"Kennen Sie `Fight Club´?"
Dunkle Väter - Chaossöhne


Chaossohn am Meer:
Epiphanie des "puer aeternus"

Panik der Väter:
Die Rückkehr Pans

Gegen eine kalte Sonne:
Kampfekstase im "Fight Club"

Vaterlose Berserker:
Geburt nicht zu Ende Geborener

Weltraumaffen:
Anarcho-Sklaven der Geschichte

"Orale Flipper":
Der faschistische Bruch

Rettung aus der Masse:
Ewige Ganzheit im Phallus der Höhen

Schatten des Kreuzes:
Die Geburt der "Schwarzen Sonne"

Pole der Gewalt:
"Fight Club" und "Triumph des Willens"

Der molekulare Mann:
Gegen die Angst zu wünschen

Atalante 2




 


Diese Gestalt erinnert verblüffend an die Akteure des "Projekts Chaos", die Horden knabenhafter Männer, die sich aus den "Fight Clubs" immer zahlreicher Tylers Projekt anschließen. "Weltraumaffen" – space monkeys – nennt sie der Erzähler. Nicht weniger verblüffend ist für mich, mit welcher Begeisterung sich junge Leute der Jahrtausendwende mit diesen "space monkeys" auf diversen Internet-Seiten und in den entsprechenden Chat-Rooms zu identifizieren scheinen. Ersetzt hier die Globalität des virtuellen Raums im World Wide Web eine gesuchte Ganzheit nicht zu Ende Geborener? "Fight Club" scheint tatsächlich jenen untergründigen, anarchischen Nerv getroffen zu haben, der seit einem Jahrhundert unter einer bewusstlosen und verdummenden Konsum- und Glitzerwelt zuckt.

Ein "space monkey" bringt es in eine programmatische Form. Goebbels hätte es kaum besser sagen können. Es klingt wie O-Ton "Drittes Reich" Der hier spricht, hat in den Augen des Erzählers sein Körperprofil gefunden:

"`Ich sehe die stärksten und klügsten Menschen, die je gelebt haben ..., und diese Menschen zapfen Benzin und servieren Essen.´ Seine steile Stirn, seine Braue, die Schräge seiner Nase, seine Wimpern und die Linie seiner Augen, das plastische Profil seines Mundes, das alles hebt sich schwarz vor dem Sternenhimmel ab. `Wenn wir diese Menschen in Ausbildungslager stecken und ihre Erziehung vollenden könnten ... Wir haben eine Klasse von starken jungen Männern und Frauen, und sie wollen ihr Leben für etwas hingeben. Die Werbung lässt diese Menschen nach Autos und Kleidern jagen, die sie nicht brauchen. Ganze Generationen haben bis heute in Jobs gearbeitet, die sie hassen, nur damit sie kaufen können, was sie gar nicht wirklich brauchen. Wir haben in unserer Generation keinen Krieg oder eine große Depression. Was wir aber haben, ist ein großer Krieg des Geistes. Wir haben eine große Revolution gegen die Kultur. Die große Depression, das ist unser Leben. Wir haben eine geistige Depression. Wir müssen diesen Männern und Frauen die Freiheit zeigen, indem wir sie versklaven, und ihnen Mut vor Augen führen, indem wir ihnen Angst machen." (FC, 170).

Warum endet das Projekt "Fight Club", angelegt auf eine ekstatische Kampferfahrung, im faschistischen "Projekt Chaos"? Diese Frage wirft zunächst methodische Probleme auf, die mit einem Ungenügen der Freudschen Theorie zusammenhängen. Ein "space monkey" ist mit Freud nicht angemessen zu deuten. Vor dem "Projekt Chaos" versagt die Freudsche Theorie vom Ich:

"Die Art von Leuten, die in dieser Theorie vom Ich nicht mehr recht vorkommen, müssen zu Lebzeiten Freuds sehr zahlreich gewesen sein. Ich meine ... all die Leute, die sicher fühlten, dass irgendwer anderer zu sterben hätte, damit sie selber leben könnten." (Männerphantasien 1, 215)