die er mit Begriffen wie Libido,
Ödipus-Komplex etc. seiner Ich-Psychologie leider wieder zugeschüttet
habe. Die Wunschmaschine bestehe aus vielen selbständigen, vernetzten
Maschinenteilen mit eigener Wunschproduktion. Sie gleiche so einem Rhizom,
einem unterirdischen Wurzelgeflecht mit kleinen Knoten und labyrinthischen
Verästelungen. Sehr schnell wurde die digitale Maschine "Internet"
mit diesem rhizomatischen Modell des Unbewussten als einer Wunschmaschine
in Beziehung gesetzt:
Rhizom, Internet und Bibliothek: Das Netz als Labyrinth www.ahlen.de/medien/bibliothek/doc_01f.html
Zum "Anti-Ödipus" lohnt sich auch ein Blick in Heiko
Idensens "Imaginäre Bibliothek": Hyper-Text Anti-Ödipus
Hyper-Struktur
www.hyperdis.de/pool/405b_152.htm
Vor des Erzählers "Himmelfahrt" inszeniert Tyler den
großen Showdown Tyler, der Chaossohn aus dem Wunschmeer
des Unbewussten produziert, nun zur engelgleichen, blonden Bestie mutiert,
und der Erzähler, der inzwischen das Wunschprodukt Tyler gerne
wieder loswürde:
"Tyler steht vor mir, einfach gutaussehend, ein Engel in seiner
durch und durch blonden Art...`Was jetzt noch zu tun bleibt, ist deine
Märtyrernummer. Deine große Todesnummer.´ Es sollte
kein trauriger, deprimierender Tod werden, sondern ein fröhlicher,
kraftspendender Tod...`Dein Tod muss Größe haben´,
sagt Tyler. `Stell dir folgendes vor: Du auf dem Dach des höchsten
Gebäudes der Welt, das ganze Gebäude in der Hand des Projekts
Chaos. Rauch quillt aus den Fenstern. Schreibtische fallen in die Menge
auf der Straße. Eine wahre Oper von Tod sollst du bekommen.´"
(FC, S. 228f)
Der Erzähler will nicht. "Du hast mich genug benutzt."
Tyler steckt ihm die Pistole in den Mund, die Rahmenszene des ganzen
Romans:
"Für Gott sieht es aus wie ein Mann allein, der sich eine
Pistole in den Mund hält, aber es ist Tyler, der die Pistole hält,
und es ist mein Leben." (FC, S.229)
Der später als Psychiater der Irrenanstalt "Himmel" enttarnte
und wenig kompetente Gott lässt sich also täuschen. Denn nicht
der heroische Mann, das in einsamer Höhe auf dem Hochhaus über
der Masse seinem Schicksal gegenüberstehende Individuum, handelt,
sondern ein Produkt seiner Wunschmaschine "Unbewusstes". Und
das ist "mein Leben"!
"Dann schreit jemand. `Warte´, und es ist Marla, die über
das Dach auf uns zukommt. Marla kommt auf mich zu, nur auf mich, denn
Tyler ist verschwunden. Puff. Tyler ist meine Halluzination, nicht ihre.
Schnell wie ein Zaubertrick ist Tyler verschwunden. Und nun bin ich
nur mehr ein Mann, der sich eine Pistole in den Mund hält."
(FC, S.230)
Marla ist die einzige weibliche Romangestalt. Ihr Auftauchen in diesem
Augenblick lässt den Erzähler Tyler als das ihm und nur ihm
eigene Wunschprodukt erkennen. Da verschwindet es. War der Beginn von
allem am Meer ein Augenblick der Epiphanie Tylers, ist das Ende von
allem auf dem Hochhaus ein Augenblick der Epiphanie des Erzählers
selbst:
"Das ist der Augenblick der Epiphanie für mich. Ich töte
mich selbst, schreie ich, ich töte Tyler. Ich bin Joes wilde Entschlossenheit."
(FC, S. 230)
Die Vielheit der Wunschprodukte hat sich um Joe vermehrt. Gott durchschaut
das alles nicht. Borniert beharrt er in seinem Sprechzimmer auf sattsam
bekannten, wohltönenden Phrasen geheiligter, ganzheitlicher Individualität:
"Ich habe Gott getroffen; er saß hinter seinem breiten Walnussschreibtisch,
seine Diplome hingen an der Wand hinter ihm, und Gott fragte mich: `Warum?´
Warum habe ich soviel Leid verursacht? Begriff ich nicht, dass jeder
von uns eine geheiligte, einzigartige Schneeflocke von ganz besonderer,
einzigartiger Besonderheit ist? Sah ich denn nicht, dass wir alle Manifestationen
der Liebe sind? Ich betrachtete Gott hinter seinem Schreibtisch, wie
er sich auf seinem Block Notizen machte, aber Gott sieht das alles falsch.
Wir sind nichts Besonderes. Wir sind aber auch nicht Scheiße oder
Müll. Wir sind einfach. Wir sind einfach, und was passiert, das
passiert. . Und Gott sagt: `Nein, das stimmt nicht.´ Doch. Na
ja, egal. Gott lässt sich sowieso nichts sagen." (FC, S. 232f)
Aus der Perspektive des "Anti-Ödipus erweist sich dieser
Psycho-Gott als psychiatrisch maskierter Todfeind des Lebens. Seine
gesellschaftlich definierte Aufgabe ist es, Schizos, die gerade die
lebensspendende Vielheit der Wunschproduktion ihres Unbewussten entdeckten,
so zu reglementieren (mit Ödipus oder Jungschen Bildern), dass
sie wieder in den geordneten Bahnen der Arbeitswelt funktionieren. Dazu
Deleuze/Guattari im "Anti-Ödipus":
"Scheiß´ auf euer ganzes tödliches Theater, mag
es imaginär oder symbolisch sein. Was fordert die Schizo-Analyse?
Nichts weiter als wirklichen Bezug zum Außen, ein wenig wirkliche
Realität. Zudem nehmen wir das Recht radikaler Gelöstheit
und Inkompetenz dazu in Anspruch, in das Zimmer des Analytikers zu treten
und zu sagen: es riecht übel bei Ihnen. Es riecht nach großem
Tod und kleinem Ich...Der einzige moderne Mythos ist der der Zombies
tödliche Schizos, die, wieder zur Vernunft gebracht, gut
für die Arbeit sind." (Deleuze/Guattari, Anti-Ödipus,
S. 432f)
"Projekt Chaos im "Black Sun:
Infokalypse beim Turmbau von Babel
Der göttliche Psycho-Doktor erweist noch nicht einmal als Herr
im eigenen Haus. "In meines Vaters Haus sind viele Wohnungen."
Wie wahr, weil...
"...weil mir nämlich dann und wann jemand ein Tablett mit
meinen Medikamenten bringt, und er hat ein blaues Auge, oder seine Stirn
ist von Stichen geschwollen, und er sagt: `Wir vermissen Sie, Mr. Durden.´
Oder jemand mit einer gebrochenen Nase schiebt einen Mob an mir vorbei
und flüstert: `Alles läuft nach Plan.´ Flüstert:
` Wir werden die Zivilisation zerstören, damit wir etwas Besseres
aus dieser Welt machen können.. Wir freuen uns schon darauf, Sie
wieder bei uns zu haben.´" (FC, S. 234)
So endet der Roman. Die Produktion der Wunschmaschine des Unbewussten
lässt sich demnach trotz aller repressiven psychoanalytischen und
tiefenpsychologischen Theoriehimmel nicht abstellen. Wie gefährdet
dennoch die eigene Wunschproduktion gerade in einer zu erwartenden digitalen
Informationswelt sein könnte, erzählt Neal Stephenson in seinem
Roman "Snow Crash". Snow Crash Book or Virus www.frogfarm.org/dj/babel.html
Auch hier geht es um eine "Schwarze Sonne", das "Black
Sun", in dem professionelle Hacker die virtuelle Realität
eines Metaversums programmieren und als holographische Welt realisieren.
Dieser Cyberspace ist von Avataren bevölkert, Wunschgestalten ihrer
Programmierer und Teilen einer Softwaremaschine, die eine solche virtuelle
Realisierung von Wünschen ermöglicht:
"Die Menschen sind Softwareteile, die man Avatar nennt. Es handelt
sich um die audiovisuellen Körper, die Menschen benutzen, um im
Metaversum miteinander zu kommunizieren...Das eigene Avatar kann aussehen,
wie man es selber haben will, bis an die Grenzen der eigenen Ausrüstung.
Wenn man hässlich ist, kann man sein Avatar zu einer Schönheit
machen. Wenn man gerade aus dem Bett aufgestanden ist, kann das Avatar
trotzdem wunderschöne Kleidung und professionell aufgelegtes Make-up
tragen. Man kann im Metaversum wie ein Gorilla oder ein Drachen oder
ein gigantischer sprechender Penis aussehen...Heutzutage sind die meisten
Avatare anatomisch korrekt und nackt wie ein Baby, wenn sie zum erstenmal
erzeugt werden, daher muss man sich auf jeden Fall etwas Anständiges
anziehen, bevor man sich auf die Straße wagen kann. Es sei denn,
man wäre im tiefsten Inneren unanständig, und es wäre
einem egal." (Neal Stephenson, Snow Crash, S. 47f)
Solche Möglichkeiten virtueller Wunschproduktion durch einen Virus
zu zerstören, ist das Ziel der Gegenspieler des "Black Sun".
Alles soll gleichgeschaltet werden. Dagegen entwickelt Stephenson den
Mythos der Infokalypse von Babel. Er ist eine Umdeutung des biblischen
Mythos vom Turmbau zu Babel ins Positive: "Babel war das Beste,
das uns je zugestoßen ist." (Snow Crash, S. 320) Gemeint
ist der "Babel-Faktor die Mauern gegenseitigen Nichtverstehens."
(S. 455) Erst so konnte der Mensch sein Eigenes gegen eine vereinheitlichende,
zentralistisch steuernde Sprache entwickeln. Ein solches Eigenes sind
auch seine Wünsche, die das Unbewusste produziert.
Die Infokalpyse von Babel kann schizoanalytisch als Durchbruch der Wünsche
gelesen werden, der die Tyrannei vereinheitlichender Informationsstrukturen
sprengt, ein infokalyptisches "Projekt Chaos", das Babels
Turmprojekt hybrider Macht erfolgreich sabotiert. Mein Literaturkurs
"666 Bibliothek der Finsternis" hat das theoretisch
und praktisch mit Hilfe der rhizomatischen Hyperstruktur des Internets
darzustellen versucht. Besuchen Sie besonders die vierte Arbeitsgruppe:
"Dschungel der Finsternis" www.dialogin.de/schuelerprojekte//infokalypse
Und der Faschismus? Deleuze und Guattari fragen:
"Was ist das, deine Wunschmaschine? Was ist das, deine Art, das
gesellschaftliche Feld zu delirieren? (S. 59)...Wenn man das Delirium
betrachtet, so scheint es uns zwei Pole zu haben: einen paranoischen
faschistischen Pol und einen schizo-revolutionären Pol. Zwischen
diesen Polen oszilliert es unaufhörlich. Das ist es, was uns interessiert:
die revolutionäre Spaltung im Gegensatz zum despotischen Signifikanten."
(Deleuze/Guattari, Rhizom, S. 64)
So gelesen, ist der vermeintliche "faschistische Bruch" im
Roman "Fight Club" nichts anderes als ein solches Oszillieren.
Es wird sich auch in der "virtual reality" künftiger
(und bereits gegenwärtiger) "Black Sun"-Metaversen abspielen,
wenn sich dort die delirierenden Wunschströme abbilden. Die Szene
einer Hacker-Ligthshow aus "Snow Crash" ist dafür bezeichnend:
"Man könnte es sich ein Jahr lang immer wieder ansehen und
würde jedes Mal etwas Neues entdecken. Es handelt sich um einen
meilenhohes Gebilde aus beweglichen zwei- und dreidimensionalen Bildern,
die in Raum und Zeit miteinander verzahnt sind. Alles ist darin enthalten.
Filme von Leni Riefenstahl. Die Skulpturen von Michelangelo und die
in Realität umgesetzten Erfindungen von Da Vinci. Luftkämpfe
von Flugzeugen aus dem Zweiten Weltkrieg, die aus der Mitte hervorbrechen,
über die Menge dahinrasen, schießen, brennen und explodieren.
Szenen aus tausend Filmklassikern, die zu einer einzigen gewaltigen,
komplizierten Geschichte verschmelzen." (Snow Crash, S. 519)
Dass Leni Riefenstahl neben Michelangelo, Luftkämpfe des Zweiten
Weltkriegs neben Leonardo da Vinci auftauchen, lässt die Bildflut
zu einem oszillierenden Wunschaggregat werden jenseits eines moralisch
wertenden, historischen Erinnerns. Geschichte selbst wird so in einem
Feuerwerk von Bildern hypermedial verzahnter, ästhetischer Wunschprodukte
wahrnehmbar. Die Wunschmaschine des Unbewussten arbeitet auf Hochtouren.
Welche Wünsche der Gewalt produziert sie, wenn sich etwa Leni Riefenstahls
Film "Triumph des Willens" zum Nürnberger Reichsparteitag
mit noch immer hypnotischer Faszinationskraft entfaltet? "Hitlers
Regisseurin - `Triumph des Willens´" http://de.news.yahoo.com/010507/27/1l04w.html
Klaus Theweleit hat diese Wunschproduktion des Unbewussten im Blick,
wenn er in seinen "Männerphantasien" einen Weg zur erkennenden
Aneignung des Faschismus über die Wunschströme des Unbewussten
und jenseits der Historie vorschlägt:
"Und in der Tat: das Bewusstsein ist nicht der richtige Ort für
die `Aufbewahrung´ der faschistischen Greuel...Wenn man Texte
aber immer wieder liest (die Geschichte wieder und wieder anschaut),
beginnen sie mit dem eigenen Unbewussten zu korrespondieren. Der Weg
der Erkenntnis wäre vielleicht der, das eigene Unbewusste nicht
zu verdrängen, die Geschichte (den Faschismus) vom eigenen Unbewussten
`durchleben´ zu lassen, so dass die Erkenntnis der Geschichte
schließlich über eine Erfahrung des eigenen Unbewussten geschieht."
(Männerphantasien 1, S. 231)
Pole der
Gewalt:
"Fight Club" und "Triumph des Wiillens"
Um Theweleits Überlegungen zur Korrespondenz zwischen Faschismus
und Unbewusstem zu konkretisieren, möchte ich abschließend
das Projekt eines Filmvergleichs vorschlagen. Im Mittelpunkt sollte
die Frage stehen: Welche Wünsche produziert meine Rezeption der
Filmbilder? Im Themenheft "Mediale Inszenierungen rechter Gewalt"
der Zeitschrift "psychosozial" erschien 1995 die Studie von
Hans-Dieter König: "Hitler und die Jugend. Tiefenhermeneutische
Rekonstruktion dreier Szenensequenzen aus Leni Riefenstahls `Triumph
des Willen´." "Triumph des Willens" (Nürnberger
Reichsparteitag 1934) www.pbs.org/wgbh/cultureshock/provocations/leni
Der Film wurde in Hitlers persönlichem Auftrag gedreht und im April
1935 im Berliner Ufa-Palast als Staatsakt in Anwesenheit des Führers,
der Parteispitze und des diplomatischen Korps uraufgeführt.. Der
"Völkische Beobachter" erhob ihn zum "Denkmal der
Bewegung", und er spielte Rekordergebnisse ein. Wie König
in Anschluß an Loiperdinger ("Rituale der Mobilmachung")
schreibt, wird
"Leni Riefenstahl in den hymnischen Besprechungen der nationalsozialistischen
Presse und den Presserklärungen des Ufa-Konzerns als die Regisseurin
gefeiert, die das `Parteitagserlebnis´ in ein `authentisches Filmerlebnis´
übersetzt habe. `Das ist es!´ hieß es in einer Pressemitteilung
der Ufa: `Der Zuschauer soll nicht nur sehen und hören, sondern
er soll die innere Größe und Monumentalität des nationalsozialistischen
Gedankens empfinden und erleben.´" (Hitler und die Jugend,
S. 47)
Schon in diesem Ufa-Text wird als besondere propagandistische Leistung
eine Beziehung betont, die zwischen den Filmbildern und dem inneren
Erleben der Zuschauer entsteht, also zwischen dem Bild und seiner Rezeption.
König geht der entscheidenden Frage nach, "was jenes `Erlebnis´
nun eigentlich ausmacht." Es geht ihm um "die Analyse der
Lebensentwürfe (der Wünsche, Ängste und Phantasien)...,
die der Film aufgreift." (S.47) "Wiedergeburt als unbesiegbare
Stahlnaturen" (S. 69) sei eine dieser Wunschphantasien. Ferner:
"In den untersuchten Szenensequenzen des Riefenstahl-Films geht
es...um das Aufgreifen uneingelöster Wünsche nach (erwachsener)
Autonomie und Unabhängigkeit bzw. unerfüllter Träume
nach Sicherheit, Größe und nach einem harmonischen Einssein
mit der Welt, Verschmelzungssehnsüchte, die in der erstrebten Volksgemeinschaft
realisierbar erscheinen." Über das Bildmedium werden "noch
nicht bewusste Lebensentwürfe aufgegriffen, ungestillte Träume,
die sich leicht mit der revolutionär wirkenden Vision nach `völkischer
und sozialer´ Regeneration´ verknüpfen lassen."
(Hitler und die Jugend, S. 71)
Meine Frage ist nun: Welche Wünsche werden produziert, wenn diese
Bilder heute gesehen werden? Gibt es da Ähnlichkeiten mit Wünschen,
die "Fight Club" produziert? Zunächst fällt bei
den Bildern Riefenstahls ein eklatanter Unterschied zu denen der "Fight
Club" Verfilmung auf: Gewalt und Zerstörung kommen
nicht vor. Vielmehr besticht der Film durch faszinierende Bilder der
Harmonie und Verschmelzung. Was auf der manifesten Ebene nicht dargestellt
ist, schimmert jedoch auf einer latenten hindurch: Die auf dem Parteitagsgelände
in einer Geometrie der Macht zu gewaltigen Blöcken strukturierten
Menschenmassen strahlen ein Gewaltpotential aus, das nur darauf zu warten
scheint, seine zerstörende und vernichtende Kraft zu entfalten.
Im "Fight Club" ist es genau umgekehrt: Die Rezensionen des
Films sind sich darin einig, dass ihm die Darstellung exzessiver Gewalt
eigen ist. Diese manifeste Ebene hat die Rezeption des Films wesentlich
bestimmt. Dennoch darf die latente Ebene nicht übersehen werden:
"einfach nur sein", so bringt sie der Erzähler im letzten
Kapitel auf den Punkt: "Wir sind einfach." (FC, S. 233)
Daraus ergibt sich folgenden
Struktur eines filmvergleichendes Feldes:
"Fight
Club
"Triumph
des Willens"
manifest Gewalt,
Zerstörung, Chaos Harmonie,
Verschmelzung,Kosmos
latent "Einfach
nur sein!" Gewalt,
Zerstörung,Chaos
schizo-
paranoid-
revolutionärer->>>>>>>><<<<<<<<<<faschistischer
Pol
Pol
Oszillieren der WunschproduktionIn Bilder umgesetzt, aktiviert dieses
filmvergleichende Feld die Wunschmaschine "Unbewusstes", deren
Wunschproduktion laut Deleuze/Guattari die gesellschaftlichen Verhältnisse,
zwischen einem schizo-revolutionären und einem paranoid-faschistischen
Pol oszillierend, deliriert. Wünsche nach Gewalt und Chaos haben
so zwei Seiten. Sehnsucht nach verschmelzender Harmonie erscheint als
eine davon, und es war gerade auch diese Seite, die den Faschismus so
wünschenswert machte. Denn er wurde gewünscht. "Verführung"
war überflüssig:
"Nein, die Massen sind nicht getäuscht worden, sie haben den
Faschismus in diesem Augenblick und unter diesen Umständen gewünscht.
Nur in solcher Perspektive lässt sich diese Perversion des Massenwunsches
angehen." (Deleuze/Guattari, Anti-Ödipus, S. 39)
Dass im Wunsch nach Harmonie und Verschmelzung der nach Vernichtung
all derer latent enthalten war, die nicht dazugehören, lässt
"Triumph des Willens" nur ahnen. Anders in "Fight Club":
"Einfach nur sein!" bezeichnet den schizo-revolutionären
Pol eines Delirierens gesellschaftlicher Verhältnisse in Bildern
von Gewalt und Chaos, die "Fight Club" in Szene setzt. Dabei
zeigt sich jedoch auch das Oszillieren zwischen den beiden Polen. Darin
sehe ich die innovative Stärke des Romans. Was bei Riefenstahl
nur geahnt werden kann, wird als "Projekt Chaos" in "Fight
Club drastisch vor Augen geführt. Die beiden Pole des Wunsches
nach Gewalt, Chaos und Zerstörung, die es in den Blick zu bekommen
gilt, werden so präsent und können Gegenstand bewusster Wahrnehmung
werden. Es hat nämlich wenig Sinn zu glauben, Gewaltwünsche
ließen sich wegpädagogisieren. Sie brauchen ihren Raum einer
durchlebbaren Wahrnehmung. "Fight Club" hat ihn geschaffen.
Erst in einem solchen Raum, der die eigenen Gewaltphantasien zulässt,
geben sich auch deren Pole zu erkennen. Die Pole der eigenen und die
der historischen Wunschproduktionen können dabei miteinander zu
korrespondieren beginnen. Initiation:
Inszenierung
einer Initiation:
Das Paradies des Faschisten und das Eigene des Schamanen
Die beiden Pole der Gewalt unseres filmvergleichenden Feldes ermöglichen
auch eine Deutung der Struktur, die "Triumph des Willens"
und "Fight Club" gemeinsam ist. Beide Filme können als
"Initiationen" gesehen werden. Hans-Dieter Königs Untersuchung
"Hitler und die Jugend" analysiert Leni Riefenstahls Produktion
als eine solche "Inszenierung einer Initiation der Hitlerjugend"
(S. 66) Dass es sich bei "Fight Club" um archaische Mannbarkeits-
und Initiationsrituale handelt, haben wir im Abschnitt zur "Kampfekstase
im Fight Club" festgestellt. Die Unterscheidung eines paranoid-faschistischen
und eines schizo-revolutionären Pols wunschproduzierenden Delirierens
erlaubt es nun, die Initiationsstruktur im Sinne dieser beiden Pole
zu differenzieren.
Königs Studie kommt zu dem Ergebnis, dass es das Anliegen des Nürnberger
Initiationsrituals gewesen sei, die auf dem Parteitag versammelten Jungen
der HJ von der alten Welt der Tradition zu lösen und in die neue
Welt der nationalsozialistischen Ordnung einzugliedern. Das entspricht
dem Anliegen aller sozial inszenierter Initiationsrituale. Es sind Übergangsriten
. Der Parteitag setzte einen solchen Ritus wie eine religiöse Liturgie
in Szene und erzeugte damit jenes religiöse Initiationserlebnis,
das "Triumph des Willens" so kongenial filmisch umsetzte.
Der Zuschauer konnte so die Nürnberger Liturgie als "inneren
Reichsparteitag" nacherleben und so das Initiationsritual innerlich
nachvollziehen. Die Bilder von Harmonie und Verschmelzung mobilisierten
dabei Wünsche, die nach Mircea Eliade als "Heimweh nach dem
Paradies" charakterisiert werden können, Sehnsüchte nach
einem heilen Ursprung in der Mitte der Welt, einem Neuen Jerusalem,
das wie in der apokalyptischen Schlussvision der christlichen Bibel
vom Himmel herabsteigt, der Stadt aus reinem Licht, in die nichts Unreines
eingeht. Dass ihr die Stadt der Finsternis und der "unreinen",
die "Hure Babylon", gegenübersteht, die es in einem apokalyptischen
Endsieg des Tausendjährigen Reiches Christi zu vernichten gilt,
entspricht genau jenen Gewaltphantasien des "Tausendjährigen
Reiches" der Nazis, die hinter seinen Bildern von Harmonie und
Verschmelzung lauern: Der Nordturm der Wewelsburg: Spaltende Symbolik
der "Mitte" www.ahlen.de/medien/christenkreuz/doc_04.html
Der Bremer Sozialpsychologe
Gerhard Vinnai betont in seinem Buch "Jesus und Ödipus",
dass das Gegenteil zum Eigenen nicht das Fremde, sondern "das Paradies"
sei. Harmonie und Verschmelzung in einem ersehnten paradiesischen Urzustand
der Ganzheit ohne Vielheit ist der Tod des Eigenen. Die Nürnberger
Geometrie der Macht, die nur noch gewaltige und gewaltsame Menschenblöcke
zulässt, aber nichts Individuell-Eigenes führt das im wahrsten
Sinne des Wortes überwältigend vor Augen. Der paranoid-faschistische
Pol der Wunschproduktion hat in dieser "Inszenierung einer Initiation"
tatsächlich ein überzeugendes "Denkmal der Bewegung"
(Völkischer Beobachter) gesetzt.
"Elias Canetti hat sehr gut gezeigt, wie der Paranoiker Massen
und `Meuten´ organisiert, wie er sie kombiniert, sie in Gegensatz
stellt, sie steuert. Der Paranoiker macht Massen zu Maschinen, er ist
der Künstler großer molarer Einheiten, statistischer Formationen,
herdenhafter Gebilde, organisierter Massenphänomene." (Deleuze/Guattari,
Anti-Ödipus, S.360f)
Der Erzähler im "Fight Club scheint vom Paradies nicht
viel zu halten. Im Himmel findet er es jedenfalls nicht besonders toll:
"alles Weiß in Weiß" (FC, S.232), eine schizo-revolutionäre
Parodie ihres paranoid-faschistischen Gegenpols paradiesischer Ganzheit
ohne Vielheit. Deren Zerstörung ist letztlich das Ziel der Initiation
in "Fight Club", positiv formuliert: Gewalt, Chaos und Zerstörung
dienen dem Eigenen, "molekularen Vielheiten von Singularitäten",
"Subjektgruppen","...Fluchtlinien, denen die decodierten
und deterritorialisierten Ströme folgen, die, ihre eigenen, neue
Ströme produzierenden Einschnitte und nicht-figurativen Spaltungen
erfindend, stets die codierte Mauer oder die Territorialgrenze durchbrechen,
die sie von der Wunschproduktion trennen."(Anti-Ödipus, S.476)
Das Initiationsmodell, das diesem schizo-revolutionären Pol entspricht,
ist das des Schamanen. Im Theorieentwurf des Hypertext-Projekts meines
Literaturkurses "Schwarze Sonne weißer Terror"
ist dieses Modell auch netztheoretisch entwickelt:
Der Talmud des Cyber-Schamanen www.dialogin.de/schuelerprojekte/sonne/ergebnisse.htm
Die Initiation des Schamanen gliedert den Einzelnen nicht einer neuen,
sozialen Gruppe an, sondern führt den zum Schamanen Berufenen in
eine innere "Anderswelt" ein. Dabei erfolgt die Berufung nicht
von außen, sondern es ist etwa eine Krankheit, die den Menschen
überfällt, ihn von seinem alten sozialen Umfeld innerlich
wegführt und von innen heraus umgestaltet. (Mircea Eliade, Schamanismus
und archaische Ekstasetechnik)
"Mehr über sich selbst erfahren...durch Selbstzerstörung"
(FC, S.57), dieses Ziel der Kampfekstase im "Fight Club" gleicht
in gewisser Weise dem Resultat der Schamanen-Initiation. Die Zerstörung
geschieht beim Schamanen durch die "Krankheit" , autonome
Komplexe der Psyche, die als "Geister" erlebt werden. Das
plötzliche Auftauchen Tylers, des geträumten Doppelgängers,
am Strand und sein seltsames Ritual mit den Baumstämmen bekommt
in dieser Perspektive den Sinn des Beginns einer schamanistischen Initiation.
Tyler führt den Erzähler wie ein "Schutzgeist" immer
tiefer in eine Welt hinein, die völlig anders ist als die des Alltags.
Dass diese Initiation mit der Erfahrung von Gewalt verbunden ist, hat
Vorbilder in der Gegenwart amerikanischer Großstädte. Sehr
informativ ist dazu das Bekenntnis "Ich bin ein Leder-Schamane"
von Stuart Norman aus der verbreiteten schwulen S/M-Gruppe "Radical
Faeries":
"S/M lässt sich als fortdauernder Initiationsprozess betrachten,
durch den neue Erfahrungen und Selbsterkenntnis erreicht werden sollen.
S/M war mein Weg zum Schamanentum. Er ist mein Ritual und meine religiöse
Huldigungsform...Er bewirkt, dass Verstand und Bewusstsein sich auf
einen einzigen Punkt richten und jeder der Beteiligten in einen Zustand
gelangt, wo Körper und Geist miteinander verschmelzen. Es ist kein
intellektueller Vorgang, sondern ein ganz natürliches, urtümliches
In-Berührung-Kommen mit dem Körper." (Stuart Norman,
Ich bin ein Leder-Schamane, S. 335f)
Radical Faeries www.interlog.com/~matt634/cpost.html
Nun weist Palahniuk allerdings jede Andeutung vehement von sich, sein
"Fight Club" könne Homoerotik ins Spiel bringen. Auf
der manifesten Ebene des Romantextes mag das stimmen. Eine Reihe von
Rezensionen des Films hebt jedoch die enorme homoerotische Ausstrahlung
der Filmbilder von den Kampfszenen im "Fight Club" hervor.
So dürften auf einer latenten Ebene eben doch homoerotische Wunschphantasien
eine Rolle spielen, die der Film durch die Optik, nicht durch die Handlung
gekonnt inszeniert. Die Initiation in das Eigene wäre demnach auch
eine Initiation in die eigenen homoerotischen Wünsche, die "Homosexualität
im Mann" (Peter Schellenbaum). Daß das fast hundert Jahre
nach Aschenbachs tödlicher Verdrängung gleichgelagerter Wünsche
im "Tod in Venedig" (siehe oben der Abschnitt "Panik
der Väter. Die Rückkehr Pans") noch immer mit schamhafter
Homophobie unter der Decke gehalten wird, gibt zu denken.
Der molekulare Mann:
Gegen die Angst zu wünschen
Auf unserem filmvergleichenden Feld haben die homoerotischen Wunschphantasien
ihren Platz im Quadranten "Fight Club"/latent. Dort steht
bislang: "Einfach nur sein!" Dazu gehören schlicht auch
diese Wünsche. In radikaler Konsequenz weiterverfolgt, sind sie
ein Paradigma des schizo-revolutionären Wunschpols schlechthin.
Klaus Theweleit hat das mit Michel Foucault ("Überwachen und
Strafen") in aller gebotenen Deutlichkeit formuliert:
"Das homosexuelle Verlangen erscheint nicht nur als ein sexuelles
Verlangen wie jedes andere auch (wie die liberalreformerische Toleranzposition
es sehen will)): im Betreten des Anus ist impliziert das Öffnen
gesellschaftlicher Gefängnisse, der Eintritt ins verbotene Verlies,
in dem die Schlüssel zu manch anderen Verliesen aufbewahrt sind
es ist dadurch verknüpft mit der Wiedergewinnung der revolutionären
Dimension des Wunsches, der revolutionär ist, weil er `Wunsch zu
wünschen´ ist." (Männerphantasien 2, S.308)
Dazu gäbe es mit Blick auf den Faschismus noch viel zu sagen. In
seiner Analyse des Nürnberger Initiationsrituals spricht H.-D.
König bei der Massenbildung von einer "von homosexuellen Impulsen
unterlegten Identifizierung miteinander." (Hitler und die Jugend,
S.69) Ich verweise ferner exemplarisch auf das umstrittene Buch "Pink
Swastika. Homosexuality in the Nazi Party"
www.yankeesamizdat.org/items/Swastika.html
Mit anderen Kritikern sehe ich in diesem Buch eine christlich-homophobe
Variante des Holocaust-Revisionismus: Homosexualität wird von seinem
christlich-fundamentalistischen Autor für die Shoah verantwortlich
gemacht. Durch sie wurden die Nazis erst so richtig "böse".
Letztlich ist also Homosexualität und nicht der Faschismus "Teufelswerk".
Schließlich hat man das schon immer gewusst. "Anti-gay Holocaust-Revisionism
auf der Website "Holocaust-Revisionism and Neo-Naziism
http://qrd.diversity.org.uk/qrd/www/RRR/revision.html
Es sind vielleicht die latenten homosexuellen Wünsche, die das
Delirieren noch nicht zu Ende Geborener einerseits am stärksten
in Richtung des schizo-revolutionären Wunschpols oszillieren lässt,
andererseits diese Männer aber aus der Angst vor diesen Wünschen
in die Paranoia homophober Abwehr treibt. Eine unheilige, christlich-faschistische
Allianz kann entstehen. "Pink Swastika" ist für deren
christliche Vertreter ein Beispiel.
Wenn Pädagogik irgendwo ansetzen soll, dann sicher nicht bei einem
Wegpädagogisieren von Wünschen nach Gewalt und Chaos. Das
ist vergebliche und eher kontraproduktive Liebesmühe. Ein eher
erfolgversprechender Ansatzpunkt scheint mir die Angst vor den Wünschen
zu sein (siehe dazu den Abschnitt: Panik der Väter Die Rückkehr
Pans). Gerade homophobe Wunschabwehr bringt eine Form von Gewalt hervor,
die sich paranoid gegen die wendet, deren Anderssein bei sich selbst
als Selbstwahrnehmung und Wunschphantasie verboten wird. Das kann dann
solche Blüten treiben wie den "Anti-Gay-Revisionismus"
des Holocaust, den christlich-fundamentalistische Homophobie produziert.
Daß diese sich schnell und innig mit der Abwehr von Anderssein
schlechthin verbündet, demonstriert die "Christliche Mitte"
Rundumschlag gegen Schwule, Moslems, Ausländer und alles
sonstige "Artfremde". ("`Christliche Mitte´: Kampf
der Paranoiden" www.gayforum.de/szene/01940.shtml)
Angst scheint die "molekulare"
Vielheit des schizo-rvolutionären Wunschpols "In meines
Vaters Haus sind viele Wohnungen" (Fight Club; siehe Abschnitt
"Der Schizo im Himmel")) nicht dulden zu können,
sie erlaubt nur den paranoid-faschistischen mit seinen "molaren"
Einheitsmassen (Deleuze/Guattari). Die Plastik "Molecule Man"
des amerikanischen Künstlers Jonathan Borofsky hat in Berlin-Treptow
der Molekularität des anderen Pols ein Denkmal gesetzt: "Molecule
Man" (Jonathan Borosky/Berlin-Treptow) www.eleves.ens.fr:8080/home/tholonia/neutreko.html
Über einer Wasserfläche laufen drei als Silhouette gestaltete
Männer aufeinander zu und berühren sich sternförmig.
Sie bilden jedoch nicht drei kompakte Flächen, sondern die Silhouetten
bestehen aus einer Unzahl kleiner, runder Löcher, "Molekülen",
die je nach der Perspektive und der Tageszeit dem Licht anders Raum
geben. Dieser "Molekulare Mann" ist als eine transparente
Vielheit im Licht spielender Kügelchen der genaue Gegenpol zur
gestählten Ganzheit jener faschistischen, nackten Männerpanzer,
die Bildhauer wie Arno Breker und Josef Torak nationalsozialistischen
Wunschphantasien gemäß modellierten: Arno Breker (Website:"
Wewelsburg Haus der germanischen Kunst") http://members.nbci.com/wewelsburg/breker.htm
Aufschlussreich ist ein Zitat
im einleitenden Text auf der Homepage dieser Website, die sich in ihrem
Titel an der Wewelsburg, Kult- und Terrorstätte der SS bei Paderborn
(siehe Abschnitt: Schatten des Kreuzes: Die Geburt der "Schwarzen
Sonne"), orientiert: "We do not reject the modernists because
they are modern, but because they are spiritually destructive."
Spirituell konstruktiv sind demnach die auf der Website vorgestellten
Schöpfungen der Bildhauer des Dritten Reiches. In der Tat sind
sie ästhetischer Ausdruck jener Ganzheit, die wir im Abschnitt
"Ewige Ganzheit im Phallus der Höhen" bei Jünger
und Salomon untersucht haben.
Der "Molekulare Mann" erscheint mir dagegen wie die Vision
eines Mannes, der auf die Vielheit des Eigenen in ihm transparent ist,
die "molekularen Vielheiten von Singularitäten" (Deleuze/Guattari,
Ant-Ödipus, S. 476) ein Mann ohne Angst vor dem "Wunsch
zu wünschen". Anders sein paranoid-faschistischer Gegenpart:
"Als Eindämmer, als Tötender, als Ausrottender nähert
sich der Mann dem `Wunsch zu wünschen´, seinem eigenen Unbewussten,
seinem eigenen Leben. Nur das (!) ist ihm unbewusst. Nicht irgendwelche
Inhalte verdrängt er, es ist das Unbewusste selbst, die Wunschproduktion
des Unbewussten insgesamt, die der Verdrängung verfällt. Innen
hat dieser Mann ein KZ, das KZ seiner Wünsche." (Klaus Theweleit,
Männerphantasien 2, S.11)
Mit meiner Analyse des Films "Fight Club" wollte ich den Blick
vom Grauen der historisch realen KZs zu diesen inneren KZs wenden. Die
psychische Realität ihres Grauens hat nicht wenig zum historischen
Grauen beigetragen. Der Film "Fight Club" ist in seinem Oszillieren
zwischen den beiden Polen der Wunschproduktion Vision und Warnung: Vision
der Befreiung aus dem inneren KZ durch ritualisierte Gewalt, Warnung
vor dem Verlust dieser Freiheit in neuen KZs organisierter Gewalt. Beides
liegt in den Möglichkeiten der Schwarzen Sonne über Babel.
Literatur:
Bly, R., Eisenhans. Ein Buch über Männer, München 1991.
Deleuze, G./Guattari, F., Rhizom, Berlin 1977.
- Anti-Ödipus. Kapitalismus und Schizophrenie I, Frankfurt 1977.
Eliade, M., Indisches Tagebuch. Reisenotizen 1928-1931, München
1996.
- Schamanismus und archaische Ekstasetechnik, Frankfurt 1994
Goetz, B., Das Reich ohne Raum. Eine Vision der Archetypen, Bern 1995.
Hillman, J., Pan und die natürliche Angst. Über die Notwendigkeit
der Alpträume für die Seele, Zürich 1995.
Hooven, F.V., Tom of Finland. Sein Leben seine Kunst, Berlin
1992
Jung, C.G., Seminar on Nietzsches Zarathustra (Abridged Edition), Princeton
1997.
Kantrowitz, A., Hakenkreuzspielzeug, in: Thompson, M.(hg.), Lederlust.
Der S/M-Kult: Erfahrungen und Berichte, Berlin 1993, S. 240-258.
König, H.-D., Hitler und die Jugend. Tiefenhermeneutische Rekonstruktion
dreier Szenensequenzen aus Leni Riefenstahls "Triumph des Willens",
in: psychosozial 18 (1995), Heft III, S. 47-73.
Norman, St., Ich bin ein Leder-Schamane, in: Thompson, M.(Hg.), Lederlust.
Der S/M-Kult: Erfahrungen und Berichte, Berlin 1993, S.331-339.
Palahniuk, Ch., Fight Club, München 1999
Sünner, R., Schwarze Sonne. Entfesselung der Mythen in Nationalsozialismus
und rechter Esoterik, Freiburg 1999.
Stephenson, N., Snow Crash,
Theweleit, K., Männerphantasien 1 und 2, Reinbek 198o
Warth, E., Hure Babylon vs. Heimat. Zur Großstadtrepräsentation
im nationalsozialistischen Film, in: Schenk, I.(Hg.), Dschungel Großstadt.
Kino und Modernisierung, Marburg 1999, S.97-111.
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