"Kennen Sie `Fight Club´?"
Dunkle Väter - Chaossöhne


Chaossohn am Meer:
Epiphanie des "puer aeternus"

Panik der Väter:
Die Rückkehr Pans

Gegen eine kalte Sonne:
Kampfekstase im "Fight Club"

Vaterlose Berserker:
Geburt nicht zu Ende Geborener

Weltraumaffen:
Anarcho-Sklaven der Geschichte

"Orale Flipper":
Der faschistische Bruch

Rettung aus der Masse:
Ewige Ganzheit im Phallus der Höhen

Schatten des Kreuzes:
Die Geburt der "Schwarzen Sonne"

Pole der Gewalt:
"Fight Club" und "Triumph des Willens"

Der molekulare Mann:
Gegen die Angst zu wünschen







Atalante 2




 



In Letzterem - Titane, Gott - sieht Theweleit das Wesen der gesuchten Erneuerung.

"Einen Vater lieben wollen? Nein, Sohn der Erde und meiner selbst, gemacht, über sie zu herrschen und über alles, was noch `Mensch´ ist ... In der Konstruktion der Faschisten von der Wiedergeburt ist die Konstellation zusammengeschrumpft: nicht mehr Sohn Gottes ist das neugeborene Ich, sondern Sohn seiner selbst ... Es gibt keine Väter mehr." (Männerphantasien 2, 238)

Dahinter steht der Sozialisationstyp nicht zu Ende geborener Männer: "Als `Ende der Geburt´ würde ich den Zustand bezeichnen, den Mahler mit der `Individuation´ erreicht sieht. Dazu gehört, dass das Kind sich aus der unumgänglichen Symbiose, die sein erstes Lebensjahr bestimmt, durch eine lustvolle Besetzung seiner Peripherie bis zum sicheren Gefühl, ein von der Mutter und von anderen unterschiedenes Selbst zu sein, herausdifferenziert hat ... Ich vermute, dass im wilhelminischen Deutschland nur sehr wenige Menschen das Glück hatten, einigermaßen zu Ende geboren zu werden." (Männerphantasien 2, 211f)

"Zeitalter des Narzissmus" hat Christopher Lasch dieses Phänomen eines Sozialisationstyps nicht zu Ende Geborener genannt und als grundlegend für die amerikanische Gesellschaft der 70er Jahre diagnostiziert. Es scheint mit gute Gründe zu geben, ihn auch bei den "dreißigjährigen, kleinen Jungen" im "Fight Club" und ihrer Krise der Männlichkeit in den späten 90er Jahren zu vermuten. Der Aufstand gegen die "dunklen Väter" ist dann nicht etwa das Austragen eines ödipalen Konflikts; diese Phase haben die Knabenmänner gar nicht erreicht. Es geht vielmehr erst einmal um die Geburt eines Ichs mit lustvoll spürbaren Außengrenzen, das sich gegen die Welt ab- und durchsetzen kann. Im Körper nehmen diese Grenzen fühlbare Gestalt an:

"Du siehst einen Kerl zum ersten Mal zum `Fight Club´ kommen, mit einem Hintern wie ein Weißbrotlaib. Du siehst denselben Kerl ein halbes Jahr später, und er sieht aus wie aus Holz geschnitzt. Dieser Kerl traut sich zu, mit allem fertig zu werden."
(FC, 56f)

Dieses neue, sich über den begrenzenden Körperpanzer definierende Ich ist nicht nur vater-, sondern auch geschichtslos: "Der Eltern ledig, der eigenen Geschichte ... entkommen", so Theweleit (Männerphantasien). Ähnlich der "Fight Club"-Erzähler:

"Ich wollte den Louvre niederbrennen. Ich wollte die Elgin Marbles mit einem Vorschlaghammer bearbeiten und mir mit der Mona Lisa den Arsch abwischen ... Das ist meine Welt, meine Welt, und diese uralten Leute sind tot." (FC, 139f)