"Kennen Sie `Fight Club´?"
Dunkle Väter - Chaossöhne


Chaossohn am Meer:
Epiphanie des "puer aeternus"

Panik der Väter:
Die Rückkehr Pans

Gegen eine kalte Sonne:
Kampfekstase im "Fight Club"

Vaterlose Berserker:
Geburt nicht zu Ende Geborener

Weltraumaffen:
Anarcho-Sklaven der Geschichte

"Orale Flipper":
Der faschistische Bruch

Rettung aus der Masse:
Ewige Ganzheit im Phallus der Höhen

Schatten des Kreuzes:
Die Geburt der "Schwarzen Sonne"

Pole der Gewalt:
"Fight Club" und "Triumph des Willens"

Der molekulare Mann:
Gegen die Angst zu wünschen

Atalante 2



 

"Orale Flipper":
Der faschistische Bruch

Der Roman "Fight Club" zerfällt deutlich in zwei Teile. Da ist zunächst der geschützte Bereich einer nächtlichen Kampfarena, in der sich zwei Männer, strengen Regeln unterworfen, gegenüberstehen. Der erste Teil des Romans kreist um diesen Bereich ritualisierter, initiatorischer Gewalt. Und da ist dann plötzlich der chaotische Bereich nächtlich im Dschungel der Großstadt umherschweifender Chaos-Horden knabenhaft gebliebener Männer. Der zweite Teil des Romans kreist um diesen Bereich aus dem Ruder laufender, faschistischer Gewalt. Warum genügte das initiatorische Gewaltritual nicht mehr?

An jenem Morgen, als Tyler das "Projekt Chaos" erfand, fühlte sich der Erzähler schlecht. Der Kampf der letzten Nacht hatte ihm nicht mehr den erlösenden Kick gebracht:

"Ich sagte, ich fühlte mich wie Scheiße und überhaupt nicht entspannt. Es hat mich überhaupt nicht angetörnt. Vielleicht habe ich mich zu sehr daran gewöhnt. Man kann eine Toleranz für Kämpfe entwickeln, und vielleicht musste ich zu etwas Größerem übergehen." (FC, 138)


Tyler war das bereits in dem Moment klargeworden, als er sah, wie sich im Kampf des Erzählers dessen berserkerhafte Wut wie bei einem "Psychopathen" entladen hatte: "In dieser Nacht wusste Tyler, dass er den `Fight-Club´ eine Stufe höherschrauben oder ihn einstellen musste." (FC, 138) Der Raum der Kampfarena musste gesprengt, der Raum der Welt, der Geschichte, des Universums ("Weltraumaffen"!) besitzergreifend und zerstörend besetzt werden:

"Als Tyler das Projekt Chaos erfand, sagte er, das Ziel des Projekts habe nichts mit anderen Menschen zu tun. Es war Tyler egal, ob andere Menschen verletzt wurden oder nicht. Das Ziel bestand darin, jedem Mann in dem Projekt beizubringen, dass er die Macht hatte, den Lauf der Geschichte zu beherrschen. Wir, jeder von uns, können die Welt beherrschen."
(FC, 137)

Nur die Ganzheit von Allem kann dem grenzenlosen Ich der nicht zu Ende Geborenen jene Grenzen verschaffen, die es zu seiner Stabilisierung braucht. Ein eng begrenzter "Fight Club" reicht da nicht mehr aus. Der bildet nur das fest konturierte Körper-Ich heran, mit dem der Welteroberer agiert. Diesem Ich ist jeder wie auch immer geartete ethische Impuls gänzlich fremd.