"Kennen Sie `Fight Club´?"
Dunkle Väter - Chaossöhne


Chaossohn am Meer:
Epiphanie des "puer aeternus"

Panik der Väter:
Die Rückkehr Pans

Gegen eine kalte Sonne:
Kampfekstase im "Fight Club"

Vaterlose Berserker:
Geburt nicht zu Ende Geborener

Weltraumaffen:
Anarcho-Sklaven der Geschichte

"Orale Flipper":
Der faschistische Bruch

Rettung aus der Masse:
Ewige Ganzheit im Phallus der Höhen

Schatten des Kreuzes:
Die Geburt der "Schwarzen Sonne"

Pole der Gewalt:
"Fight Club" und "Triumph des Willens"

Der molekulare Mann:
Gegen die Angst zu wünschen





Atalante 2



 



Vaterlose Berserker:

Geburt nicht zu Ende Geborener

C.G.Jung weist mehrfach auf die archetypische Gestalt hin, deren Bann die Psyche so vieler Menschen, nicht etwa nur Deutscher, zwischen 1933 und 1945 erlegen sei. Ausgangspunkt ist dabei zunächst das Werk Nietzsches. Auch J.Hillman spricht in seinem Pan-Aufsatz von "Nietzsches Dionysos ..., hinter dem der germanische Gott Wotan dräute":

"`Die Vereinigung von Bock und Gott´ - das Wort stammt aus Nietzsches
`Geburt der Tragödie´ - kennzeichnet für die Nach-Nietzsche´sche Welt die dionysische Bewusstseinsform und die schließliche Geisteskrankheit ihres Verkünders. Doch obwohl Nietzsche unverhohlen von dem Bocksgott spricht, schreibt Jung: `In Nietzsches Biographie wird man den unwiderleglichen Beweis dafür finden, dass der Gott, den er ursprünglich meinte, in Wirklichkeit Wotan war.´"
(J.Hillman, Pan, 39f)

Auf diesem Hintergrund erscheint die "Rückkehr Pans" als eine "Rückkehr Wotans". Wobei es dabei psychodynamisch geht – ganz sicher nicht um eine Restauration germanischer Religion -, wird noch zu erörtern sein. Zunächst mag genügen: Die Vaterlosen des "Fight Clubs", in der Ekstase des Kampfes momenthaft zum Gott verwandelt, können als vom "Wilden Jäger" Wotan Ergriffene gesehen werden. Nach dem Volksglauben machte dessen "Wildes Heer" während der Rauhnächte zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag, der Zeit zwischen den Jahren, die Nächte unsicher. Während dieser Tage bekam das Kontinuum des Zeitlaufs einen Riss, durch den das Chaos einströmen konnte in Gestalt des "Wilden Jägers" und seines wilden Gefolges. Die Kämpfer im "Fight Club" gleichen Wotans wilden Berserkern mit ihrer sprichwörtlichen Wut, die in der orgiastischen Raserei des Kampfes übermenschliche Kräfte entfalten und in diesem Sinn Übermenschen, "Götter" wurden.

In seiner Interpretation des Jugendromans von Joseph Goebbels "Michael, ein deutsches Schicksal" (1929) hat Klaus Theweleit in Goebbels´ Begriff der Arbeit genau diese Bedeutung gefunden. Arbeit ist Kampf und dieser Kampf wird erlebt als eine Geburt noch nicht zu Ende Geborener zum "Titanen", zum "Gott":

"In Goebbels `Michael´ erscheint `Arbeit´ als Zentralbegriff überhaupt, bis sie sich gegen Ende als eine Unterform des Kampfes herausstellt, und `Kampf´ und `Krieg´ das Eigentliche sind. `Arbeit erlöst´, sagt Michael. `Erlösung´ ist der ersehnte Zustand auf den alle `Arbeit´ Michaels zusteuert. Er meint die Erlösung vom alten Menschen ... Das Bergwerk, in das Michael am Ende geht, um `Arbeiter´ zu werden, liefert vor allem die Möglichkeit, Arbeitsintensitäten von der Art des Rausches zu beschwören, die ... Erlösung garantieren. `Ich will kein Erbe sein.´ Neuer, selbstgeborener Mensch werden in einem Apparat, der Ichgrenzen abwirft – dazu dient Arbeit. `Ich bin kein Mensch mehr. Ich bin ein Titane. Ein Gott!´" (Klaus Theweleit: Männerphantasien 2. Männerkörper - Zur Psychoanalyse des weißen Terrors, 232ff)